• schlesig

    Nachbarschaft

    Michael Schlese (53) leitet seit dem 1. Januar das Sozialamt in Mitte. Mit rund 250 Beschäftigten und einem Finanzvolumen von rund einer halben Milliarde Euro ist es das größte Sozialamt Deutschlands. Felix Hackenbruch hat mit ihm gesprochen.

    Herr Schlese, Sie konnten sich bereits seit dem 1. Oktober des letzten Jahres mit Ihrem Vorgänger Hermann Heil zusammen einarbeiten. Wo sehen Sie die größten Baustellen für 2018? Da gibt es mehrere. Wie in der Vergangenheit müssen wir weiter den Leistungsmissbrauch durch kriminelle Pflegedienste bekämpfen. Auch die Eingliederungshilfe, deren Weiterentwicklung im neuen Bundesteilhabegesetzt geregelt ist, fordert uns. Wir betreuen in Mitte mehr als 3000 Klienten mit Eingliederungshilfe, die gelten jetzt nicht mehr automatisch als Sozialhilfeempfänger. Sie sollen besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Im Bereich des E-Government wollen wir im Internet präsenter werden, die elektronische Aktenführung einführen und den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen erleichtern. Bürgerinnen und Bürger sollen zum Beispiel nicht mehr wegen jedem Antrag auf die Ämter müssen. Eine große Herausforderung stellt auch die Unterbringung und Integration von Geflüchteten dar; der Bezirk Mitte betreut rund 7000 Personen. Hinzu kommen noch weitere 2000 von uns betreute Wohnungslose, die zum großen Teil auch einen Migrationshintergrund haben.

    In Ihre Zuständigkeit fällt auch die Obdachlosenhilfe. Wie wollen Sie die Zustände im Tiergarten verbessern? Wir reden hier von Straßenobdachlosigkeit. Diese betrifft wohnungslose Personen, die in der Regel nicht vom Sozialamt direkt betreut werden. Wir sind nicht das Ordnungsamt, das für Recht und Ordnung sorgt. Wir stellen aber zum Beispiel Kältehilfeplätze bereit. Von den berlinweit etwas über 1000 Betten stellt der Bezirk Mitte rund 400 bereit. Bis jetzt reicht das aus und wir sind nicht voll ausgelastet. In den vergangenen Jahren war das anders. Eine Verbesserung der Situation im Tiergarten ist schwierig, denn hier handelt es sich auch um viele Obdachlose mit Migrationshintergrund, vor allem aus Polen. Diese Menschen wollen oft nicht raus aus der Obdachlosigkeit, sondern sie nutzen unsere sozialstaatlichen Strukturen und die Angebote gemeinnütziger Träger.

    Ein anderes Problem ist die Kinderarmut im Bezirk. Stimmt, Alters- und Kinderarmut sind Probleme. Leider haben wir zum Beispiel eine kontinuierliche Steigerung in der Beantragung von Grundsicherungsleistungen. Dabei haben wir innerhalb des Bezirks große Niveauunterschiede. Vor allem in Wedding, Gesundbrunnen und Moabit West haben wir viele von Armut bedrohte Familien. Um die kümmern wir uns auch zusammen mit dem Jugendamt.

    Was wünschen Sie sich für 2018? Im vergangenen Jahr ist uns die Wohnungslosigkeit auf die Füße gefallen – gerade im Tiergarten ist das sichtbar geworden. Da würde ich mir wünschen, dass die Impulse der letzten drei Monate aus den Bezirken im Senat genutzt werden. Das darf kein Strohfeuer bleiben.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

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Melanie Berger. von Melanie Berger tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

Dauerhaft geschlossen heißt es im Internet, wenn man sich nach der Kiezbar „Maluma Dreams“ erkundigen will. 17 Jahre lang, sagt Wirt Emmanuel Akakpo, habe er die Bar betrieben. Nun hat der Vermieter – der CSU-Bürgermeister Olaf Heinrich aus Freyung in Bayern – den Vertrag mit ihm gekündigt. Die Empörung ist groß, wieder ein Kiezladen weniger, wird ja immer schlimmer hier. Letzte Woche berichtete Felix Hackenbruch an dieser Stelle schon über Wissmann’s Apotheke in Moabit, die nach 127 Jahren schließen muss.

Jedoch erweist sich die Situation als komplexer, als es auf den ersten Blick scheint, wie meine Kollegin Anna Pia Möller bei ihrer Recherche merkt. Im Internet ist von Rassismus und Diskriminierung die Rede, eine Petition zum Erhalt der Bar auf der online Plattform change.org hat bereits mehr als 77.000 Unterstützer. Dass die Kündigung des Vertrags etwas mit Hautfarbe oder Herkunft von dem aus Togo stammenden Inhaber der Bar zu tun habe, weisen die Vermieter ab. Akakpo hätte die Miete nicht bezahlt und es gäbe Rückstände im fünfstelligen Bereich.

Die Stimmen im Netz sind gespalten. Manche, die die Petition unterschrieben haben, fühlen sich von Akakpo „hinters Licht geführt“. Mit Kenntnis der Stellungnahme der Vermieter hätten wohl kaum so viele Menschen diese Petition unterschrieben, kommentiert ein Nutzer. Andere appellieren an deren Mitgefühl und wünschen sich, die Vermieter mögen „ein Auge zudrücken.“ Akakpo ist, wie er sagt, bereit „auf alle Forderungen einzugehen“, von Olaf Heinrich heißt es allerdings: „Wir haben uns einstimmig gegen die Fortführung des Mietverhältnisses entschieden.“

Melanie Berger lebt im Wedding und schreibt über Berlinisches für den Tagesspiegel. Anregungen für den Mitte-Newsletter gerne an: leute-m.berger@tagesspiegel.de.

Unser Tipp für Sie

Nachos, Burritos, Tacos, Quesadillas – im „Neta“ verkauft Koch Markus Stöckle Glück zum Essen. Kollege Moritz Honert hat den mexikanischen Imbiss getestet und schreibt von einem leuchtenden Stierkopf aus Neonröhren, viel Süßkartoffeln und einer „schlonzigen Burrito-Bombe“ namens „Rudolpho“ für 8,50 Euro – wer will kann sich sein Gericht auch selbst zusammenstellen. Sein Fazit: „Zähne, das fällt auf, braucht man für die mexikanische Küche offenbar so wenig wie Besteck“ und mexikanische Limonade sprudelt mehr als mexikanisches Bier.

Weinbergsweg 5, geöffnet ist So-Do: 12-22, Fr-Sa: 12-23 Uhr, eine zweite Filiale gibt es in der Schönhauser Allee 44.

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