Berliner Traditionslokal „Wilhelm Hoeck 1892“ : In Charlottenburgs ältester Kneipe fließt wieder das Bier

Im Januar wurde sie geschlossen, doch nun kehrt die 125 Jahre alte Berliner Kneipe „Wilhelm Hoeck 1892“ am Samstag zurück. Der neue Wirt verspricht: Im urigen Schankraum bleibt alles beim Alten.

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Arne Wiedenhöft zapft ab dem 4. Februar wieder im „Wilhelm Hoeck“ – als Angestellter des neuen Wirts.
Arne Wiedenhöft zapft ab dem 4. Februar wieder im „Wilhelm Hoeck“ – als Angestellter des neuen Wirts.Foto: Cay Dobberke


Knapp drei Wochen nach der Schließung macht Charlottenburgs älteste Kneipe, das „Wilhelm Hoeck 1892“ in der Wilmersdorfer Straße 149, am Sonnabend um 16 Uhr wieder auf. Im Schankraum mit dem historischen Interieur verändere sich nichts, versichert der neue Wirt Marko Tobjinski: „Das Hoeck soll bleiben, wie es ist.“ Er übernehme auch mehrere Mitarbeiter, darunter als „Urgestein“ den langjährigen Barmann Arne Wiedenhöft, dessen Vater das Lokal in den 1990er Jahren betrieben hatte.

Die letzte Pächterin Tanja Rudolph musste wegen eines Streits mit den Vermietern aufgeben. Soweit bekannt, ging es nicht um Geld, sondern um persönliche Animositäten. Tobjinski sagt, er habe schon vor einiger Zeit „gehört, dass es zu Ende geht“ und sich daraufhin um die Kneipe bemüht.

Der 1970 geborene Gastronom ist seit mehr als 20 Jahren in der Branche tätig und betreibt in Charlottenburg auch die Cocktailbar „Carlitos“ an der Sybelstraße. „Ab und zu“ habe er in den vorigen Jahren mal das „Wilhelm Hoeck 1892“ besucht, sagt er. Bereits im Alter von acht Jahren sei er von seinem Stiefvater dorthin mitgenommen worden, wisse das aber nur aus dessen Erzählungen und erinnere sich nicht daran.

Der neue Pächter Marko Tobjinski hat als Gastronom schon mehr als 20 Jahre Erfahrung.
Der neue Pächter Marko Tobjinski hat als Gastronom schon mehr als 20 Jahre Erfahrung.Foto: privat

Auch der Speisesaal soll wieder Alt-Berliner Atmosphäre bieten

Bei der Wiedereröffnung konzentriert sich der Wirt zunächst auf den Getränkeausschank, auch wenn er für hungrige Gäste zumindest kleine Verköstigungen wie „Bouletten und Schmalzstullen“ ankündigt. Der eigentliche Restaurantbetrieb im separaten Speisesaal soll erst später neu starten. Der Saal war vor ein paar Jahren modernisiert worden, nun möchte Tobjinski einiges zurückbauen. Denn er strebt ein „wohnliches“ Ambiente an, das „wieder zur Alt-Berliner Kneipe passt“ und will dafür beispielsweise auf Trödelmärkten nach Antiquitäten suchen.

Probierstube der einstigen Schnapsdestille und Likörfabrik

Der Gründer Wilhelm Hoeck hatte 1892 eine Wein- und Sekthandlung sowie eine „Großdestillation und Liquerfabrikation“ mit Probierstube eröffnet. Schon der Zeichner Heinrich Zille kam häufig vorbei und verewigte die Kneipe im Jahr 1910 auf seinem Bild „Schnapsdestille“. Bis 1972 führten Hoecks Nachkommen den Betrieb, es folgten verschiedene Pächter. Oft wurden Filme und Fernsehserien in den Räumen gedreht, zum Beispiel standen dort Manfred Krug und Hollywoodstar Tom Hanks vor der Kamera. Die Besonderheit ist der nahezu unverändert erhaltene Schankraum mit holzvertäfelten und rauchgeschwängerten Wänden, rustikalen Tischen, Schnapsfässern und einer rund 110 Jahre alten Registrierkasse.

Charlottenburgs Ur-Kneipe „Wilhelm Hoeck“ kehrt zurück
„Wilhelm Hoeck 1892“ an der Wilmersdorfer Straße ist die älteste Kneipe Charlottenburgs.Weitere Bilder anzeigen
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13.01.2017 21:54„Wilhelm Hoeck 1892“ an der Wilmersdorfer Straße ist die älteste Kneipe Charlottenburgs.


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