Live-Blog aus Berlin zum Nachlesen : Das war der 1. Mai in Kreuzberg

40.000 Menschen feierten auf dem MyFest. 19.000 Teilnehmer waren bei der "revolutionären" Mai-Demo - doppelt so viele wie von der Polizei erwartet. Am Rande der meist friedlichen Demo gab es Auseinandersetzungen - die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Lesen Sie die Ereignisse des 1. Mai in unserem Blog nach.

von , , , , , und Livia Gerster
My First Mai-Kiss: Ein Punker-Pärchen knutscht neben einer Einsatztruppe - und besser kann man den 1. Mai auch nicht zusammenfassen.
My First Mai-Kiss: Ein Punker-Pärchen knutscht neben einer Einsatztruppe - und besser kann man den 1. Mai auch nicht...Foto: dpa

Am 1. Mai waren die Berliner auf den Beinen - die einen feierten ausgelassen, die anderen demonstrierten. Wenige wurden gewalttätig. Unsere Reporter waren in der Stadt unterwegs und haben für Sie, liebe Leserinnen und Leser, den Tag protokolliert.

23:12 Uhr: Die Polizei in Berlin spricht von einem "weitgehend friedlichen" 1. Mai - wenige Flaschen- und Böllerwerfer am Rande der Abenddemonstration habe es gegeben. Insgesamt sei man zufrieden, immerhin seien doppelt so viele Demonstranten wie im vergangenen Jahr erschienen. Die Polizei hatte ursprünglich 10.000 Teilnehmer erwartet, nun schätzt sie die Zahl auf 19.000. Der Veranstalter spricht hingegen von 25.000 Demonstranten und sieht die Veranstaltung daher als "vollen Erfolg". Abseits der Konfrontation am U-Bahnhof Halleschen Tor kam es zu keinen weiteren Auseinandersetzungen. Dort allerdings reagierte die Polizei mit äußerst robusten Methoden - dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken - auf Provokationen des Schwarzen Blocks. Der hatte kurzzeitig den U-Bahn-Verkehr der U1 lahm gelegt. Auf dem MyFest selbst, dass am Abend mit 40.000 Besuchern komplett ausgelastet war, feiern noch rund 20.000 Gäste in die Nacht.

Mit dieser kurzen Zusammenfassung beenden wir den Live-Blog - und melden uns ab morgen früh bei Ihnen mit Updates zu weiteren Ereignissen aus der Nacht.

22:37 Uhr: Der Sprecher der "Revolutionären 1. Mai-Demo", Michael Prütz, nimmt seine positive Ersteinschätzung des Polizeieinsatzes teilweise zurück. "Ich bin doch ziemlich empört - die Polizei hat während der Demo mehrfach versucht, den internationalistischen Block zu attackieren."  Aus Sicht der Organisatoren hätten die Provokationen gegen die Demo-Spitze in der Gneisenaustraße begonnen. Dabei sei einem Verantwortlichen aus dem Block auch ein Hieb in die Nieren verpasst worden, so Prütz.

Der 1. Mai 2014 in Berlin
...Autonome bei Zügen die Notbremse gezogen hatten und das Gleisbett besetzt hielten. Auf dem Bahnsteig befanden sich auch viele Gäste des MyFests, die unfreiwillig in die Scharmützel gerieten.
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02.05.2014 16:05...Autonome bei Zügen die Notbremse gezogen hatten und das Gleisbett besetzt hielten. Auf dem Bahnsteig befanden sich auch viele...

22:23 Uhr: Die Polizei fährt nun mit Lautsprecherwagen am Kotti entlang und informiert die Gäste, dass die U1 gesperrt bleibt. Wer wegfahren will, soll die U8 nutzen. Einsatzkräfte der Polizei laufen die Fahrtrasse der U1 mit Taschenlampen ab, um mögliche Autonome aufzuspüren. Auch in Hamburg ging die Polizei wenig zimperlich gegen Demonstranten vor und setzte Wasserwerfer ein, eine mehrfach auf Twitter verkündete Besetzung einer Schule dementierte die Polizei jedoch. Mehr Informationen zu den Ereignissen in Hamburg finden Sie hier.

22:11 Uhr: Hallesches Tor ist komplett geräumt und die Lage weitestgehend friedlich. Anwesende berichten, Demonstranten sollen zuvor auf Züge geklettert sein und von dort die Polizisten beschimpft haben. Auch ein Feuerlöscher sei auf die Polizisten geworfen worden.

Gerangel am Halleschen Tor: Die Polizei setzt bei der Räumung des Bahnsteigs Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Zuvor hatte sie den U-Bahnhof komplett gesperrt, weil...
Gerangel am Halleschen Tor: Die Polizei setzt bei der Räumung des Bahnsteigs Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Zuvor hatte sie...Foto: dpa

22:04 Uhr: Der U-Bahnhof Hallesches Tor soll nun komplett geräumt werden. Laut Polizei seien Mitglieder des Schwarzen Blocks ins Gleisbett gesprungen und hätten in Zügen die Notbremse betätigt. Daraufhin hatte sich die Polizei zur Absperrung entschlossen. Augenzeugen vor Ort berichten, vor allem Partygäste des MyFests seien auf dem Bahnsteig eingeschlossen, Demonstranten vom Schwarzen Block gebe es vor Ort nur wenige. "In der Luft liegt Pfefferspray", sagt ein Anwesender.

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1. Mai in Berlin

22:00 Uhr: Pirat Christopher Lauer berichtet, auf der Demo seien Pflastersteine geflogen. Er lief nach eigenen Angaben vorne bei der Demo mit. Diese ist an der Wilhelmstraße mittlerweile für beendet erklärt.

21:43 Uhr: Die Situation scheint plötzlich doch noch zu kippen. In einem ausgesprochen robusten Einsatz hat die Polizei den Bahnsteig des U-Bahnhofs Hallesches Tor in Richtung Warschauer Straße gestürmt. Dabei wurde Pfefferspray, teilweise auch der Schlagstock eingesetzt. Der Grund für den Einsatz ist zunächst nicht zu erkennen - offenbar eine Auseinandersetzung zwischen Polizei und Schwarzem Block, doch mit nicht erkennbarem Anlass. Dutzende Menschen laufen mit tränenden Augen übern den Bahnsteig. Der Verkehr der U1 wird zwischen Warschauer Straße und Gleisdreieck unterbrochen. In dem U-Bahnzug, der während des Polizeieinsatzes in der Station hielt, sind die Lichter erloschen: Der Strom ist abgeschaltet worden. Auch normale Fahrgäste sitzen in der Falle. Bald wird klar, dass die Polizei den Bahnsteig räumen lässt. Am Endpunkt der Demonstration sind zu diesem Zeitpunkt kaum noch Menschen. Vor der U-Bahnstation stehen aber noch einige 100 Personen und Skandieren, etwa "Wir wollen U-Bahn fahren."

Finale an der Zentrale: Die Polizei sperrt die Wilhelmstraße vor dem SPD-Gebäude ab
Finale an der Zentrale: Die Polizei sperrt die Wilhelmstraße vor dem SPD-Gebäude abFoto: dpa

21:26 Uhr: Nun beginnt die Abschlusskundgebung an der Wilhelmstraße.

21:22 Uhr: Nach Angaben der Organisatoren ist es an der Spitze des Zuges zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen, bei denen auch Pfefferspray eingesetzt worden sei. Sprecher Michael Prütz: "Wir verurteilen die Provokationen der Polizei gegen die Spitze der Demonstration. Alle Provokationen wurden durch geschlossenes Auftreten des internationalistischen Blocks abgewehrt." Die Polizei selbst bestätigt den Einsatz von Pfefferspray nicht.

21.19 Uhr: Die Spitze des Zuges ist am Endpunkt angekommen - in Blickweite der SPD-Bundeszentrale an der Ecke Wilhelm- / Stresemannstraße. Die Polizei hat die Wilhelmstraße etwa 60 Meter vor dem Parteigebäude abgesperrt: Eventuelle Steinewerfer haben keine Chance, das Haus zu treffen. Der Zug ist über die Zossener und Gitschiner Straße nördlich des Landwehrkanals gekommen. Überraschend hat die Polizei auch den Mehringdamm Richtung Tempelhof abgesperrt. Der Zug, dessen Ende sich etwa auf Höhe der Johanniterstraße, also noch südlich des Kanals befindet, scheint also in eine Sackgasse zu geraten, doch wird die Sperre nach Süden bald wieder aufgehoben. Über Lautsprecher werden nun Parolen gegen die SPD verbreitet, "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten", "100 Jahre Konterrevolution" und ähnliches Über Lautsprecher wird auch dazu aufgerufen, nach der Veranstaltung zurück zum Myfest zu gehen und die Flüchtlinge zu besuchen.

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