Richard Smith gibt Konzert in Pankow : Unverschämte Leichtigkeit

Der Fingerstyle-Gitarrist Richard Smith aus Nashville verbindet virtuos vielfältige musikalische Einflüsse. Am Sonntag tritt er im Zimmer 16 in Berlin-Pankow auf.

Fliegende Finger: Richard Smith aus Nashville ist ein Virtuose an der Akustikgitarre.
Fliegende Finger: Richard Smith aus Nashville ist ein Virtuose an der Akustikgitarre.Foto: Richard Smith

Manchmal gibt es diese Momente, in denen man die Brocken einfach hinschmeißen möchte. Wenn man sich staunend fragt, warum man sich Stunden, Tage, Wochen quält – während andere es in scheinbar unverschämter Leichtigkeit zu wahrer Meisterschaft bringen. Am Sonntagabend könnte Hobbymusikern wieder so ein Augenblick bevorstehen. Dann tritt der Fingerstyle-Gitarrist Richard Smith aus Nashville im Zimmer 16 in Pankow auf (20 Uhr, Florastraße 16).

Virtuos durchmisst er Klassik und Pop, Country und Swing. Scott-Joplin-Rags gehören genauso zu seinem Repertoire wie Beatles-Hits, Jazz-Standards stehen neben Souza-Märschen, Bach und Brahms. Ohne Bandbegleitung formt Richard Smith auf seiner Akustikgitarre Melodie, Rhythmus und Bassbegleitung zu einer dichten und doch feinen Klangkulisse.

Dem Namen nach ist der Mann der reinste Durchschnitt. Seine Fingerfertigkeit übersteigt aber das, was man gemeinhin zu Gesicht und zu Gehör bekommt. "Thumbpicking", sagen die Amerikaner auch dazu, weil der kontinuierliche Wechselschlag auf den tiefen Saiten entscheidend für den satten Groove ist – als ob jemand auf der Gitarre Klavier spielen würde.

Im Blues des Südens und den Bergarbeiter-Regionen Kentuckys hat die Fingerstyle-Musik ihre Wurzeln. Nashville-Ikone Chet Atkins und Country-Star Jerry Reed verfeinerten die Technik später. Heute gehören vor allem Mark Knopfler und der gefeierte Australier Tommy Emmanuel zu den bekanntesten Vertretern des Genres.

Richard Smith hat die Leidenschaft für die Gitarre schon in seinem Elternhaus im englischen Kent entdeckt. Mit fünf Jahren ließ er sich von seinem Vater die ersten Akkorde beibringen. Der gehörte dem britischen Chet-Atkins-Fanclub an. Kein Wunder, dass der talentierte Sohn als Elfjähriger mit dem Meister in London auf der Bühne stand.

Mit Leuten wie Les Paul, Joe Pass oder Albert Lee hat er seither zusammengespielt. Inzwischen lebt er selbst in der Gitarrenmetropole Nashville. Seither ist ihm viel Bewunderung aus dem Kollegenkreis zuteil geworden. Tommy Emmanuel nennt ihn nur den "Weltmeister".

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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