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    Unter Nachbarn

    Seit 15 Jahren ist der Mädchentreff Schilleria eine feste Instanz im Schillerkiez. „Bei manchen Familien aus der Nachbarschaft kommen die Töchter schon in dritter Generation zu uns“, erzählt Sinaya Sanchis, eine von zwei festangestellten Sozialarbeiterinnen der Schilleria. Doch nun kämpft der Treff um seine Existenz: Mitte September haben die Mädchen die Kündigung des Vermieters, der skandinavischen Greta AG, zum Jahresende erhalten. Ein neuer Mietvertrag wurde der Schilleria in Aussicht gestellt, allerdings gekoppelt an eine Verdreifachung der Miete. Diese Erhöhung kann der Träger, der gemeinnützige Mädchen- und Frauenverein MaDonna Mädchenkult.Ur, aus eigener Kraft nicht stemmen.

    Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) verhandelt derzeit eine Übergangslösung für die Schilleria. „Unsere Priorität ist es, zu bleiben“. sagt Sanchis. Ein Umzug hieße, „genau der Verdrängung zu weichen, gegen die wir eigentlich stehen”. Viele der Mädchen seien bereits aus dem Kiez verdrängt worden, aber viele sind noch da – und würden sich nicht mit den Veränderungen im Kiez identifizieren.

    Die Schilleria fokussiert sich auf die kulturelle und politische Bildung, die Antidiskriminierungs- und Empowermentarbeit.  „Das ist eine paradoxe Situation“, sagt Sanchis. „Wir bringen den Mädchen bei, sich an politischen Prozessen zu beteiligen – und dann erfahren sie, dass die Politik es versäumt hat, sich frühzeitig für sie einzusetzen, und dass deswegen nun ihr Rückzugsort bedroht ist.“ (tagesspiegel.de)

    Mitte Dezember soll ein Treffen zwischen der Greta AG, der Schilleria und dem Jugendamt stattfinden. Bis dahin ist der weitere Verbleib der Schilleria ungewiss. Die Mädchen nehmen ihr Schicksal derweil nicht teilnahmslos hin und haben in Eigenregie eine Liste mit Ideen zur Rettung des Treffs zusammengestellt. Es finden mittlerweile fast täglich kleine bis große Hilfsaktionen statt, vom Punsch-gegen-Spende bis hin zu Flyeraktionen in der Nachbarschaft. Dabei freuen sich die Mädchen natürlich auch über solidarische Nachbar*innen und andere Unterstützung.

    Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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von Madlen Haarbach tagesspiegel
Liebe Nachbar*innen aus Neukölln,

vergangene Woche war wieder einmal Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Zu Beginn verlas Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) die Namen der insgesamt 20 in Neukölln gestohlenen oder beschädigten Stolpersteine. „Es ist an Dummheit und Ignoranz kaum zu übertreffen, sich ein zweites Mal am Schicksal dieser Menschen zu vergreifen“, sagte sie. Dass sich politische Gewalt offenbar nicht nur auf Gegenstände beschränkt, wurde jedoch gleich im nächsten Atemzug deutlich: Ende Oktober wurde der Bezirksverordnete Christian Blank (AfD) nachts auf offener Straße von mehreren Unbekannten angegriffen. Ein politischer Hintergrund konnte bislang weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Giffey erklärte, dass bei körperlichen Angriffen „die Grenze der politischen Auseinandersetzung bei Weitem überschritten“ sei. Auch in der BVV geraten die politischen Gruppen ja häufig aneinander, wie wir an dieser Stelle regelmäßig berichten. So gespalten wie der Bezirk ist letztlich auch die BVV – aber vielleicht ist gerade das ja auch das Interessante an Neukölln: Die Widersprüche, die Gegensätze, aber eben auch die Momente, in denen sich (fast) alle plötzlich einig sind.

Mehr zu den Themen der BVV und was sonst so in Neukölln passiert ist, lesen Sie in den Meldungen. Vorher möchte ich mich gerne in eigener Sache noch bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die an unserer Leute-Umfrage teilgenommen haben. gerade die persönlichen Kommentare sind für uns ein spannendes Feedback, und spiegeln in ihrer Vielfalt auch die Buntheit Neuköllns wider. Daher möchte ich Sie dazu ermuntern, sich auch in Zukunft mit kritischen, tadelnden, aber gerne auch lobenden Anmerkungen nicht zurück zu halten. Denn genau von Ihnen lebt ja der Bezirk, und damit letztlich auch dieser Newsletter. Also schreiben Sie uns gerne!

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Gerade freut sie sich besonders über das viele positive Feedback aus der Leute-Umfrage. Über noch mehr Feedback, Anregungen und Tipps aus den Kiezen freut sie sich auch weiterhin bei Twitter oder per E-Mail.

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Madlen Haarbachs Tipp für Sie

Das Wetter ist nasskalt, der scheinbar ewig dauernde Berliner Winter hat begonnen. Wie wäre es da mal mit etwas Fußgehen? Und zwar nicht horizontal auf asphaltierten Wegen, sondern kreuz und quer, vertikal und horizontal durch die Stadt? Geht für Groß und Klein, und zwar bei den „Fußgängern“, einem in Neukölln ansässigen Verein für Parkour. Worauf es beim Parkour, der „effektiven Fortbewegung im urbanen oder natürlichen Raum“ ankommt, lesen Sie hier. Trainings im kreativen, städtischen Hindernislauf führen die „Fußgänger“ regelmäßig an spontan festgelegten Orten überall in Berlin durch, Montags und Freitags finden Kindertrainings statt. fussgaenger.eu