Bordell in Berlin-Wilmersdorf : „Café Pssst!“ ist pleite

Berlins wohl berühmtestes Bordell musste wegen Mietschulden schließen. Die kämpferische Chefin Felicitas Schirow sucht aber neue Chancen.

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Alles muss raus. Am Montag ging die Zwangsräumung des Wilmersdorfer Bordells „Café Pssst!“ weiter.
Alles muss raus. Am Montag ging die Zwangsräumung des Wilmersdorfer Bordells „Café Pssst!“ weiter.Foto: Cay Dobberke

Möbelpacker leerten am Montag die Zimmer des Bordells „Café Pssst!“ in Wilmersdorf, nachdem sie das Interieur der Bar schon am Freitag im Auftrag eines Gerichtsvollziehers abtransportiert hatten. In dem über Berlin hinaus bekannten Sexclub läuft die Zwangsräumung, wie die Chefin Felicitas Schirow bestätigte.

Nach knapp 18 Jahren muss sie den Betrieb an der Brandenburgischen Straße wegen Miet- und Steuerschulden aufgeben – fast genau 15 Jahre nach ihrem aufsehenerregenden Gerichtserfolg, mit dem sie maßgeblich zur Entkriminalisierung der Prostitution beigetragen hatte.

Richter erklärten Prostitution für nicht sittenwidrig

Damals hatte das Bezirksamt Wilmersdorf die Bar schließen wollen, weil unzulässige „Anbahnungsgespräche“ für die sexuellen Dienstleistungen im Hinterhaus geführt würden.

Felicitas Schirow.
Felicitas Schirow.Foto: Imago

Doch das Berliner Verwaltungsgericht urteilte, Prostitution sei nicht mehr grundsätzlich sittenwidrig. Die Wertvorstellungen in der Gesellschaft hätten sich geändert. Das Urteil galt als wegweisend für das Prostitutionsgesetz, das zwei Jahre später bundesweit in Kraft trat, um die rechtliche und soziale Situation von Prostituierten zu verbessern.

Felicitas Schirow, die damals noch Weigmann hieß, trat in TV-Talkshows auf und organisierte 2013 auch eine Veranstaltung in der Urania, um Thesen der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer aus deren Buch „Prostitution – ein deutscher Skandal“ zu widersprechen.

Im Bordell sank der Umsatz

Seit 2014 seien aber oft zu wenig Gäste im „Café Pssst!“ gewesen, sagt die 58-Jährige. „Ich brauche mindestens 30 000 Euro Umsatz pro Monat, um etwas zu verdienen.“ Im vorigen Juli und August konnte sie die Miete nicht zahlen. Danach gelang dies zwar wieder, aber sie konnte die angehäuften Schulden nicht tilgen, die sich auf mehrere zehntausend Euro summierten.

Einen Grund für die Probleme sieht Schirow darin, dass sie sich viel um ihren heute siebenjährigen Sohn kümmerte und nicht mehr ständig selbst im Bordell anwesend war. Ihr Ehemann, von dem sie getrennt lebt, habe sie vertreten, aber das habe wohl nicht so gut geklappt.

Die Frauen kamen freiwillig und mieteten Zimmer

Zuletzt kamen etwa 30 Prostituierte regelmäßig ins „Café Pssst!“, um den Kontakt zu Freiern zu suchen und ein Zimmer zu mieten.

Nach der Bar wurde das Hinterhaus geräumt.
Nach der Bar wurde das Hinterhaus geräumt.Foto: Cay Dobberke

Schirow betonte stets, die Frauen seien auf eigene Rechnung und ohne Zwang tätig. Dies hatte ihr auch die Polizei nach Kontrollen bestätigt. Betroffen von der Schließung sind außerdem vier Voll- und Teilzeitmitarbeiterinnen und zwei Aushilfen, die nicht zu den Prostituierten gehörten.

Neueröffnung unter anderer Führung?

Noch gibt Schirow nicht auf. So hält sie es für möglich, dass eine Freundin das Bordell wiedereröffnet. Eine Sprecherin der Vermieterfirma Immeo sagte auf Nachfrage: „Wir stehen jeglicher Neuvermietung offen gegenüber.“ Außerdem will Schirow mit Betreibern eines anderen Bordells über ihren Einstieg verhandeln. Neben ihrer Person könne sie den Markennamen „Café Pssst!“ einbringen, der ihr gehöre.

Protest gegen stärkere Reglementierungen

Schirow schreibt gerade ein Buch über die Prostitution und über sich, ihr politisches Engagement geht weiter.

Aktuell kämpft sie zusammen mit einigen Interessenvertreterinnen der Sexbranche gegen das von der Bundesregierung geplante Prostituiertenschutzgesetz. Dieses sieht unter anderem vor, dass sich jede Prostituierte bei einer Behörde anmelden und jährlich eine Gesundheitsberatung absolvieren muss. Solche Reglementierungen führen nach Meinung der Kritikerinnen vor allem dazu, dass mehr heimlich gearbeitet werde oder viele „Sexarbeiterinnen“ ihren Job aufgäben.

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