Baupläne auf der Berliner Elisabethaue : Pankower buhen Bausenator Andreas Geisel aus

Andreas Geisel spricht von einer "großen Chance" für bezahlbare Wohnungen, seine Gegner protestieren mit Trillerpfeifen und viel Wut im Bauch: Die Elisabethaue in Pankow soll bebaut werden, auch gegen den Willen des Bezirks, der die Absichtserklärung nicht unterschrieb.

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"Hinterzimmerpolitik", "Geiselhaft" - die Gegner der Bebauung der Elisabethaue protestieren im Rathaus Pankow.
"Hinterzimmerpolitik", "Geiselhaft" - die Gegner der Bebauung der Elisabethaue protestieren im Rathaus Pankow.Foto: Ralf Schönball

Mit Trillerpfeifen und Buhrufen empfingen Gegner der Baupläne des Senats in der Elisabethaue in Pankow. 5000 "bezahlbare Wohnungen" sollen dort nach dem Willen des Senats entstehen, doch der Bezirk hat sich gegen das Vorhaben ausgesprochen - und deshalb sehen die Gegner Bezirksbürgermeister Matthias Köhne "in Geiselhaft". Bei der gemeinsamen Pressevorstellung der Pläne sprach Bausenator Andreas Geisel (SPD) von einer "großen Chance". Die Neubauten entstünden auf landeseigenen Flächen und Berlin benötige "dringend Wohnraum".

"Ich weiß, dass das Bauvorhaben nicht unumstritten ist", sagte Geisel, der sich den Weg ins Rathaus durch ein Spalier aus Trillerpfeifenden Protestlers gebahnt hatte. Es gehe aber nicht, dasss in der Mitte der Stadt nicht gebaut werden darf. Das Projekt sei eine Frage des Gemeinwohls. "Wir wollen die Entwicklung gemeinsam mit dem Bezirk Pankow voranbringen." Er forderte den Bezirk auf, sich an dem Stadtentwicklungskonzept zu beteiligen. Er wolle nicht ohne oder gegen Pankow planen, sondern mit den Anwohnern.

Bürgermeister: Es fehlt die Infrastruktur

Bezirksbürgermeister Matthias Köhne sagte: "Das Bezirksamt wurde von der Berzirksverordnetenversammlung aufgefordert, die Absichtserklärung nicht zu unterschreiben. Dem werden wir folgen". Es sei aber ein Irrglaube, dass die Elisabethaue deshalb nicht bebaut werde. Es gehe "nicht um das ob, sondern um das wie der Bebauung". Und auch für den Fall, dass die Elisabethaue bebaut werde, habe die BVV Beschlüsse gefasst. Dazu zähle, dass ein Drittel der Wohnungen für Haushalte mit  geringen Einkünfte bereit gestellt werden müssten sowie die Anbindung des Quartiers an die Straßenbahn.

Köhne machte deutlich, dass der Bezirk in 25 Jahren 90000 Einwohner dazu gewonnen habe. Dazu seien zahlreiche Wohnungen in Lücken neu entstanden, nicht aber die erforderliche Infrastruktur wie Schulen, Kitas und Sportanlagen für die zugezogenen Menschen. Dies sei nur durch die Entwicklung ganzer Gebiete, wie zum Beispiel der Elisabethaue, möglich.

Geisel: "Wohnungen landen nicht wie ein Raumschiff"

Geisel zufolge sollen nicht "5000 Wohnungen wie ein Raumschiff landen", sondern ein neues lebendiges Quartier. Dazu müssten Schulen, Kitas, Grünflächen angelegt werden und das neue Quartier an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden. Dazu könnten die Tramlinien 50 und M1 bis zu dem Gebiet führen. Auch der S-Bahnhof Blankenburg könne über Radwege mit der Siedlung vernetzt werden.

Geisels Bau-Staatssekretär Engelbert Lütke-Daldrup nannte die Pläne eine "Neuinterpretation der Gartenstadt". Für das 74 Hektar große Gebiet solle im Herbst kommenden Jahres der Städtebauliche Wettbewerb starten und im Jahr 2017 die Gestaltung der einzelnen Blöcke durch einen Wettbewerb von Architekten. Im Frühjahr 2019 sollen "erste bauliche Entwicklungen" beginnen und dann sei mit einer Bauzeit von drei Jahren für das ganze Wohnquartier zu rechnen. 

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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