Neues Projekt : "Das Ballhaus soll ein kultureller Treffpunkt werden"

In der Grabbeallee schlummert in zweiter Reihe eine architektonische Perle: Das Pankower Ballhaus. Nun hat sich ein Veranstalter gefunden, der es wiederbeleben will.

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Das Ballhaus war einst eines von vielen Ausflugslokalen in Pankow.
Das Ballhaus war einst eines von vielen Ausflugslokalen in Pankow.Foto: Ulrike Scheffer

Das Ballhaus Pankow soll zu neuem Leben erweckt werden. Das Fachwerkschlösschen mit seinem imposanten Ballsaal, das an der Grabbeallee in zweiter Reihe hinter Wohngebäuden aus den 1990er Jahren liegt, war einst eines von vielen Ausflugslokalen in Pankow. Vor 100 Jahren lockten die massenhaft Berliner aus dem Zentrum an. Nach dem Krieg wurde das weitgehend unbeschädigte Ballhaus als Produktionsstätte genutzt- zum Beispiel um aus Stahlhelmen Kochtöpfe herzustellen. Nach der Wende kaufte es dann ein russischer Investor, der den Ballsaal aufwändig renovierte, das Gebäude aber mit neuen Wohnhäusern umbaute, was eine Nutzung als Festhalle nicht einfach macht.

Der Ballsaal ist für 600 Gäste ausgelegt. Er wurde nach der Wende aufwändig restauriert.
Der Ballsaal ist für 600 Gäste ausgelegt. Er wurde nach der Wende aufwändig restauriert.Foto: Ulrike Scheffer

Ronald Kucharski will aber genau das nun versuchen. Er hat einen Nutzungsvertrag mit dem Besitzer geschlossen. Der Finanzberater und frühere Gastronom wollte eigentlich eine Großveranstaltung auf dem Gelände des Schützenvereins auf die Beine stellen. Doch dafür bekam er keine Genehmigung. Sein Antrag führte letztlich sogar dazu, dass auch das seit Jahren in der Hermann-Hesse-Straße etablierte Mittelalterspektakel dort nicht mehr stattfinden darf. Im Streit um Kucharskis Pläne entschied das Bezirksamt, auf dem Gelände nur noch Sportveranstaltungen ohne kommerziellen Hintergrund zuzulassen.

Veranstalter Ronald Kucharski hat große Pläne mit dem Ballhaus.
Veranstalter Ronald Kucharski hat große Pläne mit dem Ballhaus.Foto: Ulrike Scheffer

„Jetzt machen wir eben alles eine Nummer kleiner“, sagt Kucharski. In einem improvisierten Büro im Ballhaus bereitet er seine ersten Veranstaltungen vor: eine Adventsgala mit Ostrock am 6. Dezember und ein Brunchbuffet mit Gospel-Musik am darauf folgenden Morgen. 2015 soll es auch klassische Konzerte, Jazz und Lesungen im Ballhaus geben. „Auch jungen Künstlern will ich eine Plattform bieten“, erklärt Kucharski. Die Zielgruppe umschreibt er kurz mit „40 plus“.

Direkt neben dem Ballhaus wurden in den 1990er Jahren Wohnhäuser gebaut.
Direkt neben dem Ballhaus wurden in den 1990er Jahren Wohnhäuser gebaut.Foto: Ulrike Scheffer

Der 57-Jährige ist voller Tatendrang. Das nicht ganz einfache Umfeld des Ballhauses ändert daran nichts. Direkt vor dem Fenster seines Büros steht ein Mietshaus, die Balkone und Schlafzimmer der Wohnungen sind nur wenige Meter entfernt. Kucharski sieht darin kein Problem. „Wer hierher zieht, weiß worauf er sich einlässt“, sagt er. Das Ballhaus sei außerdem gut isoliert. Er will auf die Mieter zugehen, ihnen sein Programm demnächst bei Bratwurst und Glühwein vorstellen - und ist zuversichtlich, dass er mögliche Vorbehalte dann ausräumen kann. „Viele hier kennen mich von früher, ich bin sicher, dass wir das hinbekommen.“

Kucharski nennt sich selbst einen Ur-Pankower. Im Ballhaus will er auch an seine Familientradition anknüpfen, denn vor mehr als 40 Jahren eröffneten die Kucharskis das erste private Varieté in Pankow, die Pank-Perle in der Damerowstraße. „Wir waren hier eine feste Hausnummer“, sagt Kucharski junior. Auch Künstler aus dem Friedrichstadtpalast seien in der Pank-Perle aufgetreten. Er selbst kehrte der DDR 1986 den Rücken, kam nach der Wende aber zurück – nach Pankow.

Das Foyer mit seinem nostalgischen Rattanmobiliar.
Das Foyer mit seinem nostalgischen Rattanmobiliar.Foto: Ulrike Scheffer

Mit Tablet-Computer, Handy und einem großen Becher Kaffee in der Hand organisiert Kucharski derzeit Equipment für die Adventsgala. Zwischendurch kommt seine Lebensgefährtin mit einer Curry-Wurst vorbei, zu mehr reicht die Zeit nicht, denn es gibt noch viel zu tun. Das Ballhaus verfügt zwar über einen schönen Saal und auch über reichlich nostalgisches Rattanmobiliar, doch in der großen Küche hängen nur nackte Fliesen an der Wand. Sie soll nun zunächst so ausgestattet werden, dass ein Caterer seine Speisen dort anrichten kann. Kucharski investiert außerdem in Garderoben und andere Einrichtungsgegenstände. Dafür darf er das Ballhaus zunächst für zwölf Veranstaltungen mietfrei nutzen. Dabei soll es aber nicht bleiben: Kucharski: „Ich will das Ballhaus wieder zu einem großen kulturellen Treffpunkt im Nordosten Berlins machen.“

Karten für die Abendveranstaltung am 6. Dezember mit den „Ossis“ und „Willi Freibier“ gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center, in den Schönhauser-Allee-Arcaden, in der Kneipe „Abseits“ und an der Abendkasse. Sie kosten 25 Euro und beinhalten auch die Teilnahme am Brunchbuffet am 7. Dezember ab 10 Uhr.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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