Diebe am Kreuzberger Kindergarten : "Ich wollte doch nur kurz meine Tochter abholen"

Immer wieder werden Wertgegenstände aus Fahrzeugen gestohlen, die für wenige Minuten vor Kindergärten parken. Die Polizei warnt seit langem davor, Wertgegenstände im Auto zu lassen. Geholfen hat es offenbar kaum etwas.

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Ein Einbruch in ein Auto ist nur eine Sache von wenigen Sekunden.
Ein Einbruch in ein Auto ist nur eine Sache von wenigen Sekunden.Foto: Polizei

Es dauert nur zehn bis 30 Sekunden, klirrt kurz – dann greift sich der Täter die Tasche aus dem Auto. Zurück bleiben eine eingeschlagene Scheibe und entsetzte Betroffene. Besonders auf Fahrzeuge vor Kindergärten haben es Diebe seit einiger Zeit abgesehen – immer dann, wenn Eltern ihre Kinder hinbringen oder abholen, schlagen die Täter zu. Schon vor fast genau einem Jahr hat die Polizei wegen der steigenden Zahl der Taten Flyer mit Warnhinweisen an fast 1000 Kitas geschickt, die dort aufgehängt werden sollen. Wirklich abschreckend scheinen die allerdings nicht gewirkt zu haben.
Auch in der Evangelischen Kita in der Kreuzberger Fontanepromenade hängt nun so ein Plakat: Hier hatte es allein drei Mal innerhalb kurzer Zeit Diebstähle aus geparkten Autos gegeben. Zuletzt am Dienstag. „Ich wollte um kurz vor 17 Uhr meine Tochter abholen. Sie war schon fast fertig angezogen. Ich bin höchstens fünf Minuten weg gewesen. Als ich wieder kam, sah ich die kaputte Scheibe, und meine Tasche war weg“, schildert eine Mutter. Nicht nur Geld und Papiere, sondern auch ihr Smartphone waren in der Tasche. „Und das, obwohl es noch hell war und andere Leute auch in die Kita gegangen sind“, sagt sie.

„Die Täter suchen sich die Bereiche genau aus“, sagt Oliver Scheunemann von der Zentralstelle für Prävention beim Landeskriminalamt (LKA). „Sie haben Routine und schlagen die Scheibe relativ unauffällig ein.“ Über die Täter weiß die Polizei nicht allzu viel – die Aufklärungsquote sei äußerst gering, sagt Scheunemann. Selten hinterließen die Diebe brauchbare DNA-Spuren. Die Ermittler gehen aber eher von Einzeltätern aus, die auf der Suche nach einer guten Gelegenheit sind. Offenbar spiele auch Beschaffungskriminalität eine Rolle als Motiv. In der Kriminalstatistik werden vorwiegend Kreuzberg, Charlottenburg, Neukölln und Mitte als Tatorte genannt.

Im Polizeiabschnitt 52, der auch zuständig ist für die Fontanepromenade, die zur besten Wohnlage in Kreuzberg gehört, wurden in diesem Jahr bereits 17 Diebstähle aus Autos gezählt. Ob alle vor Kitas passierten, ist allerdings nicht erfasst. Im Jahr 2012 wurden laut Kriminalstatistik insgesamt 30 861 Fälle von „Diebstahl an/aus Kfz“ gezählt. Ein Großteil davon seien Taten, bei denen Wertsachen aus dem Fahrzeug entwendet werden, sagt Scheunemann. Im Jahr davor lag die Zahl bei gut 22000 Taten noch fast ein Drittel darunter. Die Polizei registriert seit etwa vier Jahren stets einen Anstieg der Fallzahlen. Für das Jahr 2013 liegen noch keine Ergebnisse vor.
Scheunemann rät, niemals Wertsachen im Auto zu lassen. „Auch, wenn man denkt, es sind ja nur ein paar Minuten.“ Von den Versicherungen können die Betroffenen keine Entschädigung erwarten. „Wertsachen im Fahrzeug zu lassen ist grob fahrlässig“, sagt Scheunemann. Da helfe auch nicht, die Wertsachen mit einer Jacke zu verdecken.

Dieser Artikel erscheint im Kreuzberg Blog, dem hyperlokalen Online-Magazin des Tagesspiegels.

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