Gestank durch Bustoiletten : Schnelle Lösung für Gully-Problem am ZOB in Sicht

Am Zentralen Omnibus-Bahnhof stinkt´s, weil die Fahrer Bordtoiletten in Gullys entleeren. Eigentlich sollte erst 2017 Abhilfe geschaffen werden – doch nun geht es wohl ganz schnell.

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Ein ordentliches Geschäft. Am ZOB ist viel los. Die Probleme mit den Bustoiletten soll eine Entsorgungsstation lösen. Noch ist aber unklar, wer das nötige Personal bezahlt.
Ein ordentliches Geschäft. Am ZOB ist viel los. Die Probleme mit den Bustoiletten soll eine Entsorgungsstation lösen. Noch ist...Foto: Thilo Rückeis

Rund um den Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) am Charlottenburger Messegelände soll es weniger stinken: Am Montag geht im ZOB eine mobile Entsorgungsstation für Bustoiletten in Betrieb, damit Fernbusfahrer die Fäkalientanks nicht mehr illegal in Gullys entleeren. Dafür hatte sich die Senatsverkehrsverwaltung eingesetzt. Kurz nachdem der Tagesspiegel am Dienstag über die unappetitlichen Zustände berichtet hatte, meldete die zur BVG gehörende Betreiberfirma IOB, man könne die Übergangslösung nun umsetzen.

Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz wurde die mobile Entsorgungsstation am Donnerstag erfolgreich getestet. Ein Problem seien aber die auf 20 000 Euro pro Monat geschätzten Kosten, die vor allem für Personal anfallen: „Es muss jemand da sein, der die Anlage bedient“, sagt Reetz. Lege man alle Kosten auf die Busse um, könne die Gebühr so hoch ausfallen, dass manche Firmen sie nicht zahlen wollen – denn der Preiskampf in der boomenden Branche ist hart.

Eine feste WC-Entsorgungsanlage soll es erst 2017 geben

Noch steht nicht fest, welche Gebühr im ZOB verlangt wird. Die BVG will ein paar Wochen lang testen, wie gut die Anlage angenommen wird. Bei der Finanzierung „erwarten wir eine Lösung vom Senat“, betont die Sprecherin. Schließlich sei das Land Berlin der Eigentümer des ZOB, den die BVG-Tochterfirma nur verwalte.


Wie berichtet, soll eine feste WC-Entsorgungsanlage erst 2017 installiert werden, wenn der ZOB ohnehin erweitert wird. Bis zur Liberalisierung des Fernbusverkehrs im Jahr 2013 wurde keine Anlage benötigt, für die damals wenigen Busse genügte eine Anlage neben der Tankstelle auf dem Avus-Parkplatz an der Nordkurve. Im Vorjahr aber stieg die Zahl der an- und abfahrenden Busse am ZOB auf 175 000. Und im Oktober wurde die vom Land Berlin im Auftrag des Bundes betriebene Anlage geschlossen.

Werden Fäkalien auch in den Halensee geschwemmt?

Zuvor hatte sich die Pächterin der Tankstelle und des Avus-Motels über den Gestank beschwert. Nun aber finden sich Klopapier- und Fäkalienreste an Gullyrosten auf dem Parkplatz – und laut einem Fahnder der Verkehrspolizei sogar außerhalb der Gullys. Unter anderem ist auch die Masurenallee betroffen. Obwohl Abwässer in der Regel über die Kanalisation ins Klärwerk gelangen, besteht der Verdacht, dass ein Teil der Fäkalien bei starkem Regen auch in den Halensee neben der Stadtautobahn geschwemmt wird.

Dieser ist seit 2003 wegen schlechter Wasserqualität für Badegäste gesperrt, soll aber eigentlich innerhalb der kommenden zwei Jahre wieder freigegeben werden. Dafür hatten die Wasserbetriebe 2007 eine moderne Regenwasserfilter installiert.

Berliner Busunternehmen haben Betriebshöfe mit Entsorgungsanlagen. Die Firma Haru-Reisen und das Buszentrum des Herstellers MAN stellen ihre Einrichtungen in Spandau auch anderen Firmen zur Verfügung. Bei MAN kostet die Entsorgung 8,50 Euro oder pauschal 48 Euro pro Monat.„Wir sind gut ausgelastet“, heißt es, täglich kämen rund zwölf bis 15 Busse vorbei. Haru verlangt zehn Euro, pro Tag nutzen drei bis sechs Busfahrer das Angebot.

Firmenchef Karsten Schulze sagt, die Einnahmen seien zweitrangig. Ihm komme es darauf an, dass die Fernbusbranche „nicht in Verruf gerät“.

Der Artikel erscheint auf dem Ku'damm-Blog, dem Online-Magazin für die westliche Innenstadt.

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