Neuer Stadtrat für Pankow : Vollrad Kuhn soll Jens-Holger Kirchner ersetzen

Die Grünen in Pankow haben einen Nachfolger für Jens-Holger Kirchner gewählt, der in den Senat wechselt. Vollrad Kuhn nennt sich selbst ein "grünes Urgestein mit Ostbiografie". Er soll Stadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste werden.

Vollrad Kuhn (Grüne) soll Baustadtrat in Pankow werden.
Vollrad Kuhn (Grüne) soll Baustadtrat in Pankow werden.Foto: Ulrike Scheffer

Vollrad Kuhn soll neuer Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste in Pankow werden. Die Pankower Grünen wählten den früheren Umweltreferenten der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus am späten Dienstagabend aus einer Gruppe von sechs Bewerbern aus, die sich in einer Mitgliederversammlung vorgestellt hatten. Er wird Nachfolger des langjährigen Entwicklungsstadtrats Jens-Holger Kirchner, der als Verkehrsstaatssekretär in den Senat wechselte. Kirchners Partei hatte den Posten danach öffentlich ausgeschrieben und insgesamt 15 Bewerbungen erhalten. Zu den Interessenten gehörten auch Stadtplaner aus Hamburg und München. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, Daniela Billig, hatte sich ebenfalls beworben. Sie unterlag aber im zweiten von drei Wahlgängen. Almuth Tharan, Sprecherin für Stadtentwicklung in der BVV, musste sich schließlich als letzte Mitbewerberin gegen Kuhn geschlagen geben.

Kuhn wird auch stellvertretender Bürgermeister von Berlins größtem Bezirks. Die BVV-Fraktion muss ihn allerdings noch formal bestätigen. Am kommenden Mittwoch soll er dann in der BVV zur Wahl gestellt werden. Eine Zustimmung gilt als sicher, da die Grünen gemeinsam mit der SPD und der Linkspartei eine Zählgemeinschaft bilden. Außerdem bringt Kuhn fachliche Erfahrungen im Bereich Stadtentwicklung und Verwaltungserfahrung mit.

AfD-Kandidat Nicolas Seifert kann weiterhin nicht als Stadtrat in das Bezirksamt Pankow einziehen.
AfD-Kandidat Nicolas Seifert kann weiterhin nicht als Stadtrat in das Bezirksamt Pankow einziehen.Foto: Thilo Rückeis

Der 60-Jährige stellte sich seinen Parteifreunden als eine Art Kirchner 2.0, als "grünes Urgestein mit Ostbiografie", vor. Im Gegensatz zu Kirchner, der für seine raubauzige Art bekannt ist, tritt Kuhn allerdings deutlich zurückhaltender auf. Wie Kirchner stammt er aus der grünen Umwelt- und Friedensbewegung der DDR.

In den 1990er Jahren war er bereits Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister in Mitte. Auch in Treptow war der gebürtige Brandenburger Stadtrat, später Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus und Berater bei verschiedenen Stadtplanungs- und Nachhaltigkeitsprojekten im In- und Ausland. "Viele Projekte, die ich in London, Rotterdam und Paris begleitet habe, könnten auch für Pankow passen", sagte Kuhn. Aber auch im Berliner Baurecht und bei den anstehenden Stadtplanungsvorhaben in Pankow zeigte er sich bei seiner Vorstellung am Dienstagabend sattelfest.

Konkret sprach er sich unter anderem dafür aus, stärker auf Holz als Baustoff zu setzen und einen sogenannten Biotopflächenfaktor für Bauprojekte festzulegen, durch den die Artenvielfalt im städtischen Bereich gesichert werden soll. Auch Tempo-30-Zonen und Durchfahrtverbote kann er sich vorstellen.

Zuletzt war Kuhn Referent für Umwelt, Klima- und Energiepolitik der Grünen im Abgeordnetenhaus. Damit dürfte er über gute Kontakte zum neuen Senat verfügen und auch die Tücken des Zusammenspiels zwischen Senat und Bezirken kennen.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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