Bezirk will Obst- und Nussbäume pflanzen : Kreuzberg wird "Essbarer Bezirk"

Quitten im Görlitzer Park, Haselnusssträucher am Straßenrand. In Friedrichshain-Kreuzberg sollen künftig vermehrt essbare Sträucher, Stauden und Bäume neu gepflanzt werden.

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Ein Garten mitten in Kreuzberg. Die Prinzessinnengärten zeigen seit einigen Jahren, dass Anbau in der Stadt möglich ist.
Ein Garten mitten in Kreuzberg. Die Prinzessinnengärten zeigen seit einigen Jahren, dass Anbau in der Stadt möglich ist.Foto: dpa

"Pflück' dir doch was in Kreuzberg" könnte es bald heißen, wenn es um die Beschaffung von Äpfeln, Nüssen oder Quitten geht. Denn der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will ein "Essbarer Bezirk" werden. In Zukunft wird bei einer Neubepflanzung an Schulen, Sportplätzen oder öffentlichen Gebäuden essbaren Pflanzen der Vorzug gegeben. Das teilte der Bezirk kürzlich in einer Pressemitteilung mit.

Bereits seit zwei Jahren hat sich eine Expertenkommission aus mehreren Ämtern mit dem Thema des innerstädtischen Anbaus beschäftigt. Die Experten fanden heraus, dass sich einige Pflanzen besonders gut eignen, um den klimatischen Bedingungen wie auch den Herausforderungen einer Großstadt zu standzuhalten. Darunter fallen beispielsweise Nussbäume und Haselnusssträucher, die so robust sind, dass sie auf der Fläche um bestehende Bäumen am Straßenrand überleben. Apfel-, Quitten- oder Birnbäume werden besonders für Parks, Schulgärten oder Einrichtungen wie Kinderbauernhöfe empfohlen. Obststräucher und Stauden wie Holunder, Apfelbeere (Aronia) oder Schlehe sind hingegen nicht nur ideal für den Anbau in Schulgärten, der Bericht empfiehlt den Bürgern auch, die Sträucher als Dachbegrünung zu benutzen. Stadtgärtner könnten sich nicht nur über eine Ernte freuen, gleichzeitig unterstützen sie auch die heimischen Bienenvölker, die so eine vielfältigere Nahrung finden würden.

Projekt ,Essbarer Bezirk’ soll Pflanzen-Vielfalt fördern

„Wir möchten mit dem Projekt ,Essbarer Bezirk’ die Vielfalt der Pflanzen fördern“, sagt Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Die Grünen). „Diese Bio-Diversität bedeutet etwa für unsere Parks, dass dort heimische Obstbaumsorten, die nicht länger EU-Kriterien entsprechen, weiter angepflanzt werden können. Das führt zum Erhalt der Sortenvielfalt.“ Besonders an Schulen und pädagogische Einrichtungen soll der Anbau von essbaren Stauden ausgebaut werden. Ziel sei es, so Panhoff, dass die Kinder dort künftig Obst ernten können. "Es wird für viele Stadtkinder eine positive Erfahrung sein, dass Obst und Gemüse nicht nur im Laden liegen, sondern dass man es selbst anbauen und ernten kann."

Mit dem Projekt "Essbarer Bezirk" möchte Friedrichshain-Kreuzberg das Angebot für Kinder schaffen, sich bei Anbau und Ernte zu beteiligen.
Mit dem Projekt "Essbarer Bezirk" möchte Friedrichshain-Kreuzberg das Angebot für Kinder schaffen, sich bei Anbau und Ernte zu...Foto: dpa

Im Görlitzer Park und in den Prinzessinnengärten wird schon gegärtnert

Das Thema Urban Gardening, der Anbau im öffentlichen Raum, hat längst die Politik erreicht. Und Friedrichshain-Kreuzberg ist mit der Idee des "Essbaren Bezirks" nicht allein. Auch in Pankow wurde ein entsprechender Antrag im Bezirksparlament gestellt. Das Thema ist am 19. Juni Tagesordnungspunkt im Sitzungsausschuss für Umwelt- und Naturschutz.

Auch ohne öffentlichen Auftrag wird in Kreuzberg schon an einigen Orten angebaut. Im Jahr 2009 ist eine Brache am Moritzplatz in eine ökologische Landwirtschaft mitten in der Stadt umgewandelt worden. In den Prinzessinnengärten wachsen über 500 verschiedene Gemüse- und Kräutersorten. Entstanden aus dem ehrenamtlichen Engagement von Hunderten von Helfern und Spendern, wird der Garten heute von der gemeinnützigen GmbH Nomadisch Grün getragen.

Im Görlitzer Park gibt es seit 2011 eine Obstbaumwiese, am Rande der "Kuhle" in der Mitte des Parks. Viele freiwillige Helfer kümmern sich hier um 26 verschiedene Obstbäume, hauptsächlich Apfelbäume. Die Wiese stellte der Bezirk zur Verfügung, ebenso wie ein Grundstück in der Glogauer Straße 13, der nun als Gemeinschaftsgarten genutzt wird.

Dieser Artikel erscheint im Kreuzberg Blog, dem hyperlokalen Online-Magazin des Tagesspiegels.

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