Neues Freizeitbad für Pankow : Viel Bauhaus und ein bisschen Rom

Im Herbst wollen die Bäderbetriebe die neuen Bäder in Pankow und Mariendorf ausschreiben. Gesucht werden Generalunternehmer, die die Gesamtverantwortung für Planung und Bau übernehmen. In einer Freiluftausstellung zeigen Studenten aus Braunschweig vorab, wie sie sich das Bad in Pankow vorstellen.

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Eine Studentin erläutert Frank Henkel (l.) und Andreas Scholz-Fleischmann ihren Entwurf für das neue Bad in Pankow.
Eine Studentin erläutert Frank Henkel (l.) und Andreas Scholz-Fleischmann ihren Entwurf für das neue Bad in Pankow.Foto: Ulrike Scheffer

Wenn es nach Lara Wischnewski geht, tauchen Schwimmer in Pankow künftig unter die Erde ab. Die Studentin am Institut für Industriebau und konstruktives Entwerfen der TU Braunschweig hat ihren Entwurf für das künftige Multifunktionsbad weitgehend unterirdisch angelegt. Das sieht zwar interessant aus, dürfte in der Realität aber allein schon an den Kosten scheitern. Die Realisierbarkeit stand allerdings nicht im Vordergrund des Studentenprojekts. Projektleiter Frank Seehausen von der TU Braunschweig suchte vielmehr nach einem möglichst konkreten Beispiel für ein Bauvorhaben, das seine Studenten für ihre Semesterarbeiten inspirieren sollte. Die Wahl fiel schließlich auf Pankow, wo die Entwürfe der Studenten für ein kombiniertes Hallen- und Freibad nun zu sehen sind. Teil der offiziellen Planung der Berliner Bäderbetriebe sind sie aber nicht.

Einer der Entwürfe verlegt den Badebetrieb weitgehend unter die Erde.
Einer der Entwürfe verlegt den Badebetrieb weitgehend unter die Erde.Foto: Ulrike Scheffer

Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann eröffnete die Freiluftausstellung mit den Studenten-Entwürfen am Montag gemeinsam mit Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU). Dabei verkündete Scholz-Fleischmann, dass die Ausschreibung für das neue Pankower Bad und parallel auch die für ein zweites in Mariendorf im Spätherbst erfolgen sollen. Henkel sagte, der nördliche Berliner Bezirk wachse wie kein anderer. „Deshalb macht es Sinn, gerade hier eines der beiden neuen Bäder zu errichten.“

Für die beiden Bäder stehen je 30 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (Siwa) zur Verfügung. „Die Beschlüsse sind gefasst, das Geld ist da und auch über die Form der Ausschreibung ist eine Entscheidung gefallen. Nun ist es an den Bäderbetrieben, das Vorhaben umzusetzen“, sagte Klaus Feiler, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Finanzen dem Tagesspiegel am Rande der Veranstaltung. Feiler, der auch im Aufsichtsrat der Bäderbetriebe sitzt, geht davon aus, dass in Pankow schon in drei Jahren auch im Winter geschwommen werden kann. Bäderchef Scholz-Fleischmann sprach hingegen von zweieinhalb Jahren Planung und zwei Jahren Bauzeit für das neue Freizeitbad. „Beides ist aber mit Risiken verbunden“, ergänzte er.

Um Planungs- und Baupannen wie am BER möglichst auszuschließen, sollen Generalunternehmer mit dem Bau der Bäder in Pankow und Mariendorf beauftragt werden. Sie tragen dann die komplette Verantwortung für eine fristgerechte und einwandfreie Fertigstellung. Ein Verkauf von Freiflächen für Wohnungsbauprojekte, über den die Bäderbetriebe derzeit mit dem Senat verhandeln, schlossen die Anwesenden für Pankow aus.

Mehr Rom als Berlin steckt wohl in diesem Entwurf.
Mehr Rom als Berlin steckt wohl in diesem Entwurf.Foto: Ulrike Scheffer

Die Entwürfe der Studenten sind bis zum Ende der Sommersaison am 4. September im Sommerbad Pankow zu sehen. Einer der Studenten stellt sich Pavillons mit beweglichen Dächern und Fassaden aus Rundbögen vor, die eher ans alte Rom als ans zeitgenössische Berlin erinnern. Doch auch strenge Bauhaus-Kuben sind vertreten. Bis zum 22. September können Bürger außerdem eigene Ideen und Wünsche zur Gestaltung des Bades bei den Bäderbetrieben einreichen.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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