Der Schauspieler und die Tänzerin : Wolfgang und Roswitha Völz – wie frisch verliebt

Schauspieler Wolfgang Völz und seine Frau Roswitha haben ihre diamantene Hochzeit gefeiert. Seit ihrer Heirat vor 60 Jahren wohnen sie in Wilmersdorf.

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Sie halten zusammen. Roswitha und Wolfgang Völz in ihrer Wilmersdorfer Wohnung.
Sie halten zusammen. Roswitha und Wolfgang Völz in ihrer Wilmersdorfer Wohnung.Foto: Thilo Rückeis

60 Jahre sind eine ganz schön lange Zeit – wie schafft man es als Ehepaar eigentlich bis zur „diamantenen Hochzeit“? Schauspieler Wolfgang Völz, wie immer zu Scherzen aufgelegt, vermeidet eine tiefgründige Antwort und sagt nur lächelnd: „Indem man brav auf seine Frau hört.“

Das ist seiner Frau Roswitha dann doch etwas zu wenig als Begründung. „Respekt, Vertrauen, Liebe und Familie“ gehörten dazu, ergänzt sie. Doch man müsse „nicht dauernd Händchen halten“. Ihrer Ehe habe es durchaus gut getan, dass ihr Mann wegen seiner Filmdrehs öfter mal weg war und sie sich dann umso mehr auf seine Rückkehr freute.

Nur einmal sei die Distanz zu groß geworden, „da gab es eine Krise“. Doch das ist nun auch schon lange her und vorbei. Als die beiden sich auf eigenen Wunsch im Flur ihrer Wilmersdorfer Wohnung an der Konstanzer Straße fotografieren lassen – exakt an der Stelle, wo einst ihr Lieblings-Hochzeitsfoto entstand – wirken der 85-Jährige und seine vier Jahre jüngere Frau wie frisch verliebt.

1955: Das frisch getraute Ehepaar Völz im Hausflur.
1955: Das frisch getraute Ehepaar Völz im Hausflur.Foto: privat
60 Jahre später posieren beide noch einmal dort.
60 Jahre später posieren beide noch einmal dort.Foto: Thilo Rückeis

Tanz auf dem Nilpferd

Kennengelernt hatten sie sich im Zirkus. Die als Tänzerin ausgebildete Roswitha Völz, geborene Karwath, war mit dem Schweizer Zirkus Knie auf Tour. Ein Foto aus London zeigt ihren spektakulären Tanz auf dem Rücken eines Nilpferds. Wolfgang Völz spielte damals am Theater und begann gerade seine Filmkarriere. Später trat er unter anderem in Edgar-Wallace-Filmen auf.

Mit Bügeleisen im Raumschiff Orion

1966 folgte seine wohl berühmteste Rolle: In „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ war er Leutnant Mario de Monti. Wenn Kommandant Cliff Allister McLane (Dietmar Schönherr) es befahl, setzte er etwa die Superwaffe „Overkill“ gegen außerirdische Angreifer ein.

Legendär wurde die Science-Fiction-Fernsehserie erst viele Jahre später durch das einzigartige Setdesign mit umfunktionierten Bügeleisen und Wasserhähnen oder Plastikbechern als Deckenleuchten im Cockpit. 2003 entstand aus Teilen der Serie der Kinofilm „Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino“.

Ballett hält fit

Weniger bekannt ist, dass Roswitha Völz als Tänzerin im „Starlight Casino“ der Raumschiffbasis zu sehen war. Den eigenwilligen Ausdruckstanz „Galyxo“ führte sie 40 Jahre später noch einmal auf, als das Film- und Fernsehmuseum am Potsdamer Platz das Jubiläum der TV-Serie feierte. „Ich mache noch immer Balletttraining“, sagt sie – wohl deshalb wirkt sie bis heute so fit.

Lieber „Graf Yoster“ als Science-Fiction

Wolfgang Völz sagt, er sei „gar kein Science-Fiction-Fan“ und habe mühsam „die schweren technischen Ausdrücke gelernt“. Seine Lieblingsrolle war die des Butlers und Chauffeurs Johann in der Detektivserie „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ mit Hauptdarsteller Lukas Ammann, die von 1967 bis 1976 im Fernsehen lief. Weil unter anderem in England und Frankreich gedreht wurde, kam Völz viel herum; er durfte auch „zwei Rolls-Royce kaputt fahren“, wie er sich schmunzelnd erinnert.

Käpt’n Blaubärs Stimme

Auch jüngeren Menschen ist Völz noch ein Begriff, vor allem als Stimme des „Käpt’n Blaubär“ aus der „Sendung mit der Maus“ und im Zeichentrickfilm von 1999. Den Seemannsgarn erzählenden Käpt’n spricht er auch heute noch gelegentlich. Früher war Völz ein vielbeschäftigter Hörspiel- und Synchronsprecher und lieh Kinostars wie Peter Ustinov, Walter Matthau und Ernest Borgnine die Stimme. „Aber die sind ja alle tot“, bedauert er.

Dietmar Schönherr war der beste Freund

Dasselbe gelte leider auch für die Kollegen und Freunde aus der „Raumpatrouille“ mit Ausnahme des 88-jährigen Friedrich Georg Beckhaus („Leutnant Atan Shubashi“), der in Zehlendorf wohnt. Am Leben ist auch noch der 102 Jahre alte „Graf Yoster“-Darsteller Lukas Ammann, der Völz zuletzt im August zum 85. Geburtstag gratulierte.

Am engsten befreundet war das Ehepaar Völz mit Dietmar Schönherr und dessen Frau Vivi Bach. „Vor zehn Jahren haben wir unsere Goldene Hochzeit bei ihnen auf Ibiza gefeiert“, sagt Roswitha Völz. Doch Vivi Bach starb 2013 und Dietmar Schönherr etwa ein Jahr später.

In Wilmersdorf lebt's sich gut

Roswitha Völz stammt aus Wilmersdorf, ihr in Danzig geborener Mann zog bei der Hochzeit mit in die Wohnung ein. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagen beide, „alles ist leicht erreichbar“. Und vielleicht noch wichtiger: „Es ist schön, dass unser Sohn Benjamin gleich um die Ecke wohnt.“ Die diamantene Hochzeit feierten die Eheleute jetzt mit ihm und den drei Enkelsöhnen. Übrigens sind auch der 1960 geborene Benjamin Völz und seine drei Jahre ältere Schwester Rebecca als Synchronsprecher im Filmgeschäft tätig.

Unterstützer der Aids-Hilfe

Das Ehepaar Völz engagiert sich auch gesellschaftlich. Wolfgang Völz machte schon 1989 bei der Kampagne „Gib Aids keine Chance“ mit und gehört zum Kuratorium der Berliner Aids-Hilfe. Dafür erhielt er 2002 den Verdienstorden des Landes Berlin. Außerdem haben die Eheleute beispielsweise den Zoo unterstützt und für die Rettung der Ku’damm-Bühnen demonstriert. Darüber hinaus wurde Völz bereits 1991 als herausragender „Volksschauspieler“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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