• Christian Bangel

    Unter Nachbarn

    5 schnelle Fragen an: Christian Bangel / 38 / Rixdorf / hat gerade seinen ersten Roman – „Oder Florida“ – geschrieben, sonst Chef vom Dienst bei Zeit Online /

    Das schlimmste Wahlplakat, das du gesehen hast? Außer den AfD-Plakaten? Würde sagen: Jungpolitiker, Modell Tannenzäpfle.

    Als du aus Hamburg nach Neukölln kamst, haste Berlin gehasst. Immer noch so schlimm? Nein, das geht inzwischen. Ich habe das Buch ja auch fast komplett in Neukölln geschrieben, in der tollen Enklave im Schillerkiez. Neukölln gibt mir ein Bier, wenn ich es brauche und schreit mich dafür manchmal an, wenn ich es nicht brauche. Ich finde, das ist fair.

    Schlimmster Ort? Vermutlich der Fahrstuhl am U-Bahnhof Neukölln. Falls Du einen Kinderwagen hast, trag ihn lieber die Treppen runter. Wirklich, ist besser.

    Wie viel Biografisches steckt in „Oder Florida“? Damals, 1998, lief wirklich ein junger Typ mit langen Haaren durch Frankfurt (Oder) und ist ständig vor den Nazis weggerannt. Und der saß manchmal wirklich am Fensterbrett seines Neubauhauses und trank Bier. Ich finde es gut, dass diese schöne deutsche Tradition auch in Neukölln bewahrt wird.

    Frankfurt Oder, mh. Warum sollten wir das lesen? Die Slacker- und Spätikultur, dieses wilde Nutzen von Flächen, die halt da sind. Die manchmal durchschimmernde Gewalt drumherum. Dieses Nebeneinander von Abbruch und Aufbruch. Die absurde Rückseite des Stadtkapitalismus. Das gabs auch in Frankfurt schon. Neuköllner, habt keine Angst vor Brandenburg! Da draußen sind Leute, die Euch verstehen.

    In „Oder Florida“ hat einer die Idee zur Lösung aller Probleme: Man müsse nur die SPD übernehmen – durch organisierten Masseneintritt. Erscheint am 2.10. (Piper), Vorbestellung und Leseprobe.

    Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier vorgestellt gehört: leute-s.markutzyk@tagesspiegel.de

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Sabrina Markutzyk. von Sabrina Markutzyk tagesspiegel
Liebe Nachbar*innen aus Neukölln,

ihr dürft jetzt nebeneinanderfahren. Mit dem Rad, 500 Meter lang auf der Weserstraße, bald gar 2,3 km. Der Abschnitt Kottbusser Damm/Pannierstraße ist jetzt Fahrradstraße. Für ein Speed-Date bei langsamer Fahrt reicht das aus.

Für Sonntag gilt „besser kreuzen statt klicken, ihr likegeilen bitches“ (kommt nicht von mir, siehe Kiezkamera), aber: So eine Wahl kann nicht alles richten, und auch die AfD hat keine Antwort auf die Frage, ob es die Sirleon Butcher Steaks bei Penny überhaupt eines Tages wieder in der für alle frei zugänglichen Kühltheke geben wird. Dafür glaubt die BVV-Fraktion, die richtigen Fragen zu stellen, zum Beispiel, ob Deutsche gegenüber muslimischen Toten benachteiligt würden. Und einer aus Rixdorf (Unter Nachbarn) behauptet: Keine Angst vor Brandenburg! Verrückte Zeiten, inschallah.

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Tipp: Smoking Cinema

Der James Dean des Jazz, grandios gespielt von Ethan Hawke, dazu rauchen: Mobile Kino zeigt „Born to be Blue“ – die Geschichte über das Comeback der Jazz-Legende Chet Baker (Trailer) in den späten 60ern. Donnerstag, 21 Uhr in der Grießmühle (7,50 €, Ticketreservierung). Damit sich niemand ausgeschlossen fühlt: Heute zur selben Zeit, ohne Rauchen, dafür mit angemessenem Soundsystem läuft Raving Iran.