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    Unter Nachbarn

    Katja Dittrich hat Medienberatung und Politikwissenschaften in Berlin studiert und wohnt seit vier Jahren in Gesundbrunnen. In der ZEIT hat sie eine wöchentliche Grafik, in der sie Torten der Wahrheit entwirft. Viele davon sind in ihrem Blog zu sehen. Auf Twitter kann man ihr unter @katjaberlin folgen.

    Frau Dittrich, wenn der Gesundbrunnen eine Torte der Wahrheit wäre, wie sehe die aus? Es gibt viele Wahrheiten. Der Gesundbrunnen hat zum Beispiel drei Naherholungsgebiete: Die Panke, den Volkspark Humboldthain und das Gesundbrunnencenter.

    Wo verbringen Sie denn am liebsten Zeit? Seit der Real nicht mehr im Gesundbrunnencenter ist, bin ich öfter im Humboldthain. Nein, im Ernst: am liebsten laufe ich an der Panke die Uferstraße entlang. Das kann ich jedem nur empfehlen – am liebsten bin ich im Café Pförtner und in der Bar Wilma.

    In einem Text haben Sie mal beschrieben, wie oft die Polizei ins Nachbarhaus stürmt und, dass Fahrradfahren in der Barstraße so sicher ist, wie eine Kettensäge zu umarmen. Warum bleiben Sie trotzdem in Gesundbrunnen? Das nehme ich gerne in Kauf. Ich habe noch nie in einem Bezirk gelebt, der so heterogen und bunt ist. Menschen von überall, aus allen Schichten und allen Alters leben hier zusammen. Das ist inspirierend und dann nimmt man auch ein bisschen Chaos und Müll auf der Badstraße in Kauf – denn man hat immer was zu lachen.

    Gesundbrunnen gilt als Brennpunktkiez. Haben Sie manchmal Angst? Nein, ich fühle mich total sicher. Ich bin hier noch nicht einmal belästigt worden. Es ist hier einfach alles ein bisschen bunter und lauter – in diese Gesamtmischung habe ich mich inzwischen ein bisschen verliebt.

    Der Gesundbrunnen erlebt auch erste Anzeichen von Gentrifizierung. Wer kommt denn nun zuerst: Der Wedding oder Gesundbrunnen? Der Wedding ist doch schon da. Eigentlich sind wir alle schon da, nur wo, das muss jeder für sich definieren.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

    In der letzten Woche ist uns in dieser Rubrik ein Fehler unterlaufen. Das Foto von Janka Haverbeck hat Laura Hegewald und nicht Laura Haverbeck gemacht. Wir bitten um Entschuldigung.

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von Felix Hackenbruch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

es war heiß, stickig und ging mal wieder ziemlich lang. Am Donnerstagabend hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zum siebten Mal getagt. Kühlen Kopf behielten vor allem die Verordneten der Linken, die vor der Sitzung ungeniert Eis schleckten. Ehe es mit den hitzigen Debatten (Zusammenfassung unten) los ging, durften sich die neugewählten 17 Seniorenvertreter um ihre Vorsitzende Elke Schilling vorstellen. Obwohl von gerade mal 3.001 Bürgern gewählt, haben die in den Ausschüssen Rederecht und können dort für die Interessen der Senioren werben. Eigentlich eine gute Sache, nur warum gibt es keine ständige Vertretung für die Interesse von Jugendlichen, Migranten oder sozial Schwachen? Denn dass diese Institution den Senioren helfen wird, wurde schon bei der Vorstellung klar. Eine Neugewählte stellte sich so vor: „Ich bin vor über 60 Jahren im Wedding geboren, lebe da und habe 40 Jahre an einer Brennpunktschule gearbeitet. Ich werde mich durchsetzen können.“ Wenn nicht sie, wer dann?

Felix Hackenbruch ist gebürtiger Schwabe, ist in Berlin aber trotzdem freundlich aufgenommen worden und fühlt sich pudelwohl. In Mitte verbringt er nicht nur viel Zeit damit, Landes- und Bezirkspolitikern auf die Finger zu schauen, sondern hat bereits in drei Wohnungen in Wedding und Gesundbrunnen gelebt. Auf Twitter können Sie ihm unter @FHackenbruch folgen.

Felix Hackenbruchs Tipp für Sie

Jetzt, wo der Sommer in Berlin angekommen ist, sollte man die Tage und natürlich auch die lauen Sommernächte draußen verbringen. Besonders schön finde ich dafür das Freiluftkino Rehberge in Wedding, wo man zusammen mit 1500 Menschen unterm Sternenhimmel tolle Filme anschauen kann. Heute Abend eröffnet die Saison mit dem Hollywood-Musical „La La Land“, am Wochenende folgen „Manchester by the Sea“ und „Café Society“. Wer keine Lust auf Kino hat, dem empfehle ich trotzdem einen Besuch im Volkspark Rehberge, um in der hohen Wildwiese ein Buch zu lesen oder durch die Kleingarten Kolonie zu wandern und in der Gartenwirtschaft „Unter der Linde“ den Abend zu genießen. Hauptsache raus!

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