Probleme bei Briefzustellung in Berlin : Wenn der Postmann kein Mal klingelt

Viele Charlottenburger erhalten seit Wochen kaum noch Briefe. Die Post begründet das mit zu vielen kranken Zustellern.

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Stille Post. In Charlottenburg gibt es Probleme bei der Briefzustellung.
Stille Post. In Charlottenburg gibt es Probleme bei der Briefzustellung.Foto: Armin Weigel/dpa

Ärger um verspätet ausgelieferte Briefe gibt es immer wieder in Berlin, zuletzt hatten Kunden und Gewerkschafter den wochenlangen Wegfall der Montagszustellungen im Sommer kritisiert. Doch nun gibt es viel größere Probleme rund um den Charlottenburger Lietzensee: Tage- bis wochenlang kommen keine Briefe an. Beim Tagesspiegel ging schon ein halbes Dutzend Beschwerden ein. Die Deutsche Post begründet die Ausfälle mit einem „sehr hohen Krankenstand“ und „hohen Sendungsmengen in dieser Jahreszeit“.

Elf Tage Warten auf Brief aus Düsseldorf

Betroffen sind mindestens sechs Straßen. So wurden dem Anwohner Erhard Draeger in der Dernburgstraße in den vorigen zwei Wochen lediglich zwei Mal Briefe zugestellt. „Das war aber nur die frische Post“, sagt er, ältere Schreiben fehlten. Bis heute warte er auf einen Brief, der vor elf Tagen aus Düsseldorf an ihn gesandt worden sei.

Ebenso wie viele andere Anwohner wandte sich Draeger telefonisch an die Post, was aber nichts änderte. Und im Postbank-Center an der Soorstraße, das auch als Postfiliale fungiert, habe man ihm gesagt: „Wir können nichts herausgeben, weil es noch unsortiert ist.“

Eine Anwohnerin der Witzlebenstraße bekommt Briefe derzeit ein bis zwei Mal wöchentlich, in der Rönnestraße ist der Briefkasten eines Tagesspiegel-Lesers seit dem 6. Oktober leer. Bei Thido Janssen in der Leonhardtstraße stocken die Zustellungen seit Monaten. In den vorigen zwei Wochen gab es dann je nur noch eine. Aber Janssen hofft auf Besserung, denn sein erkrankter Briefträger ist seit Montag wieder im Dienst. Von seinem Sohn hat Janssen auch von großen Problemen rund um die Heinersdorfer Straße in Lichterfelde gehört.

Krankheitswelle und Werbeflut

Berlins Post-Sprecherin Anke Blenn bittet die Betroffenen um Entschuldigung. Stadtweit seien außergewöhnlich viele Briefträger und auch Vertretungskräfte erkrankt. „Wir haben bereits Einstellungen vorgenommen und schulen die neuen Kollegen.“ Es dauere nur noch etwas, „bevor die Entlastung greift“. Man setze auch „einzelne Zusteller aus umliegenden Bereichen“ ein.

Als zweites Problem nennt die Post, dass für Großversender von Werbebriefen die Vorweihnachtssaison begonnen habe und Briefträger aktuell viel mit dieser „Infopost“ beschäftigt seien.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht die Ursache dagegen in Sparmaßnahmen. Es gebe zu wenig Personal, und die Zustellbezirke „wurden ja schon vor Jahren vergrößert“, sagt Andreas Splanemann, Sprecher des Verdi-Landesbezirks Berlin-Brandenburg.

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar von Bernd Matthies.

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