Charlottenburger Einkaufszentrum : Bikini Berlin zieht nur am Wochenende

Die Shoppingpassage am Zoo will weg vom üblichen Filialistenangebot, hin zum Individuellen. Den großen Zulauf bringt das bisher aber nicht. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung sind einige der Händler skeptisch.

von und Jana Kugoth
Mit Fenster zum Zoo. Die Einkaufspassage im Bikini-Haus am Sonnabend, dem Wochentag mit den größten Besucherzahlen.
Mit Fenster zum Zoo. Die Einkaufspassage im Bikini-Haus am Sonnabend, dem Wochentag mit den größten Besucherzahlen.Foto: Cay Dobberke

An sich ist es normal in Einkaufszentren, dass die Woche relativ umsatzschwach beginnt und der Kundenandrang am Freitag und Sonnabend seinen Höhepunkt erreicht. Doch nur selten sind die Unterschiede so augenfällig wie im Charlottenburger „Bikini Berlin“. „Erschreckend leer“ fand es eine Händlerin zum Beispiel am vorigen Donnerstag. Am Sonnabend dagegen sei der Andrang „krass“ gewesen, sagte eine andere. Und am verkaufsoffenen Sonntag war zwar weniger los, aber immer noch deutlich mehr als an den meisten anderen Wochentagen.

Ein halbes Jahr ist es nun her, dass der Investor Bayerische Hausbau die Einkaufspassage zwischen Breitscheidplatz und Zoo mit dem Anspruch eröffnete, ganz anders zu sein als übliche Center. „Shop different“, lautet der Werbeslogan.

„Es braucht mehr Werbung, Events und Power“

Tatsächlich sieht man wenig Filialisten und dafür viele Designerläden, einige Betreiber stammen aus Berlin. In Holzboxen gibt es „Pop-up-Stores“, die jeweils für ein bis zwölf Monate vermietet werden; junge Unternehmen können so ihr Geschäftsmodell erproben.

Doch längst nicht alle Mieter sind zufrieden. „Es läuft schlecht“, klagt zum Beispiel Luis Rodriguez, Deutschlandmanager des Mailänder Damenmodelabels P.A.R.O.S.H., das einen Laden im zweiten Stock an der Dachterrasse betreibt. „Wir haben eine bestimmte Klientel, die wir hier aber nicht erreichen. Es braucht mehr Werbung, Events und Power.“

Bikini Berlin am Zoo nach einem Jahr
Ambivalentes Jubiläum. Der erste Geburtstag der Charlottenburger Einkaufspassage „Bikini Berlin“ fiel mit der Schließung des großen Restaurants „The Eats“ zusammen. Für andere Händler läuft es besser. Hier bringt ein Fassadenkletterer gerade Werbung für eine Veranstaltung an.Weitere Bilder anzeigen
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Verkäuferinnen bei „Alessi“ sagen es noch deutlicher: „Es läuft schleppend. Es wird zu wenig Werbung gemacht, dabei zahlen wir horrende Mieten. Die leer stehenden Läden nebenan sind tödlich fürs Geschäft.“

Um 17 Uhr noch nichts verdient

Modedesignerin Natalia Weimann aus Schöneberg erzählt, sie und ihre Mitarbeiter hätten „mal gezählt und hochgerechnet“: Demnach laufen an ihrem Laden täglich 1900 Leute vorbei. Am Breitscheidplatz seien es 8000 pro Stunde. „Donnerstag, 17 Uhr, hatten wir null Euro in der Kasse – trotz des tollen Konzepts.“

Andere Händler sind zufrieden

Positiver sieht es Anna Lauinger aus Moabit, die sich nebenan mit einem Laden der dänischen Modemarke Ganni selbstständig gemacht hat. Bei ihr läuft es „ganz gut“, im Sommer kauften Touristen zahlreich ein, darunter viele aus New York. Das Konzept von „Bikini Berlin“, findet sie, gehe auf: „Während Papa und die Kinder auf den Zoo gucken, geht Mama einkaufen“.

Auch Sevil Ugus vom Designermodegeschäft LNFA sieht sich am richtigen Ort. „Für uns läuft es gut. Wir würden auch nicht in eine typische Mall passen.“ Nur werde ihr Team oft gefragt, ob das Geschäft mit den Rohren an der Decke denn schon fertig sei. Älteren Kunden müsse man manchmal erklären, dass die Unvollkommenheit gewollt ist.

Im Schnitt 20 000 Besucher pro Tag

Mit rund 17 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und zurzeit 63 Läden ist die Passage kleiner als viele andere Einkaufszentren. Nach Auskunft des Bauherren kommen im Durchschnitt täglich rund 20 000 Besucher, etwa die Hälfte seien Touristen. Zum Vergleich: Die Potsdamer-Platz-Arkaden mit 40 000 Quadratmeter Verkaufsfläche ziehen etwa drei Mal mehr Menschen an.

„Selbstverständlich muss sich ein so ehrgeiziges Projekt erst etablieren“, sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau, Kai-Uwe Ludwig. Mit der Entwicklung der „Concept Mall“ sei man aber sehr zufrieden. Während bei der Eröffnung im April noch viele Läden leer waren, liegt der Vermietungsstand jetzt laut Ludwig bei rund 90 Prozent. Für die restlichen Räume gebe es Interessenten, mit denen man verhandele. Wichtig sei, dass „wir unserem Konzept treu bleiben und die passenden Anbieter finden“.

Noch im Oktober will die Outdoor-Modemarke „The North Face“ ein Geschäft aufmachen. Außerdem findet vom 20. bis 25. Oktober eine „Wool Week“ statt, bei der sich alles ums Thema Wolle dreht . Über weitere Veränderungen und Visionen möchte die Bayerische Hausbau noch nicht sprechen, weil sie erst im November eine öffentliche Zwischenbilanz plant.

Ein Center für Individualisten

„Die Anlaufzeit ist sicherlich länger als bei einem üblichen Einkaufszentrum“, sagt der Einzelhandelsexperte Christoph Meyer von der Firma CM Best Retail. Das Bikini-Haus liege eben nicht am Ku’damm, sondern nur in dessen Nähe. Allen Beteiligten sei von Anfang an „klar gewesen, dass die üblichen Filialisten hier nicht anmieten würden“. Das Konzept locke „keine konsumwütigen Teenager an, sondern eher Individualisten, die das Besondere suchen“.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin ist noch immer voll des Lobes. Vize-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter glaubt, mit ihrem neuen Ansatz habe „die Concept Mall viele Händler auf die Fläche gebracht, die das vielseitige Angebot am Kurfürstendamm ideal ergänzen“.

Nebenan ist der Andrang außergewöhnlich

Die größten Gewinner scheinen nicht im modernisierten Baudenkmal aus den 1950er Jahren zu sitzen, sondern in den aufgefrischten Gebäuden nebenan, die mit zum „Bikini“ gehören. So ist der Zoo-Palast, den die Bayerische Hausbau ursprünglich abreißen wollte, seit der Wiedereröffnung sehr beliebt.

Zur Attraktion wurde auch das frühere Bürogebäude neben dem Elefantentor des Zoos, in dem im Januar das Hotel „25hours“ öffnete. Die Bettenauslastung liege inzwischen bei 93 Prozent, teilte das Unternehmen am Montag mit. In der zehnten Etage des Hotels sind die Plätze im Restaurant „Neni“ meist Wochen im Voraus ausgebucht Und die benachbarte „Monkey Bar“ braucht abends oft einen Türsteher, um den Andrang zu regeln.

- Der Artikel erscheint auf dem Ku'damm-Blog, dem Online-Magazin für die westliche Innenstadt. Möchten Sie Themen anregen oder haben Sie Fragen? Senden Sie eine Mail an kudamm@tagesspiegel.de.

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