• Person Mai

    Unter Nachbarn

    Arthur Stadthagen, sozialdemokratischer Politiker, Jurist und Schriftsteller, wurde in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt und ist Person des Monats Mai des Museum Lichtenberg.

    Neben seiner parlamentarischen Tätigkeit war Arthur Stadthagen auch publizistisch und schriftstellerisch tätig. Der Ratgeber „Das Arbeitsrecht“ ist als sein wichtigstes Buch anzusehen. Ein Extrakapitel darin erteilte Ratschläge in konkreten juristischen Angelegenheiten. Weitere Bücher stellten das Bürgerliche Gesetzbuch in allgemeinverständlicher Weise sowie die neue Unfallversicherung dar. In den Jahren von 1905 bis 1916 arbeitete Stadthagen auch als Redakteur für den „Vorwärts“. Im Frühjahr 1915 gehörte er zur innerparteilichen Opposition, die sich gegen die Mehrheit der Partei um Friedrich Ebert stellte. Im Dezember 1915 tat er dies auch offen kund. Im März 1916 führte das zu seinem Ausschluss aus der Reichstagsfraktion. In einer Abstimmung über den Notetat für das Jahr 1916 stellte er sich mit weiteren 17 Genossen offen gegen die Beschlüsse seiner Partei. In der Folge wurde Stadthagen zu einem der Mitbegründer der „Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft“, die im April 1917 in Gotha die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) gründete.

    Lesen Sie mehr über die Person des Monats: museum-lichtenberg.de

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-r.klages@tagesspiegel.de

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von Robert Klages tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Lichtenberg,

endlich ist Sommer in Berlin! Und Sommerzeit heißt Badezeit. Berlin hat viele wunderschöne Seen, in denen man sich abkühlen kann. Der Rummelsburger See zählt leider nicht dazu. „Giftloch“ hieß es bereits 2016 (Berliner Abendblatt). Auch Frank Herold, mittlerweile ein Kollege von mir in der Tagesspiegel-Politik-Redaktion, hat häufig für die „Berliner Zeitung“ darüber berichtet. Eine Studie bestätigte ebenfalls bereits im letzten Jahr: Giftloch. Dort sollte niemand baden. Beim Anblick des Wassers der Rummelsburger Bucht dürfte es sich eigentlich erübrigen, Warnschilder aufzustellen. Einige springen jedoch auch dort ins Wasser. Wie nun bekannt wurde, ist nicht nur der Kontakt mit dem Wasser, sondern auch der „dauerhafte Aufenthalt“ darauf gesundheitsgefährdend.

Die Gefahrenwarnung im Wortlaut. In einem Schreiben des Wasserstraßen- und Schifffartsamt Berlins heißt es: „Im Falle, dass sich Menschen dauerhaft auf dem Wasser des Rummelburger Sees aufhalten, ist ein erhebliches gesundheitliches Risiko aufgrund der Belastung der dortigen Sedimente und der möglichen Mobilisierung der voran genannten Schadstoffe in die Wasserkörper und die Luft nicht auszuschließen.“ Das Schreiben wurde lediglich intern an die Boots- und Segelvereine des Sees geschickt – und liegt mir vor. Lichtenbergs verantwortliche Politiker sagen, die Stadt Berlin und die Wasserbehörde müssten sich um das Problem kümmern, die Grünen veranstalten sogar noch eine Bootstour auf dem See und die Wasserbehörde wiederum weiß auch nicht weiter und hält mich auf Nachfrage hin (dabei ist ihnen das Problem schon lange bekannt).

Also wenn Sie mich fragen: Auch, wenn nur der „dauerhafte“Aufenthalt auf dem Wasser ein („erhebliches“)  gesundheitliches Risiko mit sich bringen kann: mich werden Sie weder im, noch auf, oder auch nur in der Nähe des Sees sehen. Mal ehrlich: Würden Sie Ihre Kinder mit zu einem Paddelausflug in der Rummelsburger Bucht nehmen? Unter der Hand erzählt mir jemand, den ich zu dem Thema befragen möchte, ich solle doch etwas „behutsam“ mit dieser Gefahrenmeldung umgehen, da der See sehr beliebt sei und zudem würden die Bootsverleihe und Segelschulen um ihre Kundschaft fürchten, wenn beispielsweise Warnhinweise am Ufer errichtet oder sonstige Maßnahmen ergriffen würden. Auch könnten Besitzer von Hausbooten oder andere, die tatsächlich dauerhaft auf dem Wasser wohnen eventuell gegen die Stadt klagen. Sie können mich gerne Spaßverderber nennen, aber ich denke, dass die Gesundheit der Menschen eindeutig vor wirtschaftlichen Interessen und dem Ansehen der Stadt stehen sollte. Bitte lesen Sie weiter in den Macher-Meldungen.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel und schwimmt ansonsten sehr gerne. Auch Bootsausflüge mag er eigentlich. Letzte Woche war er beispielsweise im Naturschutzgebiet Donaudelta in Rumänien unterwegs. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Auf Facebook und Twitter  und Instagram ist er auch, folgen Sie ihm gerne. 

Robert Klages' Tipp für Sie

Schwimmen im Giftloch: Auf gar keinen Fall. Fisch essen aus dem Giftloch: Wer nicht lang leben möchte, möge dies tun. Füße reinhalten ins Giftloch: Man wird es wohl überleben, ist aber trotzdem sehr ekelig. Trettboot fahren auf dem Giftloch: dürfte wohl noch klar gehen, ich mache es trotzdem nicht mehr. Wohnen am Giftloch: Tut mir leid, wer da wohnt. Flanieren am Giftloch: Wem es gefällt … , aber auch da bin ich raus. Elektro-Party rocken in den eigentlich tollen Clubs direkt am Giftloch: Dürfte eigentlich nichts passieren, besonders schön ist es nicht. Ich wünsche allen Lichtenberger*innen trotzdem einen guten Start in den Sommer.
Foto: Henning Onken