Info-Aktion im Görlitzer Park : Polizei verteilt Flyer gegen Dealer und Trickdiebe

Immer wieder Görlitzer Park: Jetzt hat die Polizei eine Info-Aktion gestartet, bei der sie Besucher der Kreuzberger Grünanlage vor Dealern und Taschendieben warnte. Fragt sich nur, ob sich die Probleme damit lösen lassen.

Jana Kugoth
Blaue Karte. Solche Flyer verteilte die Polizei im Görlitzer Park, um vor Kriminellen zu warnen.
Blaue Karte. Solche Flyer verteilte die Polizei im Görlitzer Park, um vor Kriminellen zu warnen.Foto: dpa

Im Görli gibt’s angeblich den besten Stoff. Und damit ist nicht die Meterware gemeint, wie sie wenige Straßen weiter auf dem Markt am Maybachufer verkauft wird, sondern alles, was geraucht, geschnupft oder gespritzt werden kann. Damit hat es der Görlitzer Platz in Kreuzberg zu einer zweifelhaften Berühmtheit geschafft. Viele Touristen kommen in die – zu dieser Jahreszeit nicht mehr ganz so grüne – Anlage, um sich den bekanntesten Drogenumschlagplatz der Stadt anzuschauen. Drogenhändler und andere Kriminelle machen sich diesen „Mythos Görlitzer Park“ zunutze, wie die Polizei am Donnerstag bei einer Aufklärungsaktion rund um den Park warnte.

Die Täter arbeiten nach Polizeierkenntnissen sehr trickreich: Parkbesucher werden bei ihrer Safari durch die Grünanlage von jungen Männern umtanzt und umarmt. Dabei handle es sich aber keinesfalls um das „offene und bunte Kreuzberger Leben“, das die Parkbesucher erwarteten, sagte die Polizei. Die Inszenierung diene der Ablenkung. Währenddessen bestehlen die Kriminellen die Besucher. Die merkten erst viel später, dass Portemonnaie und Schmuck fehlen. Dann seien die Täter schon längst weg und mit ihnen das Diebesgut.

Zwischen Dealern, Party und Bauernhof: Der Görlitzer Park
Der Görlitzer Park an einem lauen Sommerabend.Weitere Bilder anzeigen
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28.05.2014 15:24Der Görlitzer Park an einem lauen Sommerabend für viele Berliner der perfekte Ort, um den Feierabend zu zelebrieren.

Drogenkäufer werden beim Geldabheben ausgeraubt

Auch Drogenkonsumenten fallen auf die Tricks der Banden rein.  „Die vermeintlichen Drogenverkäufer verlangen eine hohe Geldsumme für die versprochene Ware“, sagt Kerstin Ismer von der Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion 5. Da der Käufer meist nicht genug Bargeld in der Tasche hat, wird er häufig zum Bankautomaten begleitet – was häufig eine Falle ist. Kaum spuckt der Automat die Scheine aus, rauben die Dealer den Drogenkäufer aus. „Dabei geht es nicht selten um vierstellige Beträge“, sagt Ismer. Meist würden solche Überfälle „unter einer Legende“ bei der Polizei angezeigt. Im Zuge der Befragungen stelle sich dann aber oftmals die Wahrheit heraus. In dem Fall müsse auch das vermeintliche Opfer mit einer Strafe rechnen. Denn Drogenkauf ist illegal. In den letzten Monaten gab es mehrere hundert Fälle des Trickbetrugs. Seit April patrouillieren Polizei und Ordnungsamt deshalb täglich im Park.

Die Polizei rät: Bloß nicht gegen Räuber wehren

Um die Öffentlichkeit auf das Thema Diebstahl im Görli aufmerksam zu machen, verteilte die Polizei gestern Postkarten und Plakate an Touristen, Berliner, umliegende Hostels und Restaurants. Die Pappkarten in Polizeiblau warnen vor den Übergriffen. „Wir wollen sensibilisieren“, sagt Ismer. Und wie sollte sich der Parkbesucher verhalten, um der Gefahr aus dem Weg zu gehen? Ismer rät, zu Gruppen Abstand zu halten und bei einem unguten Gefühl einen anderen Weg einzuschlagen. Allgemein gilt: Wird man bedrängt, sollte man keine Gegenwehr zeigen, sondern die verlangten Wertgegenstände herausgeben. Alles andere sei zu gefährlich, sagt die Polizistin.

Hidayet Koraca arbeitet sechs Tage pro Woche im Hähnchen-Imbiss neben dem Görlitzer Park. Nach seiner Beobachtung hat die Kriminalität im Görli zugenommen. Allerdings glaubt er nicht, dass die Aktion am Donnerstag viel bewirkt: „Die Polizei hat doch selber Angst vor den Kriminellen.“ Auch Familie Schrötel aus Brandenburg, die gerade auf Ferienausflug zur Minigolfanlage im Park ist, währen die Polizei ihre Zettel verteilt, ist skeptisch. Die Idee sei natürlich „eine gute Sache. Aber wenn wir mal ehrlich sind: Das bringt doch wenig.“

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