Grundschulplätze in Berlin : Pankow kann mit Mühe alle Kinder einschulen

1200 mehr Anmeldungen als Plätze gab es an Pankower Grundschulen - deutlich mehr als in anderen Bezirken. Mehr dazu, die Liste der zehn Schulen mit der größten Nachfrage und Links zu den Anmeldezahlen der Berliner Grundschulen finden Sie hier.

von
Alle da? Berlin muss sich auf steigende Schülerzahlen einstellen. In vielen Klassen wird es eng.
Alle da? Berlin muss sich auf steigende Schülerzahlen einstellen. In vielen Klassen wird es eng.Foto: dpa

Es könnte ja alles noch schlimmer sein. „45 Kinder waren wir in der Klasse, es gab verkürzten Unterricht und Schichtbetrieb. Die einen gingen vormittags in die Schule, die anderen nachmittags.“ Der Pankower Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne) erinnert sich an seine Schulzeit in Ost-Berlin Anfang der 70er Jahre. „In den Schulhöfen wurden Holzbaracken aufgestellt, um die vielen Kinder unterzubringen.“

Holzbaracken gibt es nicht mehr, dafür aber MURs und MEBs: mobile Unterrichtsräume und modulare Ergänzungsbauten. Und ohne die wäre es auch jetzt wieder unmöglich, allen Grundschulkindern im Bezirk einen Schulplatz zu verschaffen. Pankow ist Berlins kinderreichster Bezirk, mit rund 25 800 Bewohnern unter sechs Jahren – gefolgt von Mitte mit 21 300 und Neukölln mit 19 000. „Dieses Jahr war das Bezirksamt nervös, ob wir überall die Versorgung der Erstklässler gewährleisten können“, sagt Kirchner. Es habe schließlich geklappt.

So sieht ein sogenannter modularer Ergänzungsbau an der Brodowin-Grundschule in Alt-Hohenschönhausen aus.
So sieht ein sogenannter modularer Ergänzungsbau an der Brodowin-Grundschule in Alt-Hohenschönhausen aus.Foto: Senatsverwaltung

Wie eng es aber war, geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Politikers Joschka Langenbrinck hervor. Bei 3670 Plätzen gab es in Pankow 4864 Anmeldungen – also fast 1200 zu viele. Das werde zwar dadurch relativiert, dass manche ihre Kinder an mehreren Schulen anmelden, Privatschulen wählen oder ihr Kind zurückstellen lassen, ist aber mehr als in den anderen Bezirken. „Es gibt in Pankow den Trend zum sehr engagierten Elternteil“, formuliert es Kirchner. Das finde er zwar gut, aber es sei manchmal schwer, diesen Eltern zu erklären, dass es angesichts der Notlage in den Schulen eng werde.

Die Grundschulen mit der höchsten Nachfrage.
Die Grundschulen mit der höchsten Nachfrage.Grafik: Tsp/Pieper-Meyer

Mehr Anmeldungen als Plätze gab es auch in Friedrichshain-Kreuzberg (-675), Tempelhof-Schöneberg (-343) und Steglitz-Zehlendorf (-86). Mitte, Lichtenberg und Charlottenburg-Wilmersdorf haben keine Daten geliefert. „Was Pankow durchmacht, steht Berlin bevor“, sagt Kirchner. „Wir müssen dringend neue Schulen bauen. Dazu bedarf es einer bezirksübergreifenden Anstrengung. So, wie es jetzt läuft, dauert es viel zu lange.“ Zehn Jahre, 30 Millionen Euro und 1,5 Hektar Baufläche brauche man für eine neue Schule. „In der Stadtplanung wurde und wird vor allem auf Wohnungsbau und zu wenig auf die Infrastruktur geachtet.“

In der Antwort auf die Kleine Anfrage von Langenbrinck finden sich die Anmeldezahlen der einzelnen Grundschulen. Man kann also sehen, welche Schulen übernachgefragt sind und welche eher gemieden werden. Zu der Kleinen Anfrage und der Antwort geht es hier. Allerdings ist zu beachten, dass die Bezirke Mitte, Lichtenberg und Charlottenburg-Wilmersdorf in dieser Liste fehlen. Zudem wurden bei Neukölln die Daten aus Steglitz-Zehlendorf angegeben. Die richtigen Anmeldezahlen der Neuköllner Grundschulen finden Sie hier.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

6 Kommentare

Neuester Kommentar