DJ "Alle Farben" und weitere Gäste dabei : Hyperlokale Talkshow: "Kiez-Sofa" kommt nach Kreuzberg

Simon Akstinat und Nadine Kleifges wollen mit ihrem "Kiez-Sofa" Menschen im Kiez zusammenbringen. Nach Friedrichshain und Prenzlauer Berg ist nun auch Kreuzberg an der Reihe.

Susanne Grautmann
Die Kiez-Plauderer. Nadine Kleifges und Simon Akstinat.
Die Kiez-Plauderer. Nadine Kleifges und Simon Akstinat.Foto: David Heerde

Eigentlich haben Nachbarn kein besonders gutes Image. Beim Gedanken an sie fallen einem oft als Erstes Beschwerden über falsch getrennten Müll, regelwidrig geparkte Kinderwagen und zu laute Musik ein. Und zahllose Zugezogene sind doch extra in die große Stadt gekommen, um der Enge von Kehrwoche und nachbarschaftlicher Fürsorge zu entfliehen. Sachbuchautor Simon Akstinat, 35, und Fernseh-Redakteurin Nadine Kleifges, 26, sehen das anders. Sie haben die hyperlokale Talkshow „Kiez-Sofa“ erfunden, weil sie glauben, dass die Menschen in den Weiten von Großstadt und World Wide Web neue Sehnsucht nach mehr Nähe zu den Nachbarn verspüren.

Mit ihrer Talkshow wollen sie die Menschen aus einem Kiez zusammenbringen, indem sie in jeder Ausgabe vier interessante Talkgäste aus einem Stadtviertel auf ihr Sofa einladen.

An diesem Montag gastiert das "Kiez-Sofa" im "Monarch" in Kreuzberg. Mit dabei ist „DJ Alle Farben“, der mit Anfang 20 bereits rund um den Globus tourt. Dazu kommt Geza Schön, ein freiberuflicher Parfümeur. Abgerundet wird der Gästereigen durch Sandra Steffl, die die Burlesque-Comedygruppe „The Teaserettes“ gegründet hat, und den Journalisten  Leeor Engländer. Bei der Wahl ihrer Gäste vertrauen Akstinat und Kleifges auf ihr eigenes Gespür: „Wir fragen uns, was uns interessieren würde, und dann versuchen wir, entsprechende Gäste zu finden“, erzählt Kleifges. Einziges Kriterium ist, dass die Talkgäste im Kiez wohnen.

Diesmal beim "Kiez-Sofa" dabei: "DJ Alle Farben", Geza Schön, Parfümeur, Sandra Steffl - Gründerin der Burlesque-Comedygruppe "The Teaserettes" und der Journalist Leeor Engländer.
Diesmal beim "Kiez-Sofa" dabei: "DJ Alle Farben", Geza Schön, Parfümeur, Sandra Steffl - Gründerin der Burlesque-Comedygruppe "The...Foto: promo

Das erste Kiez-Sofa war gleich ausverkauft

Dabei setzen Akstinat und Kleifges immer auf eine Mischung von prominenten und unbekannten Gästen. „Es gibt so viele Leute, die spannende Geschichten zu erzählen haben“, sagt Akstinat. „Eigentlich interessieren uns alle, die für eine Sache brennen und für sie einstehen.“ Wie der Tierschützer, der seit seinen Kindergartentagen vegetarisch lebt. Besonderen Wert legen die beiden auf eine entspannte Atmosphäre. „Deswegen haben wir uns auch für Kneipen als Veranstaltungsort entschieden,“ sagt Kleifges. Zu der besonderen Stimmung trägt aber auch das Moderatorenduo bei. Die beiden wollen niemanden vorführen oder bloßstellen, da sind sie sich einig. Sie möchten ihren Gästen vielmehr die Chance geben, in Ruhe ihre Geschichten zu erzählen und mit ihren Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Offensichtlich haben sie damit einen Nerv getroffen. Die erste Veranstaltung am Boxhagener Platz war ausverkauft.

Akstinat und Kleifges wollen durch alle Berliner Kieze ziehen

Mit ihrem Kiez-Sofa wollen Akstinat und Kleifges nach und nach durch alle Kieze ziehen. Und wie steht’s um die Stadtteile, die bisher eher nicht als Szenekieze in Erscheinung getreten sind, Friedrichsfelde etwa oder Marzahn? „Wir wollen mit den Bezirken innerhalb des S-Bahn-Rings beginnen, aber interessante Geschichten gibt es überall. Insofern wäre Marzahn auch schön“, sagt Akstinat.

Couch-Potatoes haben dabei allerdings schlechte Karten. Die Veranstaltung wird weder ausgestrahlt noch auf Youtube zu sehen sein. „Wir wollen die Leute von ihren Bildschirmen wegholen und in der Kneipe zusammenbringen“, sagt Akstinat. Und was passiert, wenn sich der RBB meldet und die Veranstaltung in sein Programm nehmen möchte? „Darüber denke ich nicht nach. Ich nehme die Dinge gerne so, wie sie kommen“, sagt Kleifges.

Dieser Artikel erscheint im Kreuzberg Blog, dem hyperlokalen Online-Magazin des Tagesspiegels.

Kreuzberger Impressionen
Viele Berliner ließen ihre Beine über dem Landwehrkanal baumeln oder fuhren noch einmal Schlauchboot.Weitere Bilder anzeigen
1 von 190Foto: Sara Schurmann
19.10.2014 19:41Viele Berliner ließen ihre Beine über dem Landwehrkanal baumeln oder fuhren noch einmal Schlauchboot.

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