• Stark

    Unter Nachbarn

    Kerstin Stark (31 Jahre) kommt aus Fürth, lebt seit sechs Jahren in Wedding und schreibt gerade ihre Promotion zum Thema „Nachhaltige Mobilität“. Stark ist Gründungsmitglied der Berliner Initiative Volksentscheid Fahrrad und verhandelt aktuell mit Senat und Bezirk ein neues Radgesetz.

    Wie sind Sie zu Ihrem Engagement gekommen? Ich bin Stipendiatin bei der Heinrich-Böll-Stiftung. Mit einer anderen Stipendiatin, die in Neukölln das Fahrradfreundliche Netzwerk aufgebaut hat, habe ich zusammen einen Workshop zum Thema „Berlin – Fahrradstadt?“ gemacht, wo wir Leute aus der Wissenschaft sowie Aktivist*innen eingeladen haben. Da bin ich zum ersten Mal auf die Leute getroffen, mit denen ich später, im November 2015, den Volksentscheid Fahrrad initiiert habe. Ich habe mich außerdem in verschiedenen Initiativen und auch der Stadtteilvertretung Müllerstraße engagiert. Mir liegt daran, öffentliche Räume lebenswerter zu gestalten und wesentlicher Punkt ist dabei, den Autoverkehr zu verringern, mehr Platz für die Menschen zu schaffen, sich dafür zu engagieren, das Auto als ganz selbstverständliches allgegenwärtiges Stadtmöbel zurückzudrängen.

    Wie empfinden Sie die Situation für Fahrradfahrer in Wedding und in Mitte insgesamt? Die Situation für Radfahrende ist in Wedding und im Bezirk wie auch in den meisten anderen Bezirken alles andere als optimal. Seit Jahren gibt es Planungen, dass die Müllerstraße und die angrenzenden Nebenstraßen endlich Radwege bekommen, aber es passiert nichts. Die Müllerstraße ist eine stark autoverkehrbelastete Straße, wo viel in zweiter Reihe geparkt wird. Radwege gibt es dort aber keine. Nur im nördlichen Teil gibt es lediglich einen so genannten Schutzstreifen, der meist auch noch zugeparkt ist. Hier trauen sich nur die mutigen Radfahrenden zu fahren. Gerade in Wedding gilt es noch ein großes Potential zu heben: Obwohl in einem Innenstadtbezirk, die wegen der relativ kurzen Wege einen eher hohen Radverkehrsanteil haben, hat Wedding nur neun Prozent Radverkehrsanteil, im Vergleich Kreuzberg hat mehr als 20 Prozent, Berlinweit sind es 13 Prozent. Anderes Beispiel: Seit Jahren soll in der Togostraße eine Fahrradstraße eingerichtet werden, die BVV hat das beschlossen. Warum nichts passiert ist, ist völlig intransparent.

    Was fordert die Initiative? Wir wollen, dass Radfahren für alle Altersgruppen sicher und komfortabel wird, dass mehr Berliner und Berlinerinnen das Fahrrad als selbstverständliches Alltagsverkehrsmittel benutzen. Radfahren ist gesund, ist gut fürs Klima, macht keinen Lärm wie der Autoverkehr. Aktuell verhandeln wir mit dem Senat ein Radgesetz, in dem verbindliche Ziele zur Verbesserung des Radverkehrs und Zeithorizonte definiert sein werden.

    Wie verläuft diese Arbeit? Konkret in den Bezirken haben wir Gruppen gebildet, die vor Ort Aktionen machen und den Bezirkspolitiker*innen unsere Beratung anbieten. Die zentrale Lage von Mitte macht den Bezirk zum Dreh- und Angelpunkt für das spätere Radverkehrsnetz. Daher wird Mitte eine besondere Rolle bei der Umsetzung der Maßnahmen des Radgesetzes zufallen. Die neue Bezirksregierung steht dem Radverkehr viel positiver gegenüber und hat eine radverkehrsfreundliche Zählgemeinschaftsvereinbarung getroffen. Wir sind zuversichtlich, dass sie sich den Herausforderungen stellen wird.

    Kennen Sie eine schöne Fahrradtour durch Mitte?  Das ist schwierig. In Richtung Mitte finde ich den Teil am Kanal entlang schön, es gibt aber keine durchgängig gut ausgebauten Strecken fürs Rad. Daher sind wir mit der Initiative angetreten, ein durchgängiges Radverkehrsnetz aus sicheren und komfortablen Radverbindungen zu schaffen.

    Foto: Mirko Lux

    Wer soll hier als Nächstes vorgestellt werden? Schreiben Sie an leute@tagesspiegel.de

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von Felix Hackenbruch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

unser Bezirk hat einen neues illustres Nachbarpaar. Seit Sonntag sind Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender im Schloss Bellevue und zum Einstand hat der neue Bundespräsident am Mittwoch direkt eine leidenschaftliche und kluge Rede im Bundestag gehalten. Weil sein Bekenntnis zur Demokratie und der Appell zu mehr Mut nicht nur an die Politiker im Parlament gerichtet war, sondern an uns alle, will ich hier zu Beginn einen kleinen Auszug wiedergeben.

„Streiten für Demokratie ist nicht Sache der Politik allein. Aber Politik muss verstehen, dass die Zeiten besondere sind: Zeiten, in denen alte Gewissheiten verschwunden und neue nicht an ihre Stelle getreten sind. […] Wie die Zukunft wird, darauf gibt es nicht nur eine Antwort. Da ist die Zukunft eben nicht ‚alternativlos‘. Im Gegenteil: Die Zukunft ist offen, und sie ist überwältigend ungewiss!

Diese Offenheit, die bei den einen Hoffnung auslöst, jagt anderen Angst ein! ‚Wer von Angst getrieben ist, vermeidet das Unangenehme, leugnet das Wirkliche und verpasst das Mögliche‘, so schreibt Heinz Bude. Und: Der Ängstliche ist anfällig für die Lockrufe jener, die immer mit ganz einfachen Antworten zur Stelle sind. Mir scheint: Das Angebot an einfachen Antworten steigt im Wochenrhythmus. Dabei könnten wir doch wissen: Die einfachen Antworten sind in der Regel keine Antwort. Wer soll denn glauben, dass in einer Welt, die komplizierter geworden ist, die Antworten einfacher werden? Wer soll denn glauben, dass nach dem blutigen 20. Jahrhundert und den Lehren aus zwei Weltkriegen die alten Muster von Abschottung und nationaler Eiferei die Welt friedlicher machen? Die neue Faszination des Autoritären, auch die in Teilen Europas, ist am Ende nichts anderes als die Flucht in die Vergangenheit aus Angst vor der Zukunft. Das kann – und das darf nicht unser Weg sein!“ Die ganze Rede können Sie hier sehen.

Felix Hackenbruch ist gebürtiger Schwabe, ist in Berlin aber trotzdem freundlich aufgenommen worden und fühlt sich pudelwohl. In Mitte verbringt er nicht nur viel Zeit damit, Landespolitikern auf die Finger zu schauen, sondern hat bereits in drei Wohnungen in Wedding und Gesundbrunnen gelebt. Auf Twitter können Sie ihm unter @FHackenbruch folgen. Wenn Sie Anregungen oder Kritik loswerden wollen, schreiben Sie an: leute@tagesspiegel.de

Felix Hackenbruchs Tipp für Sie

In Berlin ist es eine Glaubensfrage, ob es richtig „im“ oder „in“ Wedding heißt, schreibt Björn Seeling im heutigen Checkpoint. Eigentlich ist es ja völlig egal, Hauptsache, man sagt nicht „Mitte“ zu Wedding. Denn nur wo Wedding drauf steht, ist auch Wedding drin. Den Beleg dazu liefert die neue Ausgabe des MagazinsTagesspiegel Berliner“, die mit dem Samstag-Tagesspiegel zu haben ist. Fotografen der renommierten Agentur „Ostkreuz“ zeigen darin Aufnahmen von ihren Streifzügen durch den Stadtteil im Berliner Norden. Es sind Fotos, so schreibt Redaktionsleiter Jan Oberländer, die voller Liebe, voller subtilem Humor und überraschender Ein- und Ansichten sind. „Und manchmal denkt man bloß: Das ist niemals Berlin! Das ist doch New York!“

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