Pokémon Go in Berlin : „Jede Menge Zombies“

Zombies im Schlosspark Charlottenburg? Zumindest, wenn diese gebannt auf ihre Handys starren und kleine Monster jagen.

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Pokemon-Go-Spieler in Aktion.
Pokemon-Go-Spieler in Aktion.Foto: dpa

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Das Smartphone-Spiel Pokémon Go boomt: Dauernd sieht man Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene auf der virtuellen Monsterjagd durch die Straßen streifen. Manche scheinen vor lauter Konzentration kaum noch zu wissen, wo sie sind: Auf der Facebookseite der Berliner Polizei diskutieren Spieler bereits darüber, welche Strafen beim versehentlichen Betreten von Privatgrundstücken drohen. Unterdessen staunt unser Leser Sören Bergmann, der nahe dem Schlosspark Charlottenburg wohnt, beim Joggen über „jede Menge Zombies“, die „gebannt auf ihr Handy starren“ und sich an einem Brunnen versammeln.

Erst grübelte er, ob es Patienten aus der nahen Schlosspark-Klinik seien und eine Krankheit ihnen „alle sozialen Regungen raubt”. Dann sagten ihm zwei Jugendliche, sie säßen in einer „Arena“ mit seltenen Pokémons. Beide schienen sich etwas zu schämen, man lachte gemeinsam. Dennoch findet Bergmann es „irritierend und etwas traurig”, im schönen Park mit der inspirierenden Atmosphäre so viele mental abwesende Leute zu sehen.

Bestimmte Orte sollten „Pokémon-frei“ bleiben. Spinnt man den Gedanken weiter, stellt sich die Frage, wie etwa Kirchen und Museen auf den Trend reagieren wollen. Dort nerven ja schon selbstverliebte Smartphone-Fotografen, die Fotoverbote gerne mal ignorieren, mit ihren Selfie-Sticks – nun könnten sich also auch noch Pokémon-Fans dazu gesellen.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de.

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