Berliner Bäder : Bau des Kombi-Bades in Pankow verzögert sich erheblich

Beschleunigte Verfahren, Generalunternehmer: Beim Bau der neuen Berliner Schwimmbäder wollten Bäderbetriebe und Senat aus den Fehlern am BER lernen. Das klappt wohl nicht.

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Neben dem Sommerbad soll in Pankow das Freizeitbad gebaut werden.
Neben dem Sommerbad soll in Pankow das Freizeitbad gebaut werden.Foto: Thilo Rückeis

Der Bau des Kombi-Bades in Pankow dürfte sich erheblich verzögern. Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann hatte im vergangenen Sommer angekündigt, die beiden geplanten neuen Freizeitbäder in Pankow und Mariendorf würden noch im Herbst ausgeschrieben. Passiert ist das allerdings bis heute nicht. Die Bäderbetriebe sehen die Verantwortung dafür beim Senat: Der habe die sogenannte sportbaufachliche Prüfung noch immer nicht abgeschlossen, eine weitere baufachliche Prüfung stehe noch aus, sagte der Sprecher der Bäderbetriebe, Matthias Oloew, dem Tagesspiegel. „Darauf warten wir seit einem Dreivierteljahr.“ Bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport hieß es am Donnerstag hingegen, die von den Bäderbetrieben vorgelegten Prüfunterlagen, die sogenannten Bedarfsprogramme, seien nicht vollständig und müssten überarbeitet werden.

Für den Standort in Pankow muss nun zudem noch ein Bebauungsplan erstellt werden. Das bestätigte der zuständige Bezirksstadtrat, Vollrad Kuhn (Grüne), dem Tagesspiegel. Er rechne mit einer Planungsphase von vier Jahren, sagte Kuhn dem Tagesspiegel. "Wir können das vielleicht vorziehen, aber es fehlt einfach an Personal." Für die Bauzeit selbst kalkulieren die Bäderbetriebe rund zwei Jahre.

Eigentlich sollte das Bad 2021 in Betrieb gehen

Im vergangenen Sommer hatte Scholz-Fleischmann noch prognostiziert, das Bad in Pankow könne 2020 fertiggestellt und 2021 in Betrieb gehen. Auch der frühere Sportsenator Frank Henkel (CDU) hatte diesen Zeitrahmen bei der Vorstellung des Berliner Bäderprogramms genannt. Danach sieht es nun nicht mehr aus. Der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Dennis Buchner, hofft zwar, dass die Planung später noch beschleunigt werden kann. Er mahnt aber: "Wir sollten die Chance, hervorragende Freizeitangebote für die Bürger zu schaffen, nicht durch endlosen Bürokratismus verspielen."

Der Bezirk Pankow prüft jetzt außerdem noch, ob auf dem großräumigen Gelände des Sommerbades in der Wolfshagener Straße, auf dem das Kombi-Bad entstehen soll, Platz für eine Schule abgeknapst werden kann. Laut Kuhn steht dies im Zusammenhang mit der Planung des ehemaligen Rangierbahnhofgeländes Pankower Tor. Dort will der Möbelunternehmer Kurt Krieger Möbelhäuser, ein Einkaufszentrum, aber auch zwei Schulen und Wohnungen bauen. Die Verhandlungen mit dem Senat laufen aber noch. Der Standort Wolfshagener Straße gilt offenbar als Ausweichmöglichkeit für den Fall, dass am Pankower Tor keine zwei Schulen realisiert werden können – etwa, weil die Lärmbelastung zu hoch ist. Kuhn sagte, erst, wenn die Schulstandortfrage geklärt sei, könne das B-Plan-Verfahren für das neue Schwimmbad anlaufen.

Parkplätze sind nicht geplant

Eine weiteres interessantes Detail: Nach Tagesspiegel-Informationen sollen für das neue Freizeitbad keine zusätzlichen Parkplätze geplant werden. Besucher sollen vielmehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Bad kommen. Die Bäderbetriebe rechnen mit rund 1200 Besuchern täglich.

Das Multifunktionsbad soll ein 50-Meter-Becken, zwei 25-Meter-Becken, einen Freizeitbereich und eine Saunalandschaft mit Außenbereich umfassen. Die Finanzierung ist immerhin gesichert. Für die Bäder in Pankow und Mariendorf stehen je 30 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (Siwa) zur Verfügung. Fünf Millionen Euro waren zusätzlich veranschlagt worden, um die Planung zu beschleunigen. Zudem sollten durch die Vergabe an einen alleinverantwortlichen Generalunternehmer Planungs- und Baupannen wie am BER ausgeschlossen werden. Diesmal wollte man einfach alles richtig machen - und strauchelt doch schon an den ersten Hürden.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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