Probleme des wachsenden Bezirks Pankow : Unaufschiebbarer Verkehrskollaps

Die Infrastruktur im Nordosten wurde lange vernachlässigt. Jetzt muss an vielen Stellen gleichzeitig gebaut werden. Den Bewohnern der Region stehen harte Zeiten bevor.

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Verhältnisse wie diese sind in Blankenburg und Umgebung längst Alltag.
Verhältnisse wie diese sind in Blankenburg und Umgebung längst Alltag.Foto: picture alliance / dpa

Dem Nordosten Pankows stehen massive Verkehrsprobleme bevor. In Heinersdorf und Blankenburg bilden sich schon heute zu Stoßzeiten endlose Staus. Nun sollen auch noch parallel an verschiedenen Stellen Straßen, Brücken und Bahngleise erneuert werden. Außerdem soll in der Region ein ganz neues Stadtquartier mit rund 5000 Wohnungen entstehen. Die Verkehrsanbindung dafür ist völlig unklar. Nach Bürgerprotesten hatte der Senat zugesagt, sich vor der weiteren Planung zunächst um das aktuelle Verkehrschaos der Region zu kümmern. Frühere Kommunikationsdesaster wie etwa bei den Bebauungsplänen für die Elisabeth-Aue will man diesmal vermeiden. Im Forum "Blankenburger Süden" treffen sich nun Bürgergruppen regelmäßig mit Vertretern von Senat und Bezirk, um über die weitere Entwicklung zu sprechen. Forumssprecher Martin Kasztantowicz nennt das ein "Experiment", das bei einem Erfolg "ein Modell für ganz Berlin werden kann".

Keine guten Nachrichten

Erstes konkretes Ergebnis der Zusammenarbeit war eine Bürgerveranstaltung zur Verkehrssituation im Nordosten Pankows am Mittwochabend. Wer dort auf positive Nachrichten gehofft hatte, wurde allerdings bitter enttäuscht. Für Blankenburg, Karow, Heinersdorf und Malchow sehen die kommenden Jahre verkehrstechnisch düster aus. Die Erneuerung der A114 samt Brücken und die Erneuerung der B2 in Malchow werden die gesamte Region massiv belasten. Die Bahnhofstraße in Blankenburg wird über Monate sogar nur einspurig im abwechselnden Gegenverkehr befahrbar sein. Die vorgesehene Umleitung für die B2 ist ebenfalls extrem zeitraubend. Und weil die Bahn gleichzeitig Gleise erneuert, droht zeitweise auch noch Schienenersatzverkehr.

Die Verkehrslenkung hat dafür gesorgt, dass ein paar Baumaßnahmen zeitlich entzerrt werden. So werden die Wasserbetriebe zunächst ihre schon laufenden und wegen technischer Probleme wohl noch bis April 2018 dauernden Arbeiten in Blankenburg beenden, bevor sie an die B2 in Malchow gehen. Grundsätzlich lassen sich die Straßen- und Brückenarbeiten aber wohl nicht aufschieben, wie Katrin Vietzke aus der Senatsverwaltung erläuterte. "Die Infrastruktur wurde zu lange vernachlässigt und hält nicht mehr durch. Wenn wir jetzt nichts machen, drohen Vollsperrungen."

Nach derzeitigem Planungsstand dauern die Arbeiten an der A114 ab 2018 insgesamt drei Jahre, auf der B2 in Malchow werden allein die Wasserbetriebe eineinhalb Jahre beschäftigt sein, bevor voraussichtlich ab 2020 die Straßenerneuerung beginnt.

Die Bahn macht ihre eigenen Pläne

Und die Bahn? Die hat ihre Gleisarbeiten angeblich langfristig - und wohl auch weitgehend unabhängig - von den Straßenarbeiten geplant. Christian Beschorner von der DB Netz AG sagte bei der Infoveranstaltung, die Gleise im Bereich Blankenburg und Karow seien veraltet und dringend erneuerungsbedürftig. Außerdem werde die Gleisanlage erweitert und Lärmschutz installiert. Ab November 2017 muss daher sechs Wochen lang ein Schienenersatzverkehr (SEV) eingesetzt werden, ebenso wie zeitweise im Sommer 2018. Wie das bei dem dann wohl ohnehin schon kollabierten Verkehr gehen soll, blieb unklar. Schließlich verlief schon der letzte SEV in der Region katastrophal - unter anderem mit hunderten Meter langen Schlangen an der Bushaltestelle am Bahnhof Blankenburg. Beschorner sagte, derzeit werde überlegt, zusätzlich eine Expressbuslinie zwischen dem Bahnhof Pankow und Karow einzusetzen, die ohne Zwischenhalt über die Autobahn fahren würde. Beschlossen sei das aber nicht.

Kirchner kam nicht

Wie weit es mit der Koordination der Berliner Behörden her ist, machte auch die Terminauswahl für den Infoabend deutlich. Hauptredner sollte eigentlich der grüne Verkehrsstaatssekretär und frühere Pankower Stadtrat Jens-Holger Kirchner sein. Von ihm war die Initiative für die Veranstaltung ausgegangen, und auf ihn war sie auch zugeschnitten. Doch trotz monatelanger Vorbereitung konkurrierte der Termin am Ende nicht nur mit der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), sondern auch mit dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. Das Ergebnis: Kirchner kam nicht. Die Veranstalter boten stattdessen neun Vertreter aus Senat, Bezirk, von den Wasserwerken und der Bahn auf, die sich den Fragen der rund 300 Zuhörer stellten. Kommunikationstechnisch wurde der Abend so immerhin ein Erfolg.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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