Schüler interviewen Bürgermeister Köhne : Wenn die Bürger schon beim Joggen nerven

Eine vierte Klasse der Grundschule an den Buchen in Niederschönhausen war bei Bezirksbürgermeister Matthias Köhne zu Besuch. Die Schüler sprachen auch umstrittene Projekte wie die Straße durch die Schönholzer Heide an.

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Bürgermeister Köhne sagte, er sei eine Art Klassensprecher.
Bürgermeister Köhne sagte, er sei eine Art Klassensprecher.Foto: Ulrike Scheffer

Ein Bürgermeister muss ganz schön viel arbeiten. 60, manchmal sogar 80 Stunden in der Woche. Das sagt jedenfalls der Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) von sich. Und hat damit die Kinder der 4c der Grundschule an den Buchen ziemlich beeindruckt. Die Klasse aus Niederschönhausen war zum Interview mit dem Bürgermeister verabredet. Im Unterricht hatte sie dafür Fragen vorbereitet. Schon auf dem Weg in den getäfelten Sitzungsraum, in dem die Schüler Köhne treffen sollten, hatten einige große Papierstreifen in der Hand, auf denen sie ihre Fragen ausgedruckt hatten. Doch die Zettel waren bald nur noch Nebensache, denn schon bei den ersten Fragen hakten die Neunjährigen nach, gaben sich mit Köhnes Antworten nicht immer gleich zufrieden. Und sie sprachen auch die heißen Eisen im Bezirk an, etwa die zahlreichen Baustellen. Immer wieder werde er mit diesem Problem konfrontiert, erklärte Köhne. Oft sei halt kein Geld für Baumaßnahmen da, wenn dann welches da sei, müsse es rasch ausgegeben werden, und dann mangele es manchmal an der Koordination. Manche Bauvorhaben stünden außerdem unter Aufsicht des Landes, für andere seien die Wasserwerke oder die Telekom verantwortlich. „Aber die Beschwerden landen immer bei mir“, klagte er.

Nervende Bürger und verständnisvolle Schüler

Sogar morgens beim Joggen werde er mitunter angesprochen. Das fanden einige der Kinder dann doch übertrieben. „Wie werden Sie die dann wieder los? Das nervt doch, oder?“ fragte ein Mädchen. „So etwas darf ich nie sagen, höchstens denken“, gab Köhne zurück. Als Bürgermeister sei es schließlich sein Job, sich um die Anliegen der Bürger zu kümmern. Außerdem bekomme er durchaus auch mal Lob für seine Arbeit. "Manche wollen sich einfach nur bedanken." Die Kinder hatten allerdings einige Beschwerden vorzubringen: Über Straßen, die immer wieder aufgerissen werden zum Beispiel, und ein Parkverbot für eine Baumaßnahme, von der aber seit Monaten nichts zu sehen ist. Möglicherweise fehlten der Baufirma noch Genehmigungen, spekulierte Köhne in diesem Fall. „Es ist in der Tat ein Problem, dass hier zu viele Stellen beteiligt sind.“

Eine Straße für die Schönholzer Heide

Kritisch hinterfragt wurde von den Kindern auch die neue asphaltierte Straße durch die Schönholzer Heide. „Gefällt dir das nicht?“, fragte Köhne das Mädchen, das ihn darauf ansprach. „Nein“, lautete ihre dezidierte Antwort. Köhnes Erklärungen, dass künftig beispielsweise auch Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen besser durch die Heide gehen könnten, weil sie nicht mehr fürchten müssten, in Schlamm und Löchern stecken zu bleiben, überzeugten aber offensichtlich. „Gefällt es dir immer noch nicht?“, hakte diesmal Köhne nach. „Naja, dann kann man da ja auch Inliner fahren, das ist natürlich gut“, so das Mädchen deutlich nachdenklicher. Köhne ergänzte, dass der neue Weg eine Verbindung zwischen dem Radweg in der Heinrich-Mann-Straße und dem nach Wilhemsruh schaffen solle. Ohne ordentliche Straße dürfe der Bezirk das Radfahren in der Heide nicht erlauben – weil auf unebenem Gelände schnell Unfälle passieren könnten, für die der Bezirk dann haftbar gemacht würde.

Gute Aussichten für die Schule

Fast anderthalb Stunden nahm sich Köhne für die Klasse Zeit. Er hatte auch eine gute Nachricht für sie. Die Schüler wollten wissen, warum sie in ihrer Schule mit stinkenden und dringend renovierungsbedürftigen Toiletten leben müssten. Köhne erklärte, dass es eine Liste mit „solchen Baustellen“ gebe, die nach Kassenlage abgearbeitet würden. „Ihr steht auf der Liste ganz weit oben“, sagte er. Im nächsten Jahr könne die Schule mit einer Sanierung der Toiletten rechnen. Die Schüler blieben auf der Hut. „Auf welchem Platz stehen wir genau?“, fragte ein Junge. „Ziemlich weit oben“, mehr ließ sich der Bürgermeister nicht entlocken und hielt sich damit wohl ein kleines Hintertürchen offen.

Mehr als hundert Über-Hundertjährige

Dann verabschiedete sich Köhne: Im Roten Rathaus sollte am gleichen Tag Bundespräsident Joachim Gauck zum Ehrenbürger der Stadt erklärt werden. Auch ein wichtiger Termin für einen Bezirksbürgermeister. Gar nicht so selten sei er außerdem bei hundertjährigen oder noch älteren Pankowern zum Geburtstag eingeladen, verriet er noch. Mehr als hundert Über-Hundertjährige gebe es im Bezirk mit seinen 380.000 Einwohnern. Pankow wachse außerdem wie kein anderer Bezirk. „Das zeigt doch, dass es den Leuten bei uns gefällt. Darauf bin ich auch ein bisschen stolz.“

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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