Einschulung in Pankow : Grundschulen am Ende der Möglichkeiten

Morgen werden die Erstklässler eingeschult. Im boomenden Pankow haben die Schulen nun endgültig die Kapazitätsgrenze erreicht, sagt Stadträtin Zürn-Kasztantowicz (SPD). Dass es auch immer mehr Migranten in den Bezirk zieht, macht sich nun ebenfalls bemerkbar.

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Neuer Rekord bei den Erstklässlern in Pankow - wieder einmal.
Neuer Rekord bei den Erstklässlern in Pankow - wieder einmal.Foto: dpa

In Pankow werden am Samstag so viele Kinder wie nie zuvor eingeschult. Der Bezirk, der auch die höchsten Zuzugsraten in Berlin hat, stellt damit wieder einmal einen Rekord auf. 3436 Kinder sind es genau, wie die zuständige Stadträtin, Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), dem Tagesspiegel sagte. Vor zehn Jahren lag die Zahl der Erstklässler im Bezirk noch unter 3000. An den Schulen herrscht seit langem drangvolle Enge. In diesem Jahr mussten 13 Schulen zusätzliche Klassen einrichten, obwohl sie dafür gar nicht ausgelegt sind. "Damit kann man nicht zufrieden sein", sagte Zürn-Kasztantowicz. Sie sei aber froh, dass letztlich alle Schüler unterbracht werden konnten.

Die Kapazitäten an den vorhandenen Schulen sind aus Sicht Zürn-Kasztantowiczs nun endgültig erschöpft. "Das Thema Neubauten muss vorangetrieben werden." Sie sei aber "zuversichtlich wie lange nicht", dass dies nun endlich auch geschehe, so die Stadträtin, die nach der Wahl am 18. September aus der Politik ausscheidet. In Berlin ist inzwischen eine Task Force gebildet worden, die den Schulbau beschleunigen soll. Ihr gehören Vertreter verschiedener Senatsverwaltungen, der Bezirke und von Schulen an.

Mehr Migranten und mehr Zurückstellungen

Auch die Zahl der Erstklässler mit Migrationshintergrund hat sich in Pankow deutlich erhöht. Das geht aus den Einschulungsuntersuchungen des Bezirksamts hervor. 2005 hatten etwas mehr als drei Prozent aller angehenden Erstklässler in Pankow ausländische Wurzeln, jetzt sind es gut 20 Prozent. Das liegt allerdings nicht an der großen Zahl der Flüchtlinge. Die meisten Zuwanderer in Pankow stammen aus westlichen Industriestaaten und Osteuropa. Nur noch in diesem Jahr wird ein gesamter Geburtsjahrgang eingeschult. Viele Kinder sind beim Schulstart also jünger als sechs Jahre. Allerdings galt das längst nur noch theoretisch. Zuletzt hatten Eltern von 886 untersuchten Kindern eine Zurückstellung beantragt, wie es offiziell heißt. Ihre Kinder bleiben nun ein Jahr länger im Kindergarten.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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