Teilen im Kiez : Kreuzberg bekommt ein Sharehouse

Teilen statt besitzen: Immer öfter setzt sich dieser Gedanke in der Gesellschaft durch. Einen Ort fürs Teilen schafft nun die Berliner Stadtmission im Bergmannkiez mit dem Sharehouse. Ein Schriftstellerpaar hat die Idee aus Afrika mitgebracht.

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Sven Lager (2. v. l.) ist eigentlich Schriftsteller. Mit dem Sharehouse wollen er und seine Frau einen Ort des Teilens schaffen. Café inklusive. Hier sitzt er mit einigen Helfern beisammen.
Sven Lager (2. v. l.) ist eigentlich Schriftsteller. Mit dem Sharehouse wollen er und seine Frau einen Ort des Teilens schaffen....Foto: Carmen Schucker

Kein Tischbein gleicht dem anderen, eins ist türkis, eins geschwungen und die anderen beiden aus zwei verschiedenen Holzstücken zusammengefügt. Jedes Stück teilt seine eigene Geschichte und seit neuestem sind sie eins. Der Tisch im Sharehouse in der Fürbringerstraße 36 Ecke Solmsstraße steht symbolisch für das, was hier entstehen soll: Aus vielen Menschen, unterschiedlichen Talenten und Mitteln soll ein Ganzes, eine Gemeinschaft werden.

Die Initiatoren des Kreuzberger Ladens sind Sven Lager und seine Frau Elke Naters, beide sind im Hauptberuf Schriftsteller. Das Sharehouse soll ein Ort für Nachbarn und Kreative werden: Vormittags dienen die Räume als Co-Working-Space für soziale Projekte und nachmittags als Nachbarschaftsladen. Sven Lager umtreibt schon seit jeher der Gedanke des Teilens: "Jeder hat so viel zu geben, wenn man sich zusammentut, ist man viel reicher."

Der 49-Jährige ist überzeugt, dass man Probleme immer kreativ lösen kann - "auch hier in Kreuzberg". Das Schriftstellerpaar ist erst seit Februar zurück in Berlin, lebte davor neun Jahre in Südafrika. Dort eröffneten die beiden 2012 ihr erstes Sharehouse in Hermanus, 120 Kilometer von Kapstadt entfernt, wo sie mit Künstlern kreative Projekte umsetzten. Allerdings existierte das Haus nur vier Monate, weil dann der Eigentümer renovieren wollte.

Kreuzberger Impressionen
Viele Berliner ließen ihre Beine über dem Landwehrkanal baumeln oder fuhren noch einmal Schlauchboot.Weitere Bilder anzeigen
1 von 190Foto: Sara Schurmann
19.10.2014 19:41Viele Berliner ließen ihre Beine über dem Landwehrkanal baumeln oder fuhren noch einmal Schlauchboot.

Zurück in Berlin geht dann alles schnell: Sie kommen in Kontakt mit Andreas Schlamm, leitender Mitarbeiter im Bereich Bildung der Berliner Stadtmission. Der Verein ist kurz davor die Räumlichkeiten in der Solmsstraße zu kündigen. Zu dieser Zeit treffen sich hier regelmäßig junge Mädchen beim Projekt "Lichtblick" zur Nachhilfe. Schlamm ist von der Idee "Sharehouse" begeistert und stellt den beiden den Eckladen zur Verfügung, die Miete wird für einige Zeit noch von der Stadtmission übernommen. "In Zukunft wollen wir uns aber über eigene Einnahmen selbst tragen", meint Lager. Auch das Nachhilfeprojekt für Mädchen findet weiterhin in den Räumen statt.

Regelmäßig soll ein "Longtable" organisiert werden, bei dem verschiedene Kreative, Nachbarn und Interessierte bei einem Essen zusammenkommen sollen, um sich über Projekte auszutauschen oder neue anzuregen. Aber auch Kunst-Ausstellungen, Konzerte und Kleidertauschbörsen will das Schriftstellerpaar organisieren - alles ehrenamtlich, denn hauptberuflich werden beide weiterhin schreiben.

Neben dem Teilen soll auch der integrative Aspekt im Mittelpunkt stehen: "Wir möchten den Menschen einen Ort schaffen, an dem sie zusammenkommen können." Über einen Monat haben sie zu dritt renoviert und einige Möbel wie Bänke und Tische gebaut. Dafür nutzten sie vorhandene Holzreste aus dem Keller. "In Afrika lernt man schnell, aus dem was man findet etwas zu bauen." So blieb das Budget bei überschaubaren 300 Euro.

Zur Eröffnung des "Sharehouse" am Mittwoch wird zu einem Umtrunk eingeladen. Spenden - ob Essen, Trinken oder Geschirr sind dabei willkommen. Teilen inklusive.

Sharehouse, Fürbringerstraße 36/Ecke Solmsstraße, Dienstag bis Samstag 15 bis 19 Uhr

Dieser Artikel erscheint im Kreuzberg Blog, dem hyperlokalen Online-Magazin des Tagesspiegels.

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Brezelglück. Oren Drot ist vor 14 Jahren von Tel Aviv nach Berlin gekommen. Seit 2003 gehört ihm die Brezel Bar in der Friesenstraße. "Zuerst habe ich nur in der Arndtstraße gebacken und bei Konzerten in der Columbiahalle verkauft. Dann klopften nach und nach die Nachbarn an und ich verkaufte auch im Kiez meine Brezeln", sagt der 36-Jährige. Brezeln und Kreuzberg, passt das zusammen? "Ja, sehr gut sogar. Oft kommen Schwaben und Bayern und sind begeistert. Das ein oder andere mal hörte ich schon 'fast so gut wie in Bayern`." Für Drot ist Kreuzberg das Herz von Berlin. "Ich liebe Kreuzberg. Man kann schön wohnen, ist schnell überall und viele Nationalitäten und Kulturen leben hier zusammen."Weitere Bilder anzeigen
1 von 35Foto: Carmen Schucker
21.10.2014 14:02Brezelglück. Oren Drot ist vor 14 Jahren von Tel Aviv nach Berlin gekommen. Seit 2003 gehört ihm die Brezel Bar in der...

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