Wilmersdorf : Neue Proteste gegen Umbau des Olivaer Platzes

Anwohner und Geschäftsleute streiten weiterhin für die Erhaltung des Parkplatzes neben der Grünanlage am Olivaer Platz und die Rettung möglichst vieler alter Bäume. Jetzt meldeten sich einige Unterstützer zu Wort.

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Park oder Platz. Anrainer kämpfen für die Erhaltung der Stellflächen, während das Bezirksamt eine Begrünung und einen Spielplatz plant.
Park oder Platz. Anrainer kämpfen für die Erhaltung der Stellflächen, während das Bezirksamt eine Begrünung und einen Spielplatz...Foto: Cay Dobberke

Die Gegner der ab 2015 geplanten Umgestaltung des Olivaer Platzes nahe dem Kurfürstendamm geben nicht auf: Geschäftsleute und Anwohner haben jetzt ihre Kritik am Wegfall der 123 Parkplätze erneuert – zusammen mit Vertretern der AG City, der Industrie- und Handelskammer (IHK), des Automobilklubs ADAC und des Handelsverbands.

Die rot-grüne Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) will den Parkplatz schließen, um die Grünanlage nebenan zu vergrößern und einen barrierefreien Spielplatz anzulegen. Im Bürgerbeteiligungsverfahren sprachen sich zuletzt mehr als 800 Anrainer gegen Umbauten aus. Auch die CDU hat die Pläne wiederholt abgelehnt.

„Der Charakter des Viertels ist gefährdet“

Jetzt wies Christian Wiesenhütter, Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK, auf eine Umfrage der Kammer unter 350 Firmen hin. Ohne den Parkplatz befürchteten viele einen Umsatzverlust. Der Kiez entspreche der „typischen Berliner Mischung“ mit Wohnen, Läden und Lokalen, sagte Wiesenhütter. „Wir sehen die Gefahr, dass sie kaputt gemacht wird.“

Platzumbauten in der Berliner City West
Symbolische Strahlen. Auf dem neuen Vorplatz der Schöneberger Urania gelten Messingbänder im Asphalt als Zeichen der Wissenschaft Der Senat gab dafür 500 000 Euro .Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: Kitty Kleist-Heinrich
25.09.2014 10:37Symbolische Strahlen. Auf dem neuen Vorplatz der Schöneberger Urania gelten Messingbänder im Asphalt als Zeichen der Wissenschaft ...

So sieht es auch Anwalt Michael Bärlein, der zu den Gründern einer Protestinitiative gehört und mit Kollegen eine Kanzlei am Platz betreibt. Ohne die gute Erreichbarkeit per Auto werde der „Charakter des Viertels zerstört“. In der SPD und bei den Grünen herrsche die „Ideologie, dass alle Radfahrer werden müssen“, ärgert sich Bärlein.

Für den Fall, dass der Bezirk den Bebauungsplan in Kraft setzt, kündigte sein Anwaltskollege Philipp Spiller erneut eine Klage an. Drei Anwohnerinnen schilderten, wie knapp Parkplätze schon jetzt den ganzen Tag lang seien.

Zweifel am Verkehrsgutachten

Viel Kritik gab es an einem vom Bezirk beauftragten Verkehrsgutachten. Dieses hatte ergeben, dass Parkplätze rund um den Platz sehr knapp seien, aber bis 2025 stadtweit mit weniger Verkehr und einer sinkenden Bevölkerungszahl zu rechnen sei. Diese Annahmen seien längst überholt, sagten Wiesenhütter und der ADAC-Verkehrsexperte Jörg Becker.

Mehr Grün. So soll der Olivaer Platz in Wilmersdorf künftig aussehen, ganz ohne Parkplätze und mit einem Café (im Hintergrund) statt der bisherigen Imbissbude.
Mehr Grün. So soll der Olivaer Platz in Wilmersdorf künftig aussehen, ganz ohne Parkplätze und mit einem Café (im Hintergrund)...Simulation: promo
Wie viele alte Bäume bleiben? Darüber wird noch diskutiert, so auch am 25. November bei einer Veranstaltung im Rathaus Wilmersdorf.
Wie viele alte Bäume bleiben? Darüber wird noch diskutiert, so auch am 25. November bei einer Veranstaltung im Rathaus...Foto: Cay Dobberke

Für Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen vom Handelsverband ist es wichtig, Kunden auch durch ein ausreichendes Angebot an Parkplätzen in der Innenstadt zu halten. Offenbar sei den Planern nicht klar, dass viele Ladenbetreiber vor „existenziellen Fragen“ stünden, denn der Anteil des Onlinehandels an den Umsätzen in Berlin betrage bereits elf Prozent.

Auch mit der Idee einer Tiefgarage blitzen die Kritiker ab

Busch-Petersen schloss sich Forderungen an, bei einem Wegfall des Parkplatzes ersatzweise eine Tiefgarage zu bauen: „Überall auf der Welt gibt es dezente Lösungen.“ AG-City-Vorstandsmitglied Dirk Germandi sagte, es gebe potenzielle Investoren, die auch bereit seien, für die Pflege der Grünanlage zu zahlen. Baustadrat Marc Schulte (SPD) habe aber deutlich gemacht, dass der Bezirk höchstens so viele Parkplätze wie bisher erlauben würde; damit sei kein wirtschaftlicher Betrieb möglich. Inzwischen haben SPD und Grüne eine Tiefgarage per BVV-Beschluss ausgeschlossen.

Der AG-City-Vorstandsvorsitzende Klaus-Jürgen Meier sieht trotz der politischen Mehrheitsverhältnisse noch Chancen dafür, dass die Umbaugegner Erfolg haben: „Politiker wollen ja auch gewählt werden.“

Bagger rollen südlich des Platzes. In der Straße entfallen Parkplätze neben der Grünanlage. Gegenüber sollen Autos künftig quer stehen, was dort mehr Stellplätze ermöglicht..
Bagger rollen südlich des Platzes. In der Straße entfallen Parkplätze neben der Grünanlage. Gegenüber sollen Autos künftig quer...Foto: Cay Dobberke

Unterdessen laufen in der Straße südlich des Platzes bereits Bauarbeiten. Auf der Straßenseite an der Grünanlage entfallen Stellplätze, auf der anderen wird künftig quer statt längs geparkt. So entstehen dort zusätzliche Parkplätze, allerdings wird die Fahrbahn schmaler.

Diskussionsabend zum Baumbestand

Zumindest die Proteste gegen die Fällung von bis zu 60 Bäumen zeigen Wirkung: Für Dienstag, 25. November, ab 19.30 Uhr lädt Baustadtrat Schulte zu einer Veranstaltung „Olivaer Platz - Optimaler Erhalt vorhandener Bäume“ in den ehemaligen BVV-Saal des Rathauses Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz ein. Nach Angaben des Bezirksamts soll es künftig zwar mehr Bäume als bisher geben, naturgemäß würde es aber lange dauern, bis die Neupflanzungen die Höhe des Altbestands erreichen.

Der Artikel erscheint auf dem Ku'damm-Blog, dem Online-Magazin für die westliche Innenstadt.

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