Sommerferien in Berlin : Verdruss über Schlangen vorm Zoo

Vor den Zoo-Kassen stehen die Wartenden bis auf die Busspur. Gitter sollen nun erste Abhilfe schaffen. Im Herbst ist ein Umbau geplant, um besser auf solchen Andrang reagieren zu können.

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Eingang des Berliner Zoos am Hardenbergplatz: Um die Schlangen der Wartenden besser zu organisieren wurden jetzt Absperrgitter aufgestellt.
Eingang des Berliner Zoos am Hardenbergplatz: Um die Schlangen der Wartenden besser zu organisieren wurden jetzt Absperrgitter...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Berliner Zoo will sich ab sofort besser um seine Schlangen kümmern. Doch ausnahmsweise geht es nicht um seine schuppigen Bewohner, sondern um die Warteschlangen vor dem Eingang Löwentor am Hardenbergplatz. Und die sind lang.

Es ist Ferienzeit und der Andrang groß. In der Mittagshitze lassen sich zu Wochenbeginn in der längsten Schlange mehr als 100 Menschen zählen. Wartezeiten von einer halben Stunde sind keine Seltenheit. Bei den drei anderen Kassenschaltern sieht es nicht viel besser aus. Zwischen 50 und 80 Leute stehen hier an.

Einige Besucher können unter dem kurzen überdachten Stück noch Schatten ergattern und sind dementsprechend entspannt. „In Berlin muss man doch überall lange anstehen“, sagt Thomas Schwarz aus Thüringen. „Wir sind im Urlaub hier und haben daher auch die Zeit, etwas länger zu warten.“

Andere sehen das nicht so locker. „Wir warten schon mehr als 25 Minuten in dieser Hitze. Vor allem auch für die Kleinen im Kinderwagen ist das furchtbar“, sagt Josephine Thimig aus dem Berliner Umland verärgert. Auch Stefanie Bartelt aus Mahlsdorf hatte sich den Beginn des Zooausfluges entspannter vorgestellt: „Ich war geschockt als ich sah, wie viele Menschen hier anstehen. Das ist selbst für die Ferienzeit viel.“

Zum jetzigen Zeitpunkt haben die Besucherzahlen bereits den Stand des Vorjahres zum gleichen Zeitpunkt übertroffen. Besonders groß ist der Andrang stets vor dem Eingang Löwentor. Nach Angaben eines Zoo-Sprechers kann es hier zu den Hauptzeiten schon mal zu einer Schlange von mehr als 100 Metern mit bis zu 500 Besuchern kommen. Schnell gehe es bei einer Durchlaufzeit von 30 Sekunden pro Verkauf trotzdem. Ein knapp bemessener Wert, der wohl nicht immer eingehalten werden kann.

Busfahrer kamen schwer an Warteschlangen vorbei

Bis vor Kurzem standen die Besucher teilweise bis auf die Busspur vor dem Bahnhof Zoo. Die Busfahrer hatten Mühe, an den Warteschlangen vorbeizufahren. „Für die Besucher war das sehr gefährlich. Wir mussten gut aufpassen, nicht zu dicht an ihnen vorbeizufahren. Viel Platz ist hier ja nicht“,erzählt ein BVG-Fahrer, der anonym bleiben möchte.

Fragt man bei den Busfahrern vor Ort weiter, ähneln sich die Antworten in Hinblick auf die Warteschlangen. Die Klagen der Busfahrer scheinen die Zentrale der BVG jedoch nicht erreicht zu haben. Dort weiß man nichts von dem Problem vor dem Löwentor. Offenbar ein gefährlicher Ort, um mit Kindern auf den Einlass zu warten. Zu Unfällen sei es trotzdem nicht gekommen, erklärt ein Zoo-Sprecher.

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Aufmerksam auf das Problem wurde der Zoo erst durch einen Anruf der Polizei. Bei dieser hätten sich einige Fahrer von Reisebussen wegen der Zustände vor dem Eingang beschwert, sagt der Sprecher des Zoos. Nun hat dieser reagiert und in der vergangenen Woche Drängelgitter vor den Kassenhäuschen aufgestellt. Diese sollen die Besucher von der Straße fernhalten und sicher in den Zoo leiten. Alles für ein besseres Schlangen-Management.

Durch die Gitter sei es viel besser und sicherer, sagt Julia Rieke aus Tiergarten, die am Montag mit dem Kinderwagen in der Schlange steht. Dass die Besucher nun in geordneten Bahnen warten, lässt auch die Busfahrer wieder aufatmen. Durch die Gitter sei die Fahrt an dieser Stelle endlich entspannter, sagt einer der Fahrer.

Verdopplung der Kassenhäuschen geplant

Eine dauerhafte Lösung sollen die Drängelgitter nicht bleiben. Ab September wird an diesem Eingang im großen Stil umgebaut. Doppelt so viele Kassenhäuschen wie bisher und ein Informationszentrum mit Laden sollen dort entstehen. Bis zur geplanten Fertigstellung im Juni 2016 bleibt der Eingang wegen des großen Andrangs trotzdem geöffnet.

Auf die Warterei lässt es sich bis zum Umbau bequem per Online-Ticket verzichten. Erhältlich ist das per Kreditkartenzahlung auf der Internetseite des Zoos. Ausgedruckt oder auf dem Smartphone mitgebracht macht es den Weg direkt zum Einlass frei. Eben für alle, die mehr Lust haben auf Schlange sehen statt Schlange stehen.

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09.08.2013 16:10Keinem ehemaligen DDR-Zoo ist wohl der Sprung zum modernen Zoo-Unternehmen so gut gelungen wie dem Leipziger Zoo.

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