Weihnachtstipps der Pankower Buchhändler : Von Pankow bis nach Afrika

Die Buchhandlungen aus Pankow empfehlen auch in diesem Jahr wieder ihre persönlichen Favoriten für den Gabentisch. Sogar ein Bilderbuch für Erwachsene ist dabei.

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Winterzeit ist Lesezeit, daher sind Bücher ein ideales Geschenk zu Weihnachten.
Winterzeit ist Lesezeit, daher sind Bücher ein ideales Geschenk zu Weihnachten.Foto: Ulrike Scheffer

Bücher für Erwachsene

Das besondere Buch

Die ganz persönlichen Leseempfehlungen von Anita Rohland aus der Buchhandlung Chaiselongue (Dietzgenstraße)

Alina Bronski: Baba Dunja

Kiepenheuer & Witsch, 16,00 Euro

Baba Dunja ist autark, sie ist weise und hat Witz. In ihrer alten Heimat  Tschernowo, unweit von Tschernobyl, in der Todeszone, findet sie zusammen  mit Gleichgesinnten ihr selbstbestimmtes Paradies. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind jenseits der 70 und haben keine Angst mehr vor strahlenden Früchten und tickenden Geigerzählern, bis eines Tages die Harmonie ihrer Gemeinschaft von einem Eindringling zerstört wird.

Alina Bronsky hat eine traurige Geschichte geschrieben, die nicht traurig macht. Ihre Figuren sind hochbetagt und trotzdem jung. Ich wünschte, mir würde eine wie Baba Dunja in meinem Leben begegnen.

Paula McLain: Lady Africa

Aufbau Verlag, 19,95 Euro

Paula McLain erzählt in diesem großen Afrika-Epos die wahre Geschichte der Flugpionierin Beryl Markham, die als erste Frau den Atlantik überquerte. Beryl interessiert sich nicht für die Konventionen ihrer Zeit. Sie lebt ihr Leben unabhängig und ungestüm. In Karen Blixen findet sie eine Seelenverwandte und in Dennis Finch Hatton das Abenteuer ihres Lebens. Wer kennt die beiden nicht aus „Jenseits von Afrika“? Ein wunderbarer Schmöker, der in der dunklen Jahreszeit das Licht und die Wärme Afrikas in unsere Zimmer zaubert.

Friederike Zöllner und ihr Team aus dem Buchlokal (Ossietzkystraße) empfehlen:

Ernest van der Kwast: Fünf Viertelstunden bis zum Meer

Marebuchverlag, 18,00 Euro

Ernest van der Kwast weiß, wann der Bikini tatsächlich erfunden wurde. Sein Protagonist Ezio hat ihn im Sommer 1945 in Sizilien zum ersten Mal gesehen und dort auch die Liebe seines Lebens gefunden. Sie bleibt unerwidert, und er wandert aus. So schön, schmerzlich und glücklich ist über die Liebe lange nicht geschrieben worden.

Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand

Kiepenheuer & Witsch, 14,99 Euro

Kenntnisreich, immer entlang der Aktenlage, schickt der Autor Wolfgang Schorlau seinen Ermittler Dengler auf die Fährte der NSU-Morde und deren Hintergründe. Hochaktuell und gewohnt versiert erzählt. Für politisch interessierte Krimileser ein Muss!

Spannendes und Interessantes aus dem Norden

Empfohlen von Katrin Mirtschink von Pankebuch (Wilhelm-Kuhr-Straße)
Hallgrimur Helgason: Seekrank in  München
Tropen Verlag, 19,90 Euro
Der neue Roman des isländisches Kultautors, der auch bei uns durch seinen Roman und den gleichnamigen Film "101 Reykjavik" bekannt geworden ist. Ein junger Isländer kommt nach München, um Kunst zu studieren. Es sind die 1980er Jahre, von Island wissen die meisten so gut wie nichts. Der angehende Künstler ist äußerst schüchtern und kann kein Deutsch - absurde Situationen sind programmiert. Helgason zeichnet wie in seinen anderen Romanen wieder herrlich skurrile Figuren und Situationen. Ein wahres Lesevergnügen,

Satu Taskinen: Die Kathedrale
Residenz Verlag, 22,90 Euro
Auch der zweite Roman der jungen finnischen Autorin nach "Der perfekte Schweinebraten" ist ein einfallsreiches sprachliches Vergnügen. Satu Taskinen erzählt die Geschichte von Tea, einer zwanghaften Sammlerin, mit Empathie und Humor. Ihr feiner Sinn für das Absurde macht aus dieser Geschichte eine intensive Suche der existenziellen Art.

Ein Bilderbuch für Erwachsene

Empfohlen von Wiebke Schleser aus der Kinderbuchhandlung BuchSegler (Florastraße)

Oren Lavie (Text), Wolf Erlbruch (Illustration): Der Bär, der nicht da war
Verlag Antje Kunstmann, 16,95 Euro

Alles fängt an mit einem Juckreiz - und der spannenden Frage: "Wer bin ich?" Es ist Geschichte des Bären, der sich auf die Suche nach sich selbst macht. Er begegnet zahlreichen liebenswürdigen Figuren wie dem "saumseligen Salamander“. Der Bär ist völlig unvoreingenommen und immer bereit, sich zu freuen. Er sammelt Eindrücke. Und dann steht der Bär aufrecht, mit einem dünnen roten Lächeln im Gesicht, in höchster Zufriedenheit mit sich und der Welt. Die Illustrationen von Wolf Erlbruch sind einfach grandios.

Bücher für Kinder

Lesen statt daddeln - mit dem richtigen Buch kein Problem.
Lesen statt daddeln - mit dem richtigen Buch kein Problem.Foto: Ulrike Scheffer

Gelesen und für sehr gut befunden von Elisabeth Woldt aus der Kinderbuchhandlung Liesi liest (Pastor-Niemöller-Platz)

Ateliers Hafenstraße 64: Das total verbammelte Supertummelsorium der Tiere

Carlsen Verlag, 24,99 Euro, für Kinder zwischen 4 und 8 Jahren

Wie der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich bei dem Buch um eine kunterbunte Ansammlung von Geschichten, Gedichten, Reimen, Bildern und Comics um, über und mit Tiere(n). Gerade in der grauen Jahreszeit genau das Richtige, um sich gemütlich auf's Sofa zu kuscheln und im Bilder- und Wörterrausch zu verlieren. Hier kommen Tierfans voll auf ihre Kosten. Das Buch bietet sich sowohl zum Vorlesen als auch zum ersten Selberlesen an.

 

Alice Melvin: Emma kauft ein

Verlag Antje Kunstmann, 16,95 Euro, 4 Jahre

Emma geht einkaufen und hat 10 Dinge auf ihrer Liste. Fast alles erhält sie in den Geschäften. Nur das letzte auf der Liste ist in keinem Laden zu bekommen - und trotzdem geht sie nicht leer aus. Ein wunderschönes Bilderbuch in Reimen, dessen zauberhaft illustrierte Geschäfte zum Verweilen und immer wieder anschauen einladen, und das am Ende die Botschaft vermittelt, dass man zwar nicht immer alles kaufen, aber trotzdem bekommen kann.

 

Ylva Karlsson: Zauberhafte Dorabella – Samsons 13. Kindermädchen

Carl Hanser Verlag, 12,90 Euro, 8 Jahre

Samson und sein Bruder Samuel bekommen ein neues Kindermädchen, das 13. In diesem Fall ist die 13 eine Glückszahl, denn Dorabella ist genau das, was die beiden brauchen. Mit ihr erleben sie nicht nur tolle Abenteuer, wie ein Picknick im Regen, Schwimmunterricht bei einer Meerjungfrau oder eine Geburtstagsparty auf einem Segelschiff, sondern ganz nebenbei wird Samson auch mutiger und weiß am Ende der Geschichte besser, wer er ist und wer er sein möchte. Ein tolles Buch für alle, die immer mal Schwierigkeiten mit den Anforderungen anderer haben, seien es Eltern, Lehrer oder Freunde. Und am Ende steht die Erkenntnis, dass jeder selbst entscheiden darf, wer er sein möchte, und dass man auch anders sein darf, sogar anders als die Eltern.

 

Sabine Bohlmann: Das Leben ist kein Wunschkonzert

Esslinger Verlag, 12,99 Euro, ab 9 Jahre

Das Leben ist kein Wunschkonzert, sagt Rosalies Mama immer, wenn diese wieder einmal ins Träumen gerät. Die neue Nachbarin Wanda, die Schriftstellerin ist, sagt dagegen, dass man sich alles wünschen kann. Rosalie wünscht sich eigentlich nur drei Dinge: einen Hund, eine beste Freundin und einen Papa - und zwar genau in dieser Reihenfolge. Und da es mit dem Warten etwas zu lange dauert, entschließt sie sich, den Wünschen etwas nachzuhelfen. Natürlich geht dabei einiges schief, aber natürlich wird am Ende alles gut, wenn auch nicht so, wie Rosalie es sich am Anfang vorgestellt hat. Ein ganz zauberhaftes Buch, mit der richtigen Mischung aus lustig, nachdenklich und spannend. Es hinterlässt ein warmes Gefühl und vermittelt die Botschaft: Wünschen kann man sich alles, denn wer das Wünschen aufgibt, der hat auch die Hoffnung aufgegeben - und das sollte wirklich niemand.

 

Wiebke Schleser aus der Kinderbuchhandlung BuchSegler (Florastraße) empfiehlt:

Agnès de Lestrade (Texte), Valeria Docampo (Illustration): Der Bär und das Wörterglitzern
Mixtvision Verlag, 14,90 Euro, Bilderbuch
Ganz am Rand ist alles möglich! ….traumschweben, meerrieseln, tränenschwimmen oder stillenecken - welch schöne, feinsinnige Wortschöpfungen. Es geht einem unter die Haut, wie sich der blaue Bär den Emotionen nähert, sie aufsaugt, zu eigen macht und neue Wörter zaubert: "Morgen werde ich DICHMICHSEHEN." Mit den zarten Illustrationen von Valeria Docampo wird es zu einem Bilderbuchtraum.

Duddle, Jonny: Die Jolley-Rogers im Bann der Geisterpiraten
Loewe Verlag, 9,95 Euro, ab 8 Jahre
Das Museum von Schnarch am Deich wird bei Vollmond überfallen. Schnell ist klar, dahinter können nur Kapitän Zwirbelbart und seine Geisterpiraten stecken. Matilda ruft per Flaschenpost Jim und seine Piratenfamilie zur Hilfe - so entspinnt sich ein äußerst spannendes Abenteuer mit einer gehörigen Portion Grusel. Eine wunderbare Geschichte zum Vorlesen. Dank der großen Schrift und der detailverliebten Comic-Stil-Illustrationen ist sie aber auch bestens geeignet zum Selbstlesen.


Kathrin Köller (Herausgeberin), Julia Dürr (Illustrationen): Feuer! Vulkane, Drachen und andere Feuerspucker
Verlag Ueberreuther, 8,95 Euro, Sachbuch für Leseforscher ab 6 Jahre
Auf jeder Doppelseite geht es ums Thema Feuer und darüber hinaus. Feuer ist ein Alltagsthema und übt eine große Faszination auf uns aus. Wir nutzen es, um Elektrizität zu erzeugen, um Heizungen zu betreiben, zum Kochen und Backen. Wer denkt da nicht an Stockbrot am Lagerfeuer, Feuerwehr, Drachen und Feuertiere? Und mittendrin der neugierige Filu, der alles hinterfragt und kommentiert. Mit beindruckenden Bildern, witzigen Comics und einer offenen Gestaltung werden Grundlagen und Wunderliches erklärt. Dieses Buch eignet sich schon ganz hervorragend zum Selbstlesen.

Eine ganz besondere Empfehlung von Friederike Zöllner aus dem Buchlokal (Ossietzkystraße)

Martin Schmitz-Kuhl (Text), Anke Kuhl (Illustrationen): All the children

Klett Kinderbuch Verlag , 13,95 Euro, ab 5 Jahren
Warnung! Dieses Buch enthält Sprüche von echten Kindern - und zwar von Pankower Grundschülerinnen und Grundschülern. Während viele Kinder auf einen weiteren Band mit "Alle Kinder"- Reimen warten und dafür auch schon fleißig selbst Reime eingereicht haben, kam von der Klasse 4 a aus der  Platanus Schule Berlin eine ganz neue Idee: Mit ihrem Englischlehrer Mister Gaunt und auf Initiative unserer Buchhandlung, dem Buchlokal, erfanden sie im Rahmen eines Englisch-Projekts lauter "All the Children"-Sprüche. Dem Verlag gefiel das so gut, dass er Martin Schmitz-Kuhl mit ins Boot holte. Zusammen mit den Kindern reimte er drauflos und Anke Kuhl setzte wieder alles meisterlich in Szene. Wir präsentieren hiermit ein witziges Gemeinschaftsbuch mit Kult- und Geschenkbuchcharakter.

Bücher für Jugendliche

Wiebke Schleser aus der Kinderbuchhandlung BuchSegler (Florastraße) empfiehlt:

Erin J. Lange: Halbe Helden
Magellan Verlag, 16,95 Euro
Es beginnt als erzwungene Bekanntschaft, aus der eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Jungen entsteht. Dane, ein kluger Kopf, der sehr schnell und ohne erheblichen Grund handgreiflich wird und jede Menge Ärger am Hals hat, trifft auf Billy D., den Jungen mit dem Down-Syndrom, mit ganz normalen Wünschen und Sehnsüchten und einem dickköpfigen Auftreten. Billy D. sucht seinen Vater und Dane ist zwangsläufig mit dabei. Die Geschichte entwickelt sich zu einem Roadmovie, mit allem was dazu gehört: Schmerz, Glück, Liebe. Von Kitsch keine Spur.

Der Favorit von Friederike Zöllner aus dem Buchlokal (Ossietzkystraße)

William Sutcliffe: Auf der richtigen Seite

Rowohlt Verlag, 16,99 Euro

"Auf der richtigen Seite" war in diesem Jahr der von unserem Pankower Leseclub für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Titel. Wir alle sind von diesem Buch sehr überzeugt und angetan: Literarisch und emotional packend erzählt der Autor William Sutcliffe die spannende Geschichte eines Jugendlichen zwischen zwei Welten, die sehr stark an den Nahostkonflikt erinnert. Ein starker Entwicklungsroman.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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