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Neue Notunterkünfte in Charlottenburg und Neukölln : Flüchtlinge ziehen in Pflegeheim und Sporthalle

Anwohner der City West heißen die Flüchtlinge in der neuen Unterkunft an der Marburger Straße willkommen. Neukölln hat eine Sporthalle zur Verfügung gestellt – wünscht sich aber bessere Lösungen.

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Die neue Flüchtlingsunterkunft in der Marburger Straße.
Die neue Flüchtlingsunterkunft in der Marburger Straße.Foto: Cay Dobberke

In der City West ist ein früheres Pflegeheim für Senioren die neueste Unterkunft für Flüchtlinge, in Neukölln hat das Bezirksamt soeben die Doppelstock-Sporthalle am Buckower Damm 282 kurzfristig zur Verfügung gestellt.

Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) verband dies aber mit kritischen Worten. Es sei „absolut inakzeptabel“, wenn Schul- und Vereinssport auf unabsehbare Zeit ausfalle und Flüchtlinge unter solchen Bedingungen untergebracht würden. Der Senat müsse alle Kräfte darauf richten, vorhandenen Wohnraum zu nutzen und mehr mobile Unterkünfte zu schaffen. Normalerweise nutzen das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium, die Heinrich-Mann-Sekundarschule und Vereinssportler die Halle am Buckower Damm.

Eine Unterkunft nur für Familien

In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es positivere Reaktionen. Dort ist die jüngste Notunterkunft in doppelter Hinsicht etwas Besonderes: Das ehemalige Seniorenheim an der Marburger Straße ist speziell für Familien mit Kindern gedacht – und steht in Sichtweite zur Tauentzienstraße, der größten und belebtesten Einkaufsstraße der Stadt.

Auf dem Podium in der Kirche. Pfarrer Martin Germer (rechts) mit (v.l.n.r.): Klaus-Jürgen Meier, Amei von Hülsen-Poensgen, Reinhard Naumann, Dirk Gerstle und Volker Billhardt.
Auf dem Podium in der Kirche. Pfarrer Martin Germer (rechts) mit (v.l.n.r.): Klaus-Jürgen Meier, Amei von Hülsen-Poensgen,...Foto: Cay Dobberke

Geschäftsleute sehen darin kein Problem, wie ein Informationsabend in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zeigte: „Das wird überhaupt keine Belastung für die Gegend“, sagte der Vorsitzende der AG City, Klaus-Jürgen Meier, am Montagabend vor rund 150 Gästen. Er habe die am 22. Oktober eröffnete Einrichtung besucht und sei „sehr angenehm überrascht“.

AG City bietet Unterstützung an

Die AG City und ihre Partner seien bereit, sich für die Flüchtlinge zu engagieren. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) könne als Betreiber der Unterkunft eine „Wunschliste“ vorlegen. „Unser Netzwerk kann viel leisten.“ Denkbar seien etwa Zoobesuche oder Kinderüberraschungen auf dem Weihnachtsmarkt um die Gedächtniskirche.

Rund 330 Plätze stehen zur Verfügung

Zum Gespräch hatten Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und Pfarrer Martin Germer eingeladen. Sozial-Staatssekretär Dirk Gerstle (CDU) nannte das Haus in der Marburger Straße „geradezu ideal“ für Familien: Jede Wohnung habe ein Bad mit WC und Dusche. Der Platz reiche für etwa 330 Menschen, vor allem aus Syrien und Afghanistan, sagte der Geschäftsführer und Vorsitzende des DRK Berlin, Volker Billhardt.

Flüchtlinge, die Erfolg mit ihrem Asylantrag haben, sollen im Haus bleiben können, das damit mehr als eine Notunterkunft wird.

Hilfsbereitschaft signalisierten auch Amei von Hülsen-Poensgen von der Initiative „Willkommen im Westend“, die bereits in mehreren Unterkünften tätig ist, sowie Mitglieder der evangelischen Gedächtniskirchengemeinde und der katholischen Gemeinde Sankt Ludwig in Wilmersdorf.

Die Anwohner wurden überrascht

Anwohner sagten, sie hätten ebenfalls schon beraten, was sie tun könnten. Sie kritisierten aber, nicht über die Eröffnung der Unterkunft informiert worden zu sein: „Plötzlich war die Straße gesperrt“, das habe Sorgen geschürt. Gerstle gab zu: „Es ging alles wahnsinnig schnell.“ Täglich kämen 500 bis 1000 Flüchtlinge nach Berlin, immer öfter seien kurzfristige Maßnahmen nötig.

Auch obdachlose Berliner Frauen mit Kindern ziehen ein

Das Ex-Pflegeheim stand seit Anfang 2014 leer und sollte eigentlich zum Notübernachtungsquartier der Kältehilfe werden. Teilweise bleibt es dabei: Laut Gerstle werden 25 Betten für wohnungslose Berliner Frauen mit Kindern reserviert, die „nicht in die üblichen Kältehilfeeinrichtungen passen“.

In Neukölln packten Sportler mit an

Das Bezirksamt Neukölln übergab die Sporthalle am Buckower Damm am Dienstagabend an den vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) beauftragten Träger „apardo“. Bereits gegen 22 Uhr kamen Flüchtlinge mit Bussen an und wurden mit Matten, Bettzeug und Essen versorgt. Unter ihnen sind Familien und bis zu 40 Kinder, fast alle aus Syrien. Handballer des SV Buckow halfen nach ihrem vorerst letzten Training in der Halle mit, Bürgermeisterin Giffey dankte ihnen dafür.

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