• Motorboot

    Nachbarschaft

    Der US-Künstler Daniel Seiple will mit Geflüchteten ein Motorboot bauen und damit die Spree entlang fahren. Noch basteln sie in seinem Atelier in Lichtenberg an kleineren Modellen. Im September soll das große Boot fertig sein. Bis es soweit ist, muss noch viel geschafft werden, aber darum geht es eigentlich nur sekundär. Von der Freiheit, Wellen zu machen: tagesspiegel.de

    Auch Bezirksbürger*innenmeister Michael Grunst (Die Linke) sagte auf Nachfrage, er finde das Projekt gut. Jobcenter und Senatsverwaltung seien auch eingebunden.

    Foto: Sebastian Mayer

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-r.klages@tagesspiegel.de

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von Robert Klages tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Lichtenberg,

ach, wie schön ist es doch, in einem Käfig zu leben. Die in der Wildnis aussterbenden Tiere denken neidisch an ihre Artgenossen in den Zoos und Tierparks: die haben es gut dort, die in ihrem „Schutzraum“, wie der Tierforscher Onur Güntürkün Käfige nennt. Der Forscher am Institut für Neurowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum ist wohl einer der wichtigsten Wissenschaftler auf seinem Gebiet, die diese Erde zur Verfügung hat. Hier die entscheidende Szene aus seinen Forschungen mit Verweis zum Tierpark.

Ein Käfig könne aber nur ein „Schutzraum“ sein, wenn die Haltung darin „artgerecht“ sei. Dabei können Käfige niemals artgerecht sein, das schließt sich ja gegenseitig aus. Ein Käfig ist in etwa so artgerecht, wie ein Ei ein Kreis ist. Das hatten wir ja schon.

Außerdem spricht sich Güntürkün für die Käfighaltung von Hühnern aus. Obwohl er selbst seine Eier beim Bio-Bauern holt. Und er kann das auch „evolutionsbiologisch“ erklären: die Ur-Hühner fanden im Dschungel Schutz vor den Raubvögeln unter großen Pflanzen. Daher würden die heutigen Haushühner unter panischer Angst leiden, wenn man sie einer „Freifläche ohne jede Deckung“ aussetzen würde. Also lieber einsperren.

Das ist ja bei uns Menschen auch nicht anders, also so rein „evolutionsbiologisch“: Unsere Vorfahren, diese Urviecher ohne Handy und Lebensversicherung, haben zum Schutz vor Säbelzahntigern in Höhlen gehaust. Deswegen brauchen wir heutigen Stadtmenschen Wohnungen. Weil wir auf einer Freifläche ohne jede Deckung in panische Angst verfallen würden. Und da wir den ganzen Tag arbeiten, können wir unsere Zwei-Zimmer-Küche-Bad-Höhlen auch nicht selbst bauen.

Die benötigten Wohnungen haben eine vollkommen neue Spezies angelockt: den Miethai. Eine Kreuzung aus Säugetier und Geldschein. In Berlin übernimmt das mit dem Wohnungsbau zu einem großen Teil die „Wohnungsbaugesellschaft“ Howoge. Ein Krake, der baut und baut und baut. Unaufhaltsam und unkontrolliert. Daher wird die Howoge nun als „Miettreiber“ kritisiert. Mehr dazu in „Namen und Neues“.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf Facebook und Twitter und Instagram. Einblick in seine literarischen Bemühungen findet ihr auf Robert-Klages.de

Robert Klages Hinweis

„Remmidemmi in Rummelsburg – Hurra, die Gentrifizierer sind da!“ So heißt eine Verantaltung, die die Debatte um Gentrifizierung „mal gegen den Strich bürsten will“. Verantaltet von der „Kilian Immobiliengruppe“, die mit den Wohnungsbaugesellschaften wie der Howoge zusammenarbeitet. Siehe hierzu unter „Namen und Neues“. Die Veranstaltung wird den folgenden Fragen nachgehen:

„Was kann Berlin vom Beispiel Rummelsburg lernen? Kann man einen solchen Prozess wie Gentrifizierung möglicherweise bewusst planen und damit bestimmte negative Folgen vermeiden? Könnten die bösen Gentrifizierer gar intelligent eingesetzte Agenten einer modernen Stadtentwicklung sein?“ Sicherlich eine interessante Diskussion, die vielleicht dem Zwecke dient, Anwohner*innen für den Prozess begeistern zu wollen und vorzubereiten auf das, was da auf sie zukommen wird. Das findet jedenfalls statt am Donnerstag, den 22. Februar um 19 Uhr in der Gaswerksiedlung Rummelsburg, Köpenicker Chaussee 31. Eintritt frei natürlich. „Debattieren“ werden u. a.: Birgit Monteiro (SPD), Stadträtin für Stadtentwicklung, Charles Landry, Stadtforscher, Andreas Krüger, Stadtentwicklungsberater, Daniel Plasch, Clubcommission.