Flüchtlinge in Pankow : Sporthallen werden länger gebraucht

Neun neue Flüchtlingsunterkünfte sind in Pankow geplant. Container und Fertigbauten sollen entstehen. Doch der Bau verzögert sich. Deshalb werden auch die Notunterkünfte nicht wie geplant bis zum Sommer frei.

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Pankow bekommt neue Unterkünfte für Flüchtlinge.
Pankow bekommt neue Unterkünfte für Flüchtlinge.Foto: Ulrike Scheffer

Pankow bekommt neue Flüchtlingsunterkünfte. Wo diese genau entstehen und wie groß sie werden, steht allerdings noch immer nicht endgültig fest. Zwar hatte der Senat Ende Februar eine Liste mit den geplanten neuen Standorten vorgelegt, Pankows Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) hat nun aber öffentlich gemacht, dass einige davon möglicherweise gar nicht realisierbar sind. "Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) bedauert, dass der Senat auch Flächen für zukünftige Flüchtlingsunterkünfte veröffentlicht und mit dem Bezirksamt Pankow abgestimmt hatte, deren tatsächliche Realisierbarkeit nicht im Vorfeld durch die zuständigen Landesbehörden abschließend geprüft wurde", heißt es in einer Mitteilung des Bezirksamts. Dadurch verzögere sich auch die Räumung der als Notunterkünfte genutzten Sporthallen. Als möglicher neuer Standort ist zudem eine Friedhofsfläche in Niederschönhausen (Dietzgenstraße 122-162) im Gespräch. Diese sei "nicht pietätsbefangenen" und werde von der Evangelischen Kirche als potenzielle Wohnungsbaufläche betrachtet.

Insgesamt will der Senat im Bezirk Pankow neun weitere Unterkünfte für Flüchtlinge eröffnen. Teilweise sind dies Container, die zeitlich befristet aufgestellt werden, oder Fertigbauten, sogenannte Modularbauten. 16 Unterkünfte gibt es bereits, acht davon sind Notunterkünfte. Die sollen so bald wie möglich aufgelöst werden, doch angesichts der offenbar noch erforderlichen Prüfungen drohen weitere Verzögerungen. Abweichend von bisherigen Aussagen des Senats würden die Container nach aktuellen Informationen nicht alle im Mai und Juni aufgestellt, heißt es vom Bezirksamt. Es könne vielmehr bis Mitte Oktober dauern. Entsprechend werden auch die als Notunterkünfte genutzten Sporthallen länger besetzt bleiben.

Standort Greifswalder Straße ist vom Tisch

Klar ist laut Bezirksamt, dass zwei Modularunterkünfte in Buch (Lindenberger Weg und Wolfgang-Heinz-Straße) entstehen sowie eine in Blankenburg (Blankenburger Pflasterweg). Zeitlich befristete Containerunterkünfte sollen auf der Elisabethaue in Blankenfelde und auf der Freifläche des ehemaligen Straßenbahnhofes in Niederschönhausen (Dietzgenstraße) errichtet werden. In Rosenthal (Kirchstraße/Rosenweg) sollen hingegen anders als bisher geplant keine Container aufgestellt werden. Vielmehr werde nun der Bau einer Modularunterkunft geprüft, so das Bezirksamt. In Karow (Sieverstorpstraße) ist es andersherum. Statt Modulargebäuden sollen hier möglicherweise für drei Jahre Container-Unterkünfte aufgestellt werden. Dies werde aber noch geprüft.

Nicht realisiert wird laut Köhne der vorgesehene Standort in Greifswalder Straße 80 D in Prenzlauer Berg. Das Gelände habe sich als zu klein herausgestellt. Zwei weitere geplante Unterkünfte in Prenzlauer Berg (Walter-Friedländer-Straße und Danziger Straße/Kniprodestraße) sind offenbar ebenfalls problematisch und werden womöglich kleiner ausfallen als bisher geplant.

Noch nicht abschließend geprüft ist nach Auskunft des Bezirksamts die Friedhofsfläche Gustav-Adolf-Str. 67,74 in Weißensee. Bei einem Gelände in der Straße 69 in Karow müssten zudem zunächst noch naturschutzrechtliche und eigentumsrechtliche Fragen geklärt werden.

Wie viele Flüchtlinge nach Pankow kommen werden, ist nach Angaben des Bezirksamts noch unklar. Derzeit leben etwa 3600 Flüchtlinge im Bezirk. Für die meisten Unterkünfte im Bezirk haben sich Unterstützerkreise gebildet. Wer helfen will, findet auf der gemeinsamen Seite "Pankow Hilft!" unter anderem Bedarfslisten für einzelne Unterkünfte.


Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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