Berlin-Wilmersdorf : Promi-Schneider Günter Adam schließt sein Atelier

Mario Adorf, Meret Becker, Bruno Ganz und Harald Juhnke: Alle ließen sich von ihm einkleiden. Günter Adam ist einer der letzten Maßschneider in der Stadt. Nach 51 Jahren hört er nun auf.

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Er hat noch viel vor. Günter Adam, 80, schließt sein Maßatelier an der Meinekestraße, um „das Alter auch mal zu genießen“.
Er hat noch viel vor. Günter Adam, 80, schließt sein Maßatelier an der Meinekestraße, um „das Alter auch mal zu genießen“.Foto: Thilo Rückeis

Mehrere Male hatte Schneidermeister Günter Adam schon darüber nachgedacht, sein Wilmersdorfer „Atelier Adam“ an der Meinekestraße 6 zwischen Ku’damm und Lietzenburger Straße aufzugeben. In den vorigen Jahren konnten Stammkunden ihn davon noch abhalten. Aber bald ist nun wirklich Schluss: Am 13. Mai feiert Adam seinen 81. Geburtstag, eine Woche später will er seine Maßschneiderei nach 51 Jahren schließen. „Nur die Nähmaschine nehme ich mit nach Hause“, sagt er. Schließlich schneidert er manchmal auch privat für seine Familie, besonders für seine Frau.

Dagegen müssen sich prominente Kunden wie der Sänger Max Raabe, der Bariton Thomas Quasthoff oder der Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach nun einen neuen Lieferanten für Anzüge und Mäntel suchen – was nicht so einfach werden dürfte, denn es gibt nur noch rund ein Dutzend Maßschneider in der Stadt.

Diese Zahl nennt der Landesinnungsmeister in Berlin und Brandenburg, Volkmar Arnulf, der 30 Jahre lang ein Atelier am Kurfürstendamm hatte, aber 2012 wegen einer starken Mieterhöhung nach Potsdam umzog. Für Maßkonfektion gebe es noch mehr Betriebe, sagt Arnulf, diese arbeiteten aber mit Industrieware: „Das hat mit dem echten Handwerk nichts zu tun.“

Der Atelierkauf beugte Ärger mit Vermietern vor

Für Adam lohnte es sich, dass er einst viel Geld ausgegeben hatte, um seine Räume an der Meinekestraße zu kaufen. Steigende Mieten rund um den Ku’damm konnten ihm also nichts anhaben. Nun will er den Laden veräußern, es gibt bereits einen Interessenten. Mehr dazu möchte Adam nicht sagen, das Geschäft sei „noch nicht in trockenen Tüchern“. Nur so viel: „Es wird keine Modehandlung.“ Sein Mobiliar werde er wohl in eine Auktion geben und übrig gebliebene Stoffe vielleicht dem Lette-Verein.

Regierender Bürgermeister lobte das „Adams-Kostüm“

Adam stammt aus Weißensee, 1955 siedelte er in den Berliner Westen über. Zeitweilig hatte er bis zu vier Mitarbeiter, aber seit vielen Jahren machte er fast alles selbst, mit gelegentlicher Hilfe einer Schneiderin. Als der Meister im Frühjahr 2015 sein 50. Geschäftsjubiläum feierte, gratulierte auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). „Im ,Adams-Kostüm’ zu gehen, ist seit fünf Jahrzehnten in Berlin – und weit darüber hinaus – ein Markenzeichen dafür, gut gekleidet zu sein“, schrieb Müller. „Mainstream war nie Ihr Ding, Qualität, solides Handwerk und zeitloser Schick sind seit Jahrzehnten Ihre Domäne.“

Stars und Berliner Bühnen gehörten zur Kundschaft

Von prominenten Kunden allein könne man nicht leben, hat Adam mal gesagt. Gleichwohl ist die Liste bekannter Kunden lang. So holte Hollywoodstar Harvey Keitel den Schneidermeister sogar für Dreharbeiten zwei Mal nach Rom. Adam kleidete Eddy Arent für die Edgar-Wallace-Filme ein und später Christoph Waltz für die „Roy Black Story“. Auch Mario Adorf, Meret Becker, Tim Fischer, Bruno Ganz, Harald Juhnke, Udo Lindenberg, Günter Pfitzmann, Nina Ruge, Wolfgang Völz und Judy Winter trugen Maßgeschneidertes aus der Meinekestraße.

Früher fertigte Adam außerdem Kostüme für Theater wie die Schaubühne, das Theater des Westens und die Ku’damm-Bühnen.

Endlich mehr reisen

Der Meister hört nicht aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen auf, sondern um zusammen mit seiner Ehefrau „das Alter auch mal zu genießen“. Wichtig ist ihm, „den Zeitpunkt selbst zu bestimmen, ich werde nicht dazu gezwungen“. Vor allem will Adam mehr reisen, was bisher nur an den Oster- oder Pfingstfeiertagen möglich war. Im Mai fliegen er und seine Frau nach Sizilien. Auch nach Wien könnte es bald wieder gehen, um eine Theateraufführung mit Klaus Maria Brandauer zu sehen, der sich übrigens ebenfalls mal an der Meinekestraße einkleiden ließ.

Dort wird es kein Abschiedsfest geben, auch seinen 81. Geburtstag möchte Adam nur im Familienkreis feiern. Um seine Person hat er ohnehin nie viel Aufhebens gemacht. Schneider seien keine Stars, sondern Handwerker, findet er. Zwischen seiner Wohnung in Halensee und dem Atelier pendelte Adam, der kein Auto besitzt, immer ganz unspektakulär per Bus.

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