Sonderzug mit Lindenberg : Udo lässt die Pankower kalt

32 Jahre, nachdem er "Sonderzug nach Pankow" gesungen hat, kam Udo Lindenberg tatsächlich in Pankow an. Dort warteten allerdings nicht sehr viele auf ihn.

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Udo Lindenberg am Mittwochabend im Ballhaus in Pankow.
Udo Lindenberg am Mittwochabend im Ballhaus in Pankow.Foto: Reter Rauh/rbb

Die Pankower hat das Spektakel um Altrocker Udo Lindenberg am Mittwoch ziemlich kalt gelassen. Zwischen 18.45 Uhr und 19 Uhr sollte der Sondezug der U2 mit ihm im Bahnhof Pankow einrollen. Doch ein beschädigter Zug blockiert die Strecke um mehr als eine halbe Stunde. Viele Fans warten ohnehin nicht auf Lindenberg. Auf dem Bahnsteig im Pankower Bahnhof stehen fast ebenso viele Polizisten und Sicherheitskräfte der BVG herum wie Schaulustige. Und von denen sind viele aus anderen Bezirken angereist. So wie Steini, Andi und "Üller" vom Lindenberg-Fanklub "Panikgemeinde". Die drei aus Biesdorf, Vogelsdorf und dem Prenzlauer Berg lassen sich einstweilen bereitwillig als Udo-Ersatz fotografieren und posieren auch für das ein oder andere Selfie. Die Polizei findet währenddessen Zeit, einen mutmaßlichen Kleindealer zu durchsuchen.

Udo-Ersatz: Die drei Freunde vom Fanklub "Panikgemeinde" überbrückten die Wartezeit bis zur Ankunft des echten Lindenbergs mit kleinen Showeinlagen.
Udo-Ersatz: Die drei Freunde vom Fanklub "Panikgemeinde" überbrückten die Wartezeit bis zur Ankunft des echten Lindenbergs mit...Foto: Ulrike Scheffer

Als klar wird, dass der Sonderzug deutlich später kommt als geplant, machen sich die Ersten entnervt auf den Heimweg. Nicht so Uta Scholze-Starke aus Mahlsdorf. Sie arbeitet in Pankow und ist für Lindenberg noch geblieben. "Ich bin mit Udo aufgewachsen, aber hier im Osten konnte ich ihn damals nicht sehen", sagt sie. Erst vor einigen Jahren habe sie Lindenberg in der Max-Schmeling-Halle live erlebt.

Um 19.30 Uhr, mit fast 45 Minuten Verspätung, rollt der Sonderzug dann endlich im Pankower Bahnhof ein. Und als Udo mit dem Fahrstuhl in die Eingangshalle hinauffährt, erwartet ihn doch noch eine kleine Menschentraube. Sogar "Udo, Udo"-Rufe werden jetzt laut. Nach ein paar Fernsehinterviews, die Lindenberg mit einem Zigarrenstummel im Mund über sich ergehen lässt, geht es weiter zum Abschlusskonzert ins Ballhaus auf der Grabbeallee in Niederschönhausen.

Bernd Wachsmuth auf seinem Balkon neben dem Ballhaus. Anfangs wartete auch Michelle Huschka mit ihm auf Udo Lindenberg.
Bernd Wachsmuth auf seinem Balkon neben dem Ballhaus. Anfangs wartete auch Michelle Huschka mit ihm auf Udo Lindenberg.

Dort hat Bernd Wachsmuth seit Stunden ausgeharrt. Wie in einer Loge saß Wachsmuth schon am späten Nachmittag auf seinem Erdgeschossbalkon, der zu einem der Neubauten direkt neben dem Zugang zum Ballhaus gehört. "Eine Karte für das Konzert habe ich leider nicht bekommen, aber ich werde es aufnehmen, denn es wird ja im Radio übertragen", sagt er. Drinnen sind ebenfalls nur wenige Pankower vertreten, denn die Tickets für den Lindenberg-Auftritt wurden exklusiv im rbb-Radio verlost.

Um 20.30 Uhr steht Udo Lindenberg schließlich im Ballhaus auf der Bühne, und nach einer Schweigeminute für die Opfer des Flugzeugunglücks in Frankreich legt er mit seinem Abschlusskonzert los. „Rock passt schließlich zu jeder Lebenslage“, so sein Kommentar.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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