Carsharing : "So einfach ist das nicht"

In Berlin stehen überall Autos von Carsharing-Anbietern. Aber reicht das Angebot auch bis in den Norden? Eine Übersicht.

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In Pankow ist Carsharing noch unterentwickelt.
In Pankow ist Carsharing noch unterentwickelt.Foto: Imago

Schon wieder. Das Auto springt nicht an, die Werkstatt hat es eben abgeholt. Das wird sicher teuer. Und die Tagesplanung ist dahin. Was nun? In der Innenstadt stehen doch überall Autos von Carsharing-Anbietern herum. Aber gibt es die auch in Pankow? Einfach registrieren und losfahren, das wäre es jetzt. Vielleicht sogar als Dauerlösung, dann wären auch die Werkstattrechnungen passé. Also recherchieren. Das Vergleichsportal www.carsharing-verlgeich.de/Berlin listet gleich mehrere Anbieter für unsere Postleitzahl auf. Das ist ermutigend. Doch nicht alle sind tatsächlich in diesem Gebiet vertreten. Multicity etwa hat nördlich vom Prenzlauer Berg gar keine Autos im Umlauf, wie man auf der Homepage des Anbieters sehen kann. Der hat grundsätzlich zwar keine festen Stationen für seine Autos, man darf sie also nach Gebrauch abstellen wo man will, allerdings nur in dem ausgewiesenen Geschäftsbereich. Und der reicht leider nicht bis nach Pankow.

Im südlichen Pankow tut sich was


Drive now und Car2Go immerhin beziehen das südliche Pankow ein. Das Geschäftsgebiet von Drive now endet an der Achse Breite Straße/Bürgerpark. Über eine App kann man die aktuellen Standorte der insgesamt 900 Fahrzeuge in Berlin (40 davon sind Elektroautos) abrufen, und es gibt sogar zwei Treffer. Ein Wagen steht in der Wilhelm-Kuhr-Straße, ein anderer weiter östlich in der Granitzstraße. Eine Garantie, dass wirklich ein Auto in Pankow verfügbar ist, gibt es aber natürlich nicht. Und was kostet der Spaß? 29 Euro Registrierungsgebühr und dann 31 Cent pro Minute Fahrzeit. Wer gleich 500 Minuten kauft, bekommt sie schon für 24 Cent pro Minute. Auch einen Pauschalpreis für 24 Stunden gibt es: 89 Euro. Damit sind zwar Benzin, Versicherung und teilweise auch die Parkgebühren abgedeckt, billig ist das aber dennoch nicht - auch wenn man dafür BMW und Mini fahren kann.

Car2Go hat ein ähnliches Geschäftsmodell, die Gebietsgrenze verläuft hier von der Granitz- über die Breite Straße, weiter über die Heinrich-Mann- und die westliche Hermann-Hesse-Straße bis an den südlichen Rand der Schönholzer Heide. Laut Car2Go Homepage sind in Berlin 1200 Smarts unterwegs, davon 16 Elektroautos. Auf der aktuellen Karte sind allerdings nur knapp 780 Fahrzeuge mit ihren Standorten markiert, viele immerhin auch im südlichen Pankow. Die Mitgliedschaft kostet bei Car2Go 19 Euro, der Fahrpreis wird wie bei Drive now nach Minuten berechnet (29 Cent), parken kostet 19 Cent pro Minute. Eine Stunde kostet pauschal 14,90 Euro, ein ganzer Tag 59 Euro. Wer mehr als 50 Kilometer fährt zahlt zusätzlich 29 Cent pro Kilometer.

Günstiger und mit fester Station


Eine Alternative im südlichen Pankow ist Stadtmobil, das ein Auto in der Nähe des Bahnhofs Pankow in der Kissingenstraße und ein weiteres in der Elsa-Brandström-Straße am Bahnhof Vinetastraße stationiert hat. Hier gibt es also feste Stationen für die Fahrzeuge. Und die Preise? 30 Euro kostet die Mitgliedschaft, zwei Euro der Monatsbeitrag. Dann wird es kompliziert: Für einen Kleinwagen muss man tagsüber 2,20 Euro pro Stunde zahlen, nach 22 Uhr nur noch 1,30 Euro. Pauschalen gibt es für 24 Stunden (27,50) und fürs Wochenende (55 Euro) und für eine ganze Woche (166 Euro). Das scheint günstiger als die BMW-Variante. Hinzu kommt aber noch eine Grundgebühr von einem Euro und Kilometergeld: 25 Cent pro Kilometer bis 100 Kilometer und 19 Cent ab 100 Kilometer. Mit einem Smart fährt man günstiger, wer drauflegt kann auch einen Kombi bekommen. Benzin und Versicherung mit Selbstbeteiligung im Schadensfall sind wie bei Drive now und Car2Go inklusive.

Weiter im Norden wird das Angebot dünn


Es gibt auch noch das Nachbarschaftsaftsauto von Autonetzer.de. Dahinter verbergen sich Privatleute, die ihr eigenes Auto vermieten. Die Plattform dient dabei als Vermittler. Im südlichen Pankow haben tatsächlich einige ihr Auto dort angemeldet. Gut, aber ich suche eigentlich Fahrzeuge weiter im Norden. Auch da werde ich fündig. Citee hat einen Kia Rio hinter dem Schlosspark in der Schlossallee stationiert. Hier fährt man günstig mit einem 250 Kilometerpaket, in dem der Kilometer dann 27 Cent kostet. Ohne Paket wären es 29 Cent. In der Woche fallen tagsüber zusätzlich Gebühren von einem Euro pro Stunde an, abends und am Wochenende kostet der Fahrspaß zwei Euro. Auch Pauschalen für eine Stunde und 24 Stunden gibt es (6,05 Euro bei maximal 15 gefahrenen Kilometern beziehungsweise 41,20 Euro bei maximal 60 gefahrenen Kilometern). Doch das Citee-Autor hat einen Haken: Der Wagen muss in der Schlossallee abgestellt werden, hat dort aber keinen festen Parkplatz. Man muss also einen suchen, das könnte zu bestimmten Tageszeiten schwierig sein.

Lichtenberg statt Niederschönhausen


Deutlich vielversprechender hört sich da an, was die Deutsche Bahn mit Flinkster anbietet. Die Bahn arbeitet mit dem Autovermieter Hertz zusammen, der in der Blankenburger Straße eine Filiale hat. Ein netter Herr bei Flinkster bestätigt, dass die Hertz-Vertretung dort mit Flinkster kooperiert und erklärt das System: Man mietet ein Hertz-Auto, rechnet aber zum Flinkster-Tarif ab. Der große Unterschied: Hertz vermietet nur tageweise, bei Flinkster gibt es Stundentarife: So kostet ein Smart mit Werbeaufschrift zehn Euro pro Stunde bei maximal 30 gefahrenen Kilometern, ein Transporter 14 Euro. Allerdings muss man sich auch bei Flinkster registrieren, was Bahn-Card-Kunden keinen Cent kostet, alle anderen zahlen 50 Euro. Das hört sich gut an. Mal sehen, was Hertz dazu sagt. Die Dame am Telefon reagiert etwas betreten. “So einfach ist das nicht”, sagt sie und hält kurz Rücksprache mit dem Chef. Tatsächlich, sagt sie dann, könne man in Niederschönhausen gar kein Flinkster-Auto bekommen. “Da müssen sie zu Hertz nach Lichtenberg.” Soll das ein Witz sein? Leider nicht.
Nach dem Gespräch mit Hertz klingelt das Telefon. Die Werkstatt, das Auto ist fertig, und die Reparatur war gar nicht nicht so teuer wie befürchtet. Vielleicht hält der Wagen ja doch noch ein bisschen durch - bis sich das Carsharing auch in Pankow endgültig durchgesetzt hat.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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