• Hoehne

    Unter Nachbarn

    Als Andreas Höhne am 30. Oktober 2015 nach langer, schwerer Krankheit starb, trauerten um den sozialdemokratischen Bezirksstadtrat für Familien, Jugend und Soziales nicht nur seine Parteifreunde. Die Erschütterung war in allen Fraktionen der BVV spürbar, das politische Reinickendorf trauerte um einen engagierten und den Menschen zugewandten Behördenleiter. Der geborene Berliner, der mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frohnau lebte, empfand die Arbeit im Bezirksamt nicht als irgendeinen Job, sondern als Berufung. Vor allem sein soziales Engagement machte ihn zum Anwalt der kleinen Leute. Dies zitierte jetzt die SPD-Fraktion in der Reinickendorfer BVV, als sie vorschlug, den Integrationspreis des Bezirks künftig nach Andreas Höhne zu benennen. Höhne habe für eine Willkommenskultur in Reinickendorf gekämpft, sagte die integrationspolitische Sprecherin der SPD, Karin Hiller-Ewers. Am vergangenen Mittwoch stimmten die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung dieser Namensgebung einstimmig zu. Der lang anhaltende Beifall war wohl auch ein Indiz dafür, dass der Preis im Geiste Andreas Höhnes verliehen werden soll.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de

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von Gerd Appenzeller tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Reinickendorf,

die Debatte um die Schließung oder Offenhaltung des Flughafens Tegel schlägt hohe Wellen, und es ist absolut nicht so, dass in den Einflugschneisen, vor allem in Reinickendorf-Ost, nur Menschen leben, die sich nach dem Tag sehnen, an dem der Flugverkehr von und nach TXL eingestellt wird. Immer wieder erreichen mich aus dem Kiez rund um den Schäfersee Mails etwa diesen Inhalts: „So lange hier der Fluglärm wohlhabende Leute von der Wohnungssuche abhält, können wir zwischen Breitkopfbecken und Letteplatz zu relativ vernünftigen Mieten wohnen. An den Krach haben wir uns gewöhnt. Aber wenn in Tegel Ruhe herrscht, dann kommen die Gentrifizierer, die die alten Häuser modernisieren, die Mieten verdoppeln und uns einfache Leute vertreiben. Deshalb freuen wir uns überhaupt nicht, wenn in Tegel Ruhe herrscht. Im Gegenteil, vor diesem Tag haben wir Angst.“

Offenbar hat sich diese Angst bis zum Bezirksamt herumgesprochen. Dort lässt man derzeit prüfen, ob für das Gebiet rund um die Teichstraße, das Breitkopfbecken, den Hausotterplatz, den Schäfersee und den Letteplatz die rechtlichen Voraussetzungen zum Erlass einer Milieuschutzverordnung vorliegen. Milieuschutz bedeutet unter anderem, dass dann eine Verdrängung der angestammten Bevölkerung durch Gentrifizierung verhindert werden kann. Mit den nötigen Untersuchungen hat der Bezirk die Planungsbüros S.T.E.R.N und Argus beauftragt. Mitarbeiter der beiden Büros führen im Moment Befragungen der Haushalte durch, es wurden Fragebogen verteilt. Die Befragung läuft noch bis zum 23. Juli, der Bezirk bittet die Mieter um Mitarbeit. Die dürfte im Interesse eines jeden einzelnen liegen … Vor allem mit der Beauftragung von S.T.E.R.N. hat der Bezirk ein kluge Entscheidung getroffen, mehr zu diesem Büro weiter unten.

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 22 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de

Gerd Appenzellers Tipp für Sie

Gedenkort Heiligensee – Besuch im Hannah-Höch-Haus: Hannah Höch gehörte zu den international renommierten Künstlerinnen des Dada. Als sie 1978 in ihrem Haus in Heiligensee starb, hatte ihr Name Weltgeltung. Der bildende Künstler Johannes Bauersachs übernahm ihr Haus in der Straße An der Wildbahn 33 in Heiligensee im Jahre 2005 und verpflichtete sich, Haus und Garten im Sinne von Hannah Höch fortzuführen und zu erhalten. Der Bezirk versprach seinerseits, in der ehemaligen Remise einen Hannah-Höch-Gedächtnisraum einzurichten. Die notwendigen Restaurierungsarbeiten sind nun beendet, am Sonntag, 23. Juli können sich Besucher von 14 bis 17 Uhr im Gedenkort umschauen. Da der Andrang vermutlich groß sein wird, bittet Kulturstadträtin Katrin Schultze-Berndt um Anmeldung entweder telefonisch unter 404 40 62 oder per Mail an info@museum-reinickendorf.de
Foto: Doris Spiekermann-Klaas