Charlottenburg-Wilmersdorf : Abschied vom Kiez-Kenner

Rund drei Jahrzehnte lang hat der Historiker Karl-Heinz Metzger nicht nur das Bezirksamt in der City West als Sprecher vertreten, sondern auch die Kommunalgeschichte erforscht, Bücher geschrieben und 156 „Kiezspaziergänge“ vorbereitet. Jetzt geht er in den Ruhestand – und hat so mehr Zeit als Klarinettist in einer Klezmer-Band

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Gute Laune bei der Abschiedsfeier. Der scheidende Bezirksamtssprecher Karl-Heinz Metzger (Mitte) mit seiner Frau Margarita und Bürgermeister Reinhard Naumann. Foto: Cay Dobberke
Gute Laune bei der Abschiedsfeier. Der scheidende Bezirksamtssprecher Karl-Heinz Metzger (Mitte) mit seiner Frau Margarita und...Foto: Cay Dobberke

So gut wie Karl-Heinz Metzger weiß wohl niemand, woher die Namen von Straßen in Charlottenburg-Wilmersdorf stammen, welche Sehenswürdigkeiten es dort gibt und welche Geschichten mit Gebäuden oder Gedenktafeln verbunden sind. 30 Jahre lang arbeitete der Historiker für das Bezirksamt, davon 28 als Leiter der Pressestelle – anfangs in Wilmersdorf und ab 2001 im fusionierten Großbezirk.

Von ihm stammen lokalgeschichtliche Bücher, etwa über den Ku’damm und die „Kommunalverwaltung unterm Hakenkreuz“. Von 1992 bis 2010 vertrat Metzger auch die Interessen aller Berliner Bezirks-Pressestellen als deren Sprecher. Am Mittwoch verabschiedeten Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und viele jetzige oder frühere Mitarbeiter des Bezirksamts den 60-Jährigen in den Ruhestand.

Seine Kenntnisse über die City West erwarb sich Metzger besonders als Organisator der „Kiezspaziergänge“. 2002 hatte die damalige Bürgermeisterin Monika Thiemen die Rundgänge gestartet, bei denen der Rathauschef – oder vertretungsweise ein anderes Bezirksamtsmitglied – Bürgern gratis einen Kiez zeigt. Bisher gab es 155 Führungen, die Metzger alle mit Recherchen vorbereitet hat.

An seinem letzten Arbeitstag, dem kommenden Sonnabend, begleitet er Naumann beim nächsten Spaziergang, der um 14 Uhr am Joachimsthaler Platz beginnt und zur Kirche am Hohenzollerndamm führt.

Naumann lobt, Metzger habe „Maßstäbe in der Gedenkkultur gesetzt“, auch als Unterstützer der „Stolperstein“-Initiative, die an NS-Opfer erinnert.

Pionierarbeit leistete der Sprecher online: Die Webseite von Charlottenburg-Wilmersdorf war die erste eines Fusionsbezirks und ist stadtweit die umfangreichste. Dazu trägt das großenteils von Metzger verfasste Bezirkslexikon bei. Nach einem Urlaub möchte er nun „als eine Art Privatforscher“ einige Themen noch genauer ergründen – aber auch mehr Klarinette spielen.

Denn Metzger gehört zum Ensemble „Kiezklezmer“ aus dem Kiez am Klausenerplatz. Jetzt überraschten ihn die Bandkollegen mit einem schmissigen Auftritt im Rathaus.

Der Artikel erscheint auf dem Ku'damm-Blog, dem Online-Magazin für die westliche Innenstadt.

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