Geschäftsaufgabe am Kurfürstendamm : Das Traditionsgeschäft Pelz Lösche musste schließen

Im Herbst kam es zur Insolvenz, jetzt ist endgültig Schluss: Bei Pelz Lösche, seit 40 Jahren am Kurfürstendamm, war letzter Verkaufstag. Nachruf auf eine West-Berliner Institution

von
Der letzte Tag. Das West-Berliner Traditionsgeschäft Pelz Lösche hat dichtgemacht.
Der letzte Tag. Das West-Berliner Traditionsgeschäft Pelz Lösche hat dichtgemacht.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ein Russe ohne Zobelmütze – geht das? Vielleicht, wenn man Putin heißt, so ein Name verpflichtet nicht unbedingt, einer wie Ivan Rebroff schon. Und die Zobel-Pflicht gilt um so mehr, wenn der Russe gar keiner ist, stattdessen aus Spandau stammt, aber es doch mit seiner Sangeskunst versteht, dem Publikum eine Ahnung von der Weite der russischen Seele zu vermitteln.

So einer wurde zwangsläufig Stammkunde eines wohlsortierten Geschäfts wie „Pelz Lösche“, einer Institution für modische Rauchwaren, wohinter nur Unkundige ein Geschäft für dicke Havannas vermuten. Wohlgemerkt: Sie war es – am Sonnabend war letzter Verkaufstag.

Wieder also ein traditionsreicher Rest des alten West-Berlin abgewickelt – ein Ende, das sich im Herbst ankündigte, als der Gründer Udo Heiler für seinen zuletzt am Kurfürstendamm 203/Ecke Knesebeckstraße ansässigen Laden einen Insolvenzantrag stellte.

Monatelang habe er keine Miete zahlen können, erklärten die Insolvenzverwalter, so habe der Vermieter, Filmproduzent und Immobilienunternehmer Artur Brauner, den Vertrag gekündigt. Kunden gebe es, zumal aus Russland und Osteuropa, genug, das Hauptproblem seien die Kosten früherer Umzüge.

Dazu sei eine längere Erkrankung gekommen, sodass er als Chef oft nicht zur Verfügung stand, sagte der über 70-jährige Heiler am Sonnabend. Er hofft nun, es „irgendwie, irgendwo“ und mit einem jüngeren Geschäftspartner neu versuchen zu können. Der Name Lösche sei weiterhin gut, die Kundschaft treu. Viele Blumen, sogar Tränen habe es jetzt gegeben.

Gegründet wurde das Haus vor rund 40 Jahren an der Ecke Meinekestraße, bot bis zuletzt eine „große Auswahl in Pelz und Leder für Damen und Herren“, wie es auf der jede Auskunft über die Schließung verweigernden Website heißt. Peter Maffay, Jürgen Markus und Michael Holm kauften dort gerne ein, und selbst US-Schauspielerin Barbara Bel Geddes, „Miss Ellie aus „Dallas“, trug Lösche-Pelze.

Ein Ruf wurde so erworben, der nicht mal vor dem Eisernen Vorhang haltmachte. Beim Klassenfeind kaufen? Laut Heiler war das für Günter Schabowski und andere SED-Größen kein Problem.

Der Artikel erscheint auf dem Ku'damm-Blog, dem Online-Magazin für die westliche Innenstadt.

17 Kommentare

Neuester Kommentar