Renaturierung der Panke : Pankow kritisiert Pläne des Senats

Das Bezirksamt hat lange geschwiegen zum Projekt "Panke 2015". Nun ist die Reaktion um so heftiger.

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Auch ohne Renaturierung recht idyllisch: Die Panke im Schlosspark Schönhausen. Foto: Ulrike Scheffer
Auch ohne Renaturierung recht idyllisch: Die Panke im Schlosspark Schönhausen.Foto: Ulrike Scheffer

Das Bezirksamt Pankow lehnt die Renaturierung der Panke "in der geplanten Form ab". Verantwortlich ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

In seiner Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren des Projekts "Panke 2015" stuft der Bezirk vor allem die "erheblichen Eingriffe" in die Parkanlagen in Pankow als problematisch ein. Konkret kritisiert er, dass durch die Umgestaltung des Flusslaufes Freiflächen zerstört und wertvolle Bäume geopfert werden sollen. "Ein Großteil der zur Erholungsnutzung wichtigen Uferwiesen wird der Bevölkerung durch die vorgeschlagene Planung einer weiteren Nutzung entzogen", heißt es etwa zum Pankower Bürgerpark. Ähnlich vernichtend ist das Urteil zum Schlosspark Schönhausen. "Die Gestaltung ist weder ortstypisch noch angemessen für den Schlosspark mit einer wichtigen Erholungsfunktion inmitten eines zunehmend stärker verdichteten Wohnumfeldes."

Von Pankow über den Pankeradweg in die Stadt
Mit dem Rad entlang der Panke in die Stadt: Eine Entdeckungsreise durch die Stadtnatur mit viel Kiezkultur. Foto: Ulrike SchefferWeitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Ulrike Scheffer
01.07.2015 09:27Mit dem Rad entlang der Panke in die Stadt: Eine Entdeckungsreise durch die Stadtnatur mit viel Kiezkultur.

Die Panke, die von Brandenburg kommend durch Pankow über den Wedding nach Mitte fließt, soll entsprechend der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wieder seine natürliche Struktur erhalten. Insgesamt geht es um eine Strecke von 18 Flusskilometern. Der größte Teil davon liegt im Bezirk Pankow. Die Stellungnahme des Bezirks zum Planfeststellungsverfahren dürfte daher nicht unwichtig sein für die weitere Entwicklung des Projekts, das eigentlich bereits in diesem Jahr beendet werden sollte. Inzwischen gibt die verantwortliche Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt aber 2018 als möglichen Start der Umsetzung an. Für ein solche großes Vorhaben fehlten die Erfahrungswerte, heißt es dort. Wo immer es möglich ist, sollen an der Panke Betonkanäle verschwinden, Böschungen erweitert und Begradigungen beseitigt werden, damit der Fluss frei fließen, sprich mäandern kann. Im Schlosspark Schönhausen sollen nach historischen Plänen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné außerdem Inseln in der Panke angelegt werden.

"Nicht durchführbar"

In Pankow haben nun alle betroffenen Fachämter die Planunterlagen des Senats genau unter die Lupe genommen. Das Urteil: Die Unterlagen "genügen nicht den fachlichen Anforderungen", schreibt etwa das Umwelt- und Naturschutzamt. Dort sieht man insbesondere die umfangreichen Baumfällungen - 1200 sind es insgesamt in den betroffenen Berliner Bezirken - kritisch. Es sei nicht zu erkennen, dass die Eingriffe, dem "Vermeidungs- beziehungsweise Minimierungsgebot" folgten, heißt es in der Stellungnahme. Besonders problematisch ist die Situation demnach im Schlosspark Schönhausen, denn dort lebt der vom Aussterben bedrohte Heidbock-Käfer, auch großer Eichbock genannt. Der Schlosspark mit seinen Eichen gehört hierzulande zu seinen letzten Refugien. Fällungen von Eichen sind in dem Park rund um das Schloss Schönhausen daher nur mit Ausnahmegenehmigungen möglich. Dafür sieht das Pankower Umweltamt aber keine Grundlage. Die in den Planunterlagen als "unabdingbar" genannten Fällungen seien nicht durchführbar, so das Amt.

Kritik kommt auch von der unteren Denkmalschutzbehörde. Die Renaturierung habe erhebliche Auswirkungen auf die Gartendenkmäler des Bezirks, vor allem auf den Schlosspark und auf den Bürgerpark, heißt es dort. Der Schlosspark Buch sei dagegen kaum betroffen. Im Bürgerpark sieht die Denkmalbehörde auch den Rosenpavillion in Gefahr. Er könnte durch Erschütterungen bei den Bauarbeiten beschädigt werden. Das Landesdenkmalamt hatte in einer gesonderten Stellungnahme ebenfalls Bedenken angemeldet. Nach seiner Auffassung ist die Panke Teil des Flächendenkmals Bürgerpark. Der gesamte Fluss stehe damit unter Schutz, sagte eine Mitarbeiterin dem Tagesspiegel. Die geplante Annäherung an die „Lennésche Panke“ im Schlosspark bezeichnete sie zudem als "nicht nachvollziehbar". Dort sollen unter anderem mit Bäumen besetzte Inseln im Fluss angelegt werden. Das Pankower Grünflächenamt hat dagegen auch ganz praktische Einwände. Es sieht sich außerstande, die Inseln später zu pflegen, denn die seien für Mähfahrzeuge und anderes Gerät nicht zu erreichen, so die Begründung.

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Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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