Jugendförderung : Pimp dein Pankow

Zweimal im Jahr können Jugendliche bis zu 1000 Euro Fördergelder für ein eigenes Projekt bekommen. Die Bewerber sind dabei gleichzeitig auch die Jury.

Ulrike Scheffer
In der "Garage" entschieden Jugendliche selbst über die Förderung von Projekten.
In der "Garage" entschieden Jugendliche selbst über die Förderung von Projekten.Foto: Ulrike Scheffer

Der Ort ist schon mal sehr cool. "Garage" heißt der Jugendklub in der Hadlichstraße hinter dem ehemaligen jüdischen Waisenhaus. Und genau das ist er auch: ein alter Garagenkomplex mit Hinterhofatmosphäre. Einige der Jugendlichen, die sich hier Ende April zur Jugendjury einfinden, sind sicher nicht zum ersten Mal da. Mit ihren schwarzen Kapuzenpullis und den roten Strähnen im Haar unterscheiden sie sich jedenfalls nicht von der Stammklientel des Klubs. Aber auch ein paar Mädchen in Blusen sind gekommen und Jungen mit ernsten Minen und Computer unter dem Arm. Insgesamt sind es 21. Sie alle haben sich bei dem Programm "Gemeinsam Pankow verändern - Jugendjury Pankow" um Geld für ein eigenes Jugendprojekt beworben. Beteiligt sind das Land, der Senat und das Pankower Jugendamt.

Die Jugendlichen informieren sich über ihre Mitbewerber. Rechts: Jeanette Münch vom Pankower Jugendamt.
Die Jugendlichen informieren sich über ihre Mitbewerber. Rechts: Jeanette Münch vom Pankower Jugendamt.Foto: Ulrike Scheffer

Mit dem Slogan "Pimp dein Pankow" wurde vor allem in Schulen und Jugendzentren für das Programm geworben. Mindestens drei Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren können 300 bis 1000 Euro beantragen, um ihre Idee zu finanzieren. Insgesamt 9500 Euro stehen pro Jahr zur Verfügung. Sie werden in zwei Bewerbungsrunden vergeben. Zwölf Gruppen haben diesmal die Kriterien erfüllt und wurden in die "Garage" eingeladen. Hier sind die Bewerber gleichzeitig auch die Jury. Jede Gruppe muss sich mit ihrem Projekt vorstellen, anschließend diskutieren die Jugendlichen untereinander über die Ideen, machen Verbesserungsvorschläge. Und entscheiden dann gemeinsam, welches Projekt wie viel Geld bekommt.

Ein Workshop mit jugendlichen Flüchtlingen

Amelie (21) hat sogar ein Video mitgebracht, um ihr Projekt vorzustellen. Die Studentin engagiert sich ehrenamtlich im Unabhängigen Jugendzentrum (Jup) in der Florastraße. Im vergangenen Jahr hat das Jup einen Ferienworkshop für junge Deutsche und Flüchtlinge organisiert, in diesem Jahr soll es eine Fortsetzung geben. "Lookism" laute diesmal das Oberthema des Workshops, Diskriminierung aufgrund des Aussehens, erklärt die junge Frau. Aber natürlich gehe es auch ums Kennenlernen, um einen Erfahrungsaustausch zwischen Flüchtlingen und Berlinern. Amelie zeigt ihren Mitbewerbern ein Video der Veranstaltung aus dem letzten Jahr - sie sind beeindruckt.

Projektwerbung mit einem Rap

Doch es geht auch weniger professionell. Smilla, Lucy und Lilith, 13 und 14 Jahre alt, wollen einen Raum mieten, um am Wochenende mit Kindern aus ihrem Kiez zu spielen oder zu basteln. Auch Blumen wollen sie mit ihnen pflanzen, um ihre Straße zu verschönern. Statt moderne Technik aufzufahren, präsentieren sie ihre Idee als Rap, ohne Musik, aber mit fröhlichem Gekicher. Die anderen Jugendlichen klatschen den Rhythmus für sie.

Viele Ideen und Anregungen

Viele weitere Vorstellungen folgen. Manche Jugendliche habe eine Power-Point-Präsentation vorbereitet, andere zeichnen ihr Projekt kurzerhand auf ein Flipchart. Die Ideen sind vielfältig: Ein Bolzplatz soll eine Fluchtlichtanlage bekommen, ein Poetry Slam an einer Schule organisiert werden. Ein Jugendzentrum möchte seinen Garten verschönern, vier Mädchen wollen einen Jahreskalender mit feministischen Texten drucken.

Jeder bekommt Geld

Am Ende gehen alle mit Geld nach Hause, wenn auch nicht jeder mit der beantragten Summe. Amelie allerdings bekommt für ihren Workshop den vollen, von ihr kalkulierten Betrag von 1000 Euro. Auch Smilla, Lucy und Lilith müssen keine Abstriche machen und erhalten 466 Euro. Die anderen Jugendlichen haben ihnen aber geraten, ihren Kinderklub zusammen mit einer schon bestehenden Jugendeinrichtung zu organisieren, um Haftungs- und Versicherungsprobleme zu vermeiden. "Die Jugendlichen haben lange über ihre Projekte diskutiert", sagt Jeanette Münch, die beim Jugendamt Pankow für das Förderprogramm zuständig ist. "Es ist eine große Lust entstanden, auch gemeinsam etwas zu machen." Aus ihrer Sicht war die Jugendjury damit ein voller Erfolg.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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