Johannes Groschupf: „Das Lächeln des Panthers“ : Ein literarisches Denkmal für das Hotel Bogota

Johannes Groschupf widmet seinen großartigen Berlin-Roman „Das Lächeln des Panthers“ dem legendären Hotel Bogota und der Kunst.

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Vergangene Pracht. 2013 wurde das legendäre Hotel mit seinem charakteristischen Baldachin geschlossen, das Inventar versteigert.
Vergangene Pracht. 2013 wurde das legendäre Hotel mit seinem charakteristischen Baldachin geschlossen, das Inventar versteigert.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Kathinka ist die einzige deutsche Schülerin im Internat im schottischen Aberdeen, und sie ist eine verdammt gute Rugbyspielerin. Doch mitten in den Vorbereitungen zu dem entscheidenden Tournier, in dem ihr eine wichtige Rolle zukommt, erreicht sie ein alarmierender Anruf. Sie muss sofort nach Berlin kommen, ihr Vater liegt im Krankenhaus.

Vom Taxifahrer lässt sie sich auf dem Weg nach Hause am Hotel Marabu aus nostalgischen Gründen vorbeifahren, jenem legendären kleinen Hotel, das ihr Großvater einst aufgebaut hatte und das über die Grenzen der Stadt hinaus berühmt war – eine Ähnlichkeit mit dem Hotel Bogota mit seinem charakteristischen Baldachin in der Schlüterstraße ist gewollt. Johannes Groschupf legt mit „Das Lächeln des Panthers“ einen furiosen Berlin-Roman für Jugendliche vor – nach „Lost Places“ und „Wildes Lamm“.

Dieses Mal steht Kathinka im Mittelpunkt, die Enkelin des Hotelgründers, der dem Haus seine persönliche Note beschert und in dem Kunst immer eine besondere Rolle gespielt hatte. Dieses Hotel ist für das Mädchen von Kindesbeinen an ein wunderbarer Ort zum Spielen.

Nun scheint dies in Gefahr, da der Vater im Krankenhaus im Koma liegt und schließlich stirbt. Sie streift durch das Hotel, das Groschupf mit seinem Charme vergangener Zeiten liebevoll beschreibt. In der Bibliothek bleibt sie vor dem riesigen Ölgemälde stehen, das einen Panther zeigt, der durch das Unterholz streift, ihr Lieblingsbild. Ein Gast, ein älterer Kunsthistoriker, der über die Kunst der Nazizeit forscht, ist ebenfalls fasziniert von diesem Gemälde. Er schätzt, dass es von Otto Mueller sei, 1928, ein Vermögen wert.

Ein Hauch der vergangenen Pracht der Zwischenkriegszeit

Mit im Raum ist zufällig ein junger Engländer, Finley, den Kathinka fortan durchaus gerne sieht. Der alte Mann ist beeindruckt, dass Kathinka das Rilke-Gedicht vom Panther aufsagen kann, „Respekt. Dieses Gedicht kennen nicht mehr viele.“ Doch der Engländer glaubt nicht, dass das Gemälde von Mueller ist. „Es wirkt ein wenig so, als hätte es jemand gemalt, um sich an das Original zu erinnern. Wie man sich manchmal Notizen macht, um sich an einen Traum zu erinnern.“

Johannes Groschupf hat mit seinem wunderbaren Roman „Das Lächeln des Panthers“ über das Hotel Malibu dem Bogota ein Denkmal gesetzt.
Johannes Groschupf hat mit seinem wunderbaren Roman „Das Lächeln des Panthers“ über das Hotel Malibu dem Bogota ein Denkmal...Foto: Oetinger Verlag

Groschupf versteht es, mit leichter Hand eine Atmosphäre der vergangenen Pracht der Zwischenkriegszeit zu schaffen, gleichzeitig eine Liebeserklärung an dieses Hotel zu schreiben, dessen Geheimnis Kathinka Schritt für Schritt auf die Spur kommt. Es braut sich etwas zusammen, doch man weiß zunächst nicht was.

Hinzu kommt, dass durch den Tod des Vaters das Hotel endgültig in Schwierigkeiten kommt und statt nobler Gäste reisen Schulklassen an, die das Hotel im Handumdrehen auf den Kopf stellen, keine übertriebene Darstellung heutiger Klassenfahrten. Mit ihrer Mutter versteht sich Kathinka überhaupt nicht, sie ist auch keine Hilfe bei der Rettung des Hotels. Und da ist dann noch der ölige Bauunternehmer Schwenckendorff, der sich ein wenig zu auffällig für die Mutter und das Hotel interessiert.

Dass Kathinka kämpft, dass sich ein Showdown anbahnt, ist überdeutlich, doch mit welchen verblüffenden Ergebnissen, soll hier nicht verraten werden. Mit einem Augenzwinkern zitiert der Autor die Reportage „Eine letzte Nacht im berühmten Hotel Bogota“, die er selbst vor zwei Jahren im Tagesspiegel beschrieben hat. So berühren sich Fiktion und Wirklichkeit in einem wunderbaren Roman über eine West-Berliner Ikone, die Kunst und ein Mädchen, das seinen Weg geht und nicht umsonst Rugby spielen gelernt hat.

Johannes Groschupf: Das Lächeln des Panthers. Roman. Oetinger, Hamburg 2015. 240 Seiten. 12,99 Euro. Empfohlen für Leser ab 16 Jahren.

Der Autor Groschupf schreibt auch für den Tagesspiegel.

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