Das Café Canapé in Pankow : Jenseits des Florakiezes

Pankow wird immer hipper. Doch es gibt auch Orte, die ihren ursprünglichen Charme erhalten haben und damit alte und neue Bewohner anziehen. Das Café Canapé ist so einer.

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Maren und Lucas Ludewig mit Töchterchen im Café Canapé. Foto: Ulrike Scheffer
Maren und Lucas Ludewig mit Töchterchen im Café Canapé.Foto: Ulrike Scheffer

Für eine Institution ist das Canapé eigentlich zu jung. Erst seit 1994 gibt es das Café in der Wolfshagener Straße in Pankow, hinter dem Amalienpark und unweit des Sommerbades. Für manch einen Neubürger mag das zwar schon eine Ewigkeit sein, doch es wurde eben erst nach der Wende eröffnet, und alles, was nach dem politischen Umbruch geschah, gehört nun einmal zu den neueren Entwicklungen in Pankow. Ganz ohne DDR-Geschichte kommt aber auch die Geschichte des Café Canapé nicht aus, denn es wurde von zwei Mitgliedern des Pankower Friedenskreises gegründet. Der evangelische Friedenskreis war Teil der DDR-Opposition und hatte viele prominente Mitglieder. Auch Renate und Rainer Laurentius waren dabei, die sich nach der Wende entschlossen, ein Café zu eröffnen. Natürlich wurde das Canapé damit fast automatisch zu einem Treffpunkt für andere Mitglieder des Friedenskreis, denn der überdauerte die Wende und existiert heute noch. Unter Neu-Pankowern ist das Canapé mit seinen Rattanstühlen, dem Canapé und der beschaulichen Terrasse daher auch als Dissidentencafé bekannt.

Ein eigener Kiez

Seit zweieinhalb Jahren führt die junge Maren Ludewig das Geschäft. Ihr Mann Lucas, im Hauptberuf Vikar, unterstützt sie. Renate und Rainer Laurentius hätten sich nach 18 Jahren nach einer Veränderung gesehnt, sagt die 28-Jährige. Rainer Laurentius sei allerdings immer noch im Café präsent, "was vor allem die Stammgäste freut". Die neue Chefin gehört eher zur Generation Florakiez, auf ein hippes Umstyling des Canapé hat sie aber verzichtet. "Wir haben hier unseren eigenen Kiez, und der hat seinen eigenen Charme", sagt die gelernte Hotelfachfrau und Wirtschaftswissenschaftlerin selbstbewusst. Tatsächlich ist die Gegend rund um das Canapé von einer besonderen Atmosphäre gekennzeichnet, die vom aktuellen Pankow-Hype abgekoppelt zu sein scheint - oder die vielleicht gerade den Charme Alt-Pankows ausmacht. Gleich vis-à-vis gibt es seit 2007 einen kleinen Bio-Kiezladen, und auch die historische Wohnsiedlung am Amalienpark prägt. Noch immer wohnen hier viele Künstler und Intellektuelle, von denen viele zum Stammpublikum des Canapé gehören. Sie schätzen auch die regelmäßigen Ausstellungen, die Maren und Lucas Ludewig seit der Übernahme professionalisiert haben. Früher wurden im Canapé auch schon mal Hobbymaler aus der Nachbarschaft ausgestellt, die neuen Wirtsleute setzen auf regional bekannte Künstler.

In Canapé wird der Kaffee in schönem Keramik-Geschirr serviert. Foto: Ulrike Scheffer
In Canapé wird der Kaffee in schönem Keramik-Geschirr serviert.Foto: Ulrike Scheffer

Das gibt es nur hier: Pelmini

Die besondere Spezialität des Canapé sind Pelmini, russische Teigtaschen gefüllt mit Fleisch oder Kartoffeln und Gemüse. Auch sie haben Tradition im Canapé. Eine süße Variante mit Quark ist hinzugekommen. Eine weitere Neuerung: Donnerstags wird ab 17 Uhr auf der kleinen Café-Terrasse gegrillt. Statt wie früher bis 24 Uhr ist das Canapé wochentags allerdings nur noch bis 22 Uhr geöffnet. Am Wochenende, wenn der Billardtisch auf der Galerie zum Frühstücksbuffet umfunktioniert wird, schließt es bereits um 18 Uhr. "Wer ausgehen will, der fährt heute in den Prenzlauer Berg", erklärt Lucas Ludewig. Als Kneipenersatz sei das Canapé nicht mehr gefragt. "Es ziehen halt vor allem Familien hierher, auch deshalb gibt es für lange Öffnungszeiten keinen Bedarf mehr." Deshalb sind wohl auch die traditionellen Eckekneipen in der Wolfshagener Straße verschwunden. Dort sind heute Kinderläden untergebracht. Ein bisschen hat sich der Kiez eben doch verändert.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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