Berlin-Wilmersdorf : Weniger Nöte in der Notunterkunft

Im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf haben es Flüchtlinge und ihre Helfer nun leichter. Vieles deutet darauf hin, dass die Notunterkunft bis zum Frühjahr geöffnet bleibt.

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Thomas de Vachroi, Leiter der Notunterkunft im früheren Rathaus Wilmersdorf, freut sich über viele gespendete Medikamente.
Thomas de Vachroi, Leiter der Notunterkunft im früheren Rathaus Wilmersdorf, freut sich über viele gespendete Medikamente.Foto: Cay Dobberke

Das ehemalige Rathaus Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz soll offenbar bis Ende März 2016 eine Notunterkunft für Flüchtlinge bleiben. Für diesen Zeitraum sei er vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) angestellt worden, sagt der neue Leiter des Standorts, Thomas de Vachroi. Auch Bezirkssozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) hat gehört, dass es bis dahin weitergehen soll.

Vom Vermieter, dem Berliner Immobilienmanagement (BIM), gab es dafür allerdings keine Bestätigung. „Wir wissen davon nichts“, sagte die Sprecherin Katja Cwejn am Mittwoch. Das BIM hatte die Räumung bis zum Jahresende wiederholt als unausweichlich bezeichnet, weil das Ex-Rathaus modernisiert werden soll.

Es geht um den für 2017 geplanten Einzug des Landesrechnungshofs, dessen Räume nahe der Urania asbestbelastet sind, sowie um Ersatzbüros für die Berliner Stadtentwicklungsverwaltung. Deren Hochhaus an der Württembergischen Straße soll 2017 saniert werden. Im Laufe der kommenden Jahre zieht voraussichtlich auch das Landesarbeitsgericht aus Tiergarten an den Fehrbelliner Platz um.

An dieser Stelle geben Helferinnen Hygieneartikel aus.
An dieser Stelle geben Helferinnen Hygieneartikel aus.Foto: Cay Dobberke
Die einstige Rathauskantine ist wieder ein Speisesaal, kochen kann man dort allerdings nicht.
Die einstige Rathauskantine ist wieder ein Speisesaal, kochen kann man dort allerdings nicht.Foto: Cay Dobberke

Jetzt sind auch Profis des ASB im Einsatz

Die Mitte August eröffnete Notunterkunft hatte einen schweren Start, doch langsam bessert sich die Lage. In den ersten fünf Tagen gab es keine Duschen, jetzt stehen Sanitärcontainer nebenan in der Mansfelder Straße. Anfangs lastete der gesamte Betrieb auf ehrenamtlichen Helfern des ASB-Katastrophenschutzes und engagierten Bürgern. Seit gut zwei Wochen sind nun zwölf ASB-Mitarbeiter hauptamtlich im Auftrag des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) im Einsatz.

In der alten Rathauskantine fehlt Küchentechnik, alle warmen Speisen liefert ein Caterer. Bei einer Veranstaltung in der Auenkirche nannten ehrenamtliche Helfer in der vorigen Woche weitere Probleme, für die sie das Lageso verantwortlich machten.

Der Leiter der Unterkunft relativiert die Vorwürfe

Thomas de Vachroi findet die Kritik übertrieben, wie er dem Tagesspiegel bei einem Rundgang durch die Unterkunft sagte. Er arbeite gut mit dem Landesamt zusammen. Ein Arzt, der „himmelschreiende“ hygienische Zustände beklagt hatte, habe sich bei ihm dafür entschuldigt. Das bezirkliche Gesundheitsamt teilte dem ASB soeben nach einer Kontrolle mit, alles sei in Ordnung.

Eines aber ärgert den Unterkunftsleiter: Die einzige Behindertentoilette können nur Mitarbeiter des Lageso nutzen, das Büros im Erdgeschoss bezogen hat. Dafür wurde eigens eine neue, verschließbare Tür gebaut.

Die große Hilfsbereitschaft bewegt viel

Flüchtlingskinder im Fraktionszimmer: Die Bezirksverordnete Heike Schmitt-Schmelz am früheren SPD-Tagungsraum, in dem nun gespielt wird.
Flüchtlingskinder im Fraktionszimmer: Die Bezirksverordnete Heike Schmitt-Schmelz am früheren SPD-Tagungsraum, in dem nun gespielt...Foto: Cay Dobberke

In früheren Fraktionszimmern der SPD und CDU spielen Helfer mit Kindern und betreuen Frauen.

Die evangelische Hochmeistergemeinde, die Initiative „Willkommen in Wilmersdorf“ und weitere Bürger finanzierten zwölf Waschmaschinen und zwölf Trockner, für die zurzeit Anschlüsse gelegt werden. Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigungen (MIT) der CDU spendeten Geschirrspüler, der Zalando-Versand will Räume für Hebammen und Psychologen renovieren lassen. Und am Freitag kommen Forscher des Max-Planck-Instituts vorbei, um den Kantinensaal zu putzen.

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