Pankow nach den Ferien : Spätsommerliche Lust am Schloss

Der Sommer geht zu Ende, viele kommen erst jetzt aus den Ferien zurück - und sie fragen sich, was sich in Pankow in der Zwischenzeit verändert hat. Ein Überblick.

von
Endlich da: das angekündigte Café am Schloss.
Endlich da: das angekündigte Café am Schloss.Foto: Ulrike Scheffer

Ein lange angekündigtes und immer wieder verschobenes Projekt ist nun doch noch realisiert worden. Seit Mitte August betreibt Ann-Cathrin Rosenthal vor dem Schloss Schönhausen ein mobiles Café. "Es wird sehr gut angenommen, die Leute sind geradezu dankbar für das neue Angebot", sagt sie nach gut zwei Wochen Betrieb. Außer Kaffee-, Tee- und Schokoladenspezialitäten bietet die Freiluftwirtin vor allem Kuchen und deftige Pies an. Aber auch Würstchen und Brezel gibt es. Dazu ein ausgesuchtes Weinangebot. Und wer bei einem mobilen Café einen schnöden Imbisswagen vor Augen hat, der wird beim Anblick des Café "Sommer-Lust" angenehm überrascht sein. Wagen und Mobiliar sind hochwertig, alles ist liebevoll arrangiert. Gläserne Glocken schützen Kuchen und Cookies, der Kaffee wird in Porzellan ausgeschenkt. Nur eine eigene Toilette kann Ann-Cathrin Rosenthal ihren Gästen nicht bieten. Dafür müssen sie bis zum Schloss vorlaufen. Ein kleines Hinweisschild mahnt, entsprechend Zeit einzuplanen. Die Gastgeberin hat offenbar an alles gedacht. Bis Ende Oktober will sie auf dem Weg vor dem Schloss präsent sein. Derzeit öffnet sie von 11 Uhr bis 17 Uhr, ab September sogar schon um 9 Uhr.

Nicht ohne eine Baustelle

Wer die Ferien in Berlin verbracht hat, für den ist es schon wieder eine Selbstverständlichkeit geworden. Doch alle, die gerade erst zurückgekehrt sind, werden sich freuen, dass die Umbauarbeiten auf der Straßenbahnlinie M1 pünktlich beendet wurden. Schon seit Anfang August fährt die M1 wieder planmäßig. Der Autoverkehr auf der Grabbeallee und der Dietzgenstraße fließt wieder. Doch für viele M1-Nutzer ist die Welt damit offenbar nicht wieder in Ordnung. Anfang August wurden in der Straßenbahn Flugblätter verteilt, auf denen gegen den 20-Minuten-Takt der Bahn in Richtung Rosenthal protestiert wird. Die Verfasser wünschen sich mehr Züge, möglichst einen 10-Minuten-Takt. Wer hinter dem Protest steckt, bleibt unklar, denn die Autoren nennen ihre Namen nicht und geben auch keine Kontaktdaten an. Sie listen allerdings eine Reihe von Adressen auf und fordern die Leser des Flugblatts auf, sich dort für eine bessere Verkehrsanbindung Rosenthals einzusetzen.

Autos müssen draußen bleiben. Die Florastraße ist derzeit teilweise nur in eine Richtung befahrbar.
Autos müssen draußen bleiben. Die Florastraße ist derzeit teilweise nur in eine Richtung befahrbar.Foto: Ulrike Scheffer

Pankow wäre aber nicht Pankow, wenn nicht längst eine neue Verkehrsfalle eingerichtet worden wäre. Voraussichtlich bis Ende September kann die Florastraße zwischen Mühlen- und Wollankstraße nur in eine Richtung - Richtung Wollankstraße - befahren werden. Hier werden die Schmutz- und Regenwasserleitungen erneuert. Die Busslinien M27 und 250 werden in der Gegenrichtung umgeleitet. Laut Aushang an den stillgelegten Haltestellen sollte dies zwar nur bis Mitte August gelten, doch die Umleitung ist weiter aktuell. Die gute Nachricht: Das Florastraßenfest am 29. August konnte wie geplant stattfinden.

Dauerthema Sommerbad

Lange wurde über die Öffnungszeiten des Pankower Sommerbades diskutiert, doch mit Beginn der Ferien fiel die endgültige Entscheidung. Das Bad wird in dieser Saison nicht vor 10 Uhr öffnen. Bis zum Ende der Ferien darf abends allerdings bis 20 Uhr gebadet werden. Die Öffnungszeiten des Sommerbades waren in diesem Frühjahr verkürzt worden. Statt wie früher von 8 Uhr bis 20 Uhr wurde eine sogenannte Kernöffnungszeit von 10 Uhr bis 18 Uhr eingeführt, die bei gutem Wetter ausgedehnt werden sollte. Abends geschah dies auch, zunächst sporadisch, dann für die gesamten Sommerferien. Doch Frühschwimmer hofften vergebens auf Veränderungen auch am Morgen. Angesichts vieler Beschwerden prüften die Berliner Bäderbetriebe zwar eine komplette Rückkehr zu den alten Öffnungszeiten, letztlich entschieden sie sich aber dagegen. Aus Kostengründen, wie es hieß. Im kommenden Jahr soll das neue Kernzeiten-Konzept noch einmal überdacht werden. Eine kleine Hoffnung also bleibt den Frühschwimmern - zu denen gehört übrigens auch die kommissarische Bäderchefin Annette Siering, wie sie im Interview mit dem Tagesspiegel bekannte.

U-Bahn-Träume

Berichtet wurde in den vergangenen Wochen auch über mögliche neue U-Bahn-Verbindungen nach Pankow. "BVG plant zweite U-Bahn nach Pankow", titelte die "Berliner Zeitung" Anfang August. Der Boombezirk solle über eine Verlängerung der U9 von der Osloer Straße besser angebunden werden, hieß es da. Tatsächlich existieren es solche Pläne schon sehr lange, genauer gesagt, es gibt eine Art Wunschliste der BVG, auf der mögliche und wünschenswerte Verkehrsprojekte verzeichnet sind. Konkrete Planungen für die Strecke finden aber nicht statt, und Geld ist dafür schon gar nicht vorgesehen. Immerhin müsste hier ein dreistelliger Millionenbetrag in die Hand genommen werden. Auch bautechnisch wäre das Projekt im dichtbesiedelten Pankow nicht ohne Herausforderungen. Tagesspiegel-Kollege und Verkehrsexperte Klaus Kurpjuweit ging der Sache nach und musste feststellen, "aktuell denken weder der Senat noch die BVG daran, etwas davon zu verwirklichen". Das Ganze muss also wohl unter der Rubrik Sommerlochfüller verbucht werden. "Wenn sie nicht gestorben sind, träumen die Planer weiter", so der Kommentar des kundigen Kollegen Kurpjuweit.

Der Plan für eine ganz neue U-Bahn-Linie, die Linie 10, die über den Alexanderplatz nach Weißensee führen sollte, liegt bei der BVG übrigens ebenfalls in der Schublade. Daran erinnert nun auch die FDP in Pankow und fordert, angesichts der positiven Entwicklung Pankows wenigstens dieses Projekt in Angriff zu nehmen. "Mit der zunehmenden Beliebtheit des Bezirks ziehen nachhaltig immer mehr Menschen nach Pankow Weißensee, so dass die Entwicklung eines dem Bevölkerungszugang Rechnung tragenden Verkehrskonzepts notwendig ist", schreibt die Partei in einer Pressemitteilung. Eine solche U-Bahn-Anbindung sei ein "elementarer Bestandteil der Verkehrsentwicklung" und müsse "vordringlich" geplant werden, schreiben die Freien Demokraten weiter.

Rekordzahlen bei Erstklässlern

Der Schulstart wird in diesem Jahr für viele Erstklässler und auch für ihre Lehrer nicht leicht. 4800 Kinder kommen im Bezirk Pankow neu in die Schule, laut Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz ist das Rekord seit der Wende. Vor allem im Altbezirk, der immer mehr Familien anzieht, wird es eng. Angesichts der Rekordschülerzahlen werden an einigen Schulen sogar mehr Kinder aufgenommen als eigentlich vertretbar wäre. Die Schulen müssen Fachräume in Klassenräume umwidmen, die Klassen sind bedenklich voll. Selbst in jahrgangsübergreifenden Klassen (JüL) werden teilweise 26 oder 27 Kinder aufgenommen - und das bei nur einer Lehrerin. Die Erzieherstunden für diese Klassen waren zuletzt von zehn auf sechs Stunden in der Woche gekürzt worden. Durch die steigende Zahl der Flüchtlinge verschärft sich die Situation, zumal Schulen und Lehrern in Pankow oftmals die Erfahrung im Umgang mit ausländischen Kindern fehlt. Eine von der Integrationsbeauftragen des Bezirks in Auftrag gegebene Studie hatte hier erhebliche Defizite festgestellt. Entspannung scheint nicht in Sicht. Zwar kann mit sogenannten Modularbauten, besseren Containern, einiges abgefedert werden (unter anderem an der Mendel-Grundschule und in Wilhelmsruh). Doch obwohl die Entwicklung seit langem absehbar war, laufen die Planungen für neue Schulen in Pankow nur zögerlich an.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

0 Kommentare

Neuester Kommentar