Berliner Gedächtniskirche : Das halbe Leben lang Pfarrer – Martin Germer feiert 60. Geburtstag

Gottesdienste, Seelsorge, Jazzkonzerte und bröckelnde Kirchenbauten: Pfarrer Martin Germer hat viel zu tun in der Gedächtniskirche. Nun ist er 60 Jahre alt geworden.

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Hier gratuliert Ex-Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer (links) dem Gedächtniskirchen-Pfarrer Martin Germer.
Hier gratuliert Ex-Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer (links) dem Gedächtniskirchen-Pfarrer Martin Germer.Foto: Cay Dobberke

Unten in der alten Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Charlottenburger Breitscheidplatz gemahnt die Gedenkhalle an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Am Sonntag aber ging es dort auch mal fröhlich zu: Der evangelische Pfarrer Martin Germer feierte mit vielen Gästen seinen 60. Geburtstag – nachdem er nebenan im neueren Kirchensaal noch den 10-Uhr-Gottesdienst geleitet hatte.

Vor 30 Jahren sei er zum Pfarramt zugelassen worden, erinnerte sich Germer, damit sei er nun „das halbe Leben lang Pfarrer“. Bis 1990 blieb der gebürtige Würzburger an der Hochschule, dann trat er seine erste Stelle in der Wilmersdorfer Auenkirche an, bis er 2005 als Nachfolger von Sylvia von Kekulé und des damals eigentlich schon pensionierten Interims-Pfarrers Knut Soppa zur Gedächtniskirche wechselte. Die Berufung in das Berliner Wahrzeichen war für Germer „wie ein Lottoglück“. Die Kirche zieht jährlich rund 1,3 Millionen Menschen an, von denen die meisten Touristen sind. Privat wohnt Germer mit seiner Frau Karin in der Uhlandstraße.

Oft engagiert sich der Pfarrer für die City West

Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) lobte ihn als „Lokomotive“ der weltlichen Entwicklung im Berliner Westen, denn Germer kooperiert gern mit den Anrainern. Aktuell gehört die Gemeinde zu den Gründungsmitgliedern einer geplanten „Immobilien- und Standortgemeinschaft“ rund um den Ku’damm. Bekannt ist die Kirche auch für ihre Jazzfeste. Saxofonist Uwe Steinmetz, der daran maßgeblich beteiligt ist, begleitete Germers Feier musikalisch.

Martin-Michael Passauer, Ex-Generalsuperintendent der evangelischen Landeskirche, würdigte die „Beständigkeit und Treue“ des Pfarrers, erwähnte aber auch dessen „buchstäblich steinigen Weg“. Tatsächlich verbringt Germer viel Zeit damit, Gebäudesanierungen mit zu planen – die Gedächtniskirche ist eine Dauerbaustelle.

Eine Sanierung jagt die nächste

Nach der abgeschlossenen Sanierung des alten Turms geht es nun um die von Egon Eiermann gestalteten neueren Kirchenbauten. Die Kapelle wird gerade modernisiert und steht verborgen hinter einer schützenden „Umhausung“. Eingerüstet ist auch der Glockenturm, an dessen Betonwaben erneut große Schäden entdeckt wurden. Darüber hinaus sucht man „Podiumpaten“ als Geldgeber für die Reparatur der Bodenplatten draußen. Bei seiner Feier bat Germer zudem um Spenden für die Erneuerung der Innenbeleuchtung im Gottesdienstsaal.

Zu seinen Hobbys gehören bis heute Bergwanderungen – auch wenn es bei einer davon zum größten Schicksalsschlag seines Leben gekommen war. Am Riebenkofel in Kärnten verunglückte 1997 seine erste Ehefrau Heike tödlich. Germer trauerte lange um sie, tröstete sich aber mit dem Gedanken: „Es ist egal, wie lange ein Mensch gelebt hat, entscheidend ist, womit seine Lebenszeit gefüllt war. Wir waren zwölf Jahre zusammen, das war eine schöne Zeit, und meine Frau hat ein vielseitiges, erfülltes Leben gehabt.“

Leger steht ihm auch: Das Cover eines Fotobuchs, das zu den Geburtstagsgeschenken gehörte.
Leger steht ihm auch: Das Cover eines Fotobuchs, das zu den Geburtstagsgeschenken gehörte.Foto: Cay Dobberke

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