Villa Oppenheim in Charlottenburg : Kiezfotos „auf den Spuren von Heinrich Zille“

Das Bezirksmuseum zeigt ab dem 6. Juli eine Ausstellung mit Fotos von Gottfried Schenk aus dem Klausenerplatz-Kiez.

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Clowns vor dem Laden der Mieterinitiative in der Nehringstraße (1979)
Clowns vor dem Laden der Mieterinitiative in der Nehringstraße (1979)Foto: Gottfried Schenk

Die Sonderschau „Auf den Spuren von Heinrich Zille. Kiezfotografien 1976 – 1984 von Gottfried Schenk“ läuft vom 6. Juli bis zum 8. Januar im Kabinett des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim, Schlossstraße 55 / Ecke Otto-Grüneberg-Weg. Der Eintritt ist wie üblich frei.

Damit rücke man den Klausenerplatz-Kiez in den Fokus, heißt es. Begrenzt wird das südlich des Schlosses Charlottenburg gelegene Gebiet durch den Spandauer Damm, die Schlossstraße, die Sophie-Charlotten-Straße und die Knobelsdorffstraße.

Hier fand Zille sein „Milljöh“

Einst hatte der Maler, Grafiker und Fotograf Heinrich Zille (1858 – 1929) 37 Jahre lang in dem Kiez gewohnt und dort seine berühmten „Milljöh“-Studien geschaffen. Auf Zilles Spuren wandelte 1976 bis 1984 der Fotograf Gottfried Schenk. Als Mitglied einer Mieterinitiative dokumentierte er Aktivitäten der Bewohner und die morbide Schönheit verfallender Gründerzeitbauten. „Seine Fotografien spüren Ansichten und Szenen aus einem traditionellen Arbeiterkiez auf und fangen die verbliebenen Spuren des alten Zille-Milieus ein“, teilte das Museum mit.

Um die Sanierung der Mietskasernen gab es viel Streit

Heute wohnen etwa 10.000 Menschen im Klausenerplatz-Kiez. Dessen Entstehung reicht zurück in die Gründerzeit nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71). Mit der Industrialisierung Berlins wuchs der Bedarf an Wohnungen für Arbeiterfamilien; so kam es zum Bau der sogenannten Mietskasernen. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Viertel großenteils von Zerstörungen verschont. 1963 wurde es wegen des zunehmenden Verfalls und der schlechten sanitären Ausstattung und zum Sanierungsgebiet erklärt.

Die vom Senat geplanten Maßnahmen stießen aber auf Widerstand. 1973 gegründete sich der Verein „Mieterinitiative Sanierungsgebiet Klausenerplatz“, der die Erhaltung der Häuser und bezahlbare Mieten nach der Sanierung forderte. Die Folge war eine der ersten „behutsamen Stadterneuerungen“.

Fotograf Schenk war in der Mieterinitiative aktiv

Zur Mieterinitiative gehörte auch der 1949 in Österreich geborene Autor und Fotograf Schenk, er wohnte von 1974 bis 1988 im Kiez. Von ihm erscheint im Juli auch der Bildband „Charlottenburgs rote Insel – Vom Zille-Milieu zum Klausenerplatz-Kiez“ (be.bra verlag, Berlin 2016, 144 Seiten, 137 Abbildungen, 20 Euro).

Am 16. und 18. September jeweils um 14 Uhr führt Schenk durch die Ausstellung (Anmeldung erbeten unter Tel. 9029 24 206). Die Öffnungszeiten des Museums: Di. bis Fr. 10–17 Uhr, Sa., So. und Feiertage 11–17 Uhr.

Weitere Informationen unter www.villa-oppenheim-berlin.de

Der Hinterhof an der Seelingstraße 46 im Jahr 1977.
Der Hinterhof an der Seelingstraße 46 im Jahr 1977.Foto: Gottfried Schenk


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