• Kind, an Masern erkrankt, weil Erwachsene nicht geimpft

    Kind, an Masern erkrankt, weil Erwachsene nicht geimpft

    Unter Nachbarn

    Das ist geschehen: Im Märkischen Viertel, in Wittenau und im Ortsteil Reinickendorf selbst sind akut acht junge Erwachsene an Masern erkrankt, außerdem gibt es einen Fall im Wedding. Kranke Erwachsene, vor allem ab Mitte 40, gefährden Säuglinge, weil die nicht geimpft werden können. Wie konnte es dazu kommen? Gerade in der gebildeten Bevölkerungsgruppe wurde in den 80-er und 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts propagiert, Kinder nicht mehr gegen Masern impfen zu lassen, weil das Risiko der Impfung selbst größer als das einer Erkrankung sei. Eine geradezu bösartige Rechnung: Die Nichtgeimpften vertrauten auf den so genannten “Herdenschutz” durch die große Zahl der Geimpften. Aber der Herdenschutz funktioniert eben nur so lange, wie fast alle geimpft sind. Welche Gefahr droht? Bei Säuglingen (die noch nicht geimpft werden dürfen) und Kleinkindern drohen Spätfolgen der Masernerkrankung, die sehr häufig tödlich verlaufen. Was muss geschehen? Patrick Larscheid, Leiter des Reinickendorfer Gesundheitsamtes, rät allen nicht geimpften Erwachsenen, die Impfung sofort nachholen zu lassen. Das macht jeder Hausarzt, sagt Larscheid, der Impfstoff sei überall vorrätig, alle Krankenkassen tragen die Kosten. Patrick Larscheid sagt auch, die Impflücken seien bei nach Berlin Zugezogenen am größten.

    Wollen Sie sich oder jemand anderen in dieser Rubrik vorstellen? Haben Sie etwas Besonderes im Bezirk entdeckt? Oder ärgert sie etwas, und Sie wollen darauf aufmerksam machen? Dann schreiben Sie mir unter leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de. Ich melde mich bei Ihnen.

von
bis
Bitte geben Sie hier den Suchbegriff ein!
von Gerd Appenzeller tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Reinickendorf,

auf den gesamten Norden des Bezirks, aber auch auf die Pendler mit OHV-Kennzeichen, kommen vier stressige Jahre zu. Auf der Oranienburger Straße zwischen der Tessenowstraße (gegenüber der Bonhoeffer-Klinik) und der Wittenauer Straße (nördlich S-Bahnhof Wittenau) beginnen noch im Februar umfangreiche Bauarbeiten. Die Straße wird von Grund auf erneuert, zusätzliche Abbiegespuren werden angelegt, durchgängig außerdem Radwege oder Schutzstreifen für Fahrradfahrer. Da auch der Straßenquerschnitt erweitert wird, müssen insgesamt 100 Straßenbäume gefällt werden, außerdem werden abgestorbene Gehölze entfernt. Wie die Bezirksverwaltung mitteilte, soll in beiden Fahrtrichtungen jeweils eine Fahrspur freigehalten werden. Zum Teil wird das aber nur durch Umleitungen, etwa über die Cyclopstraße in Wittenau parallel zur S-Bahn, zu erreichen sein. Informationen über die Baumaßname gab es Im Januar einmal auf Einladung Wittenauer Einzelhändler. Die Wittenauer CDU veranstaltet am 27. Februar eine Bürgersprechstunde zum Thema “Verkehrsplanung und Straßenbau”. Das ist lobenswert, aber angesichts der massiven Eingriffe in den Straßenverkehr und der über Jahre anhaltenden Belastungen für Anlieger und Autofahrer reicht das nicht! Eine umfassende Information der Öffentlichkeit ist dringend notwendig, und zwar durch den Bezirk selbst. Und etwas Phantasie wird auch der Sache dienlich sein: Eine Entlastung der Situation auf den Straßen könnte zum Beispiel erfolgen, wenn der Bezirk bei der S-Bahn durchsetzt, dass die S 1 in Stoßzeiten ab Oranienburg endlich wenigstens im Zehn-Minuten-Takt und ab Frohnau im Fünf-Minuten-Takt fährt – im Westzweig der Strecke zwischen Potsdamer Platz und Steglitz geht das jetzt schon.

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 22 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de.

Gerd Appenzellers Tipp für Sie

Mitreißender Jazz: Die Old Merry Tale Jazz Band klingt wie eine Big Band, musiziert aber als kleines Orchester mit vier Bläsern und vier Rhythmikern Jazz in der ganzen Bandbreite zwischen dem Swing der 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts, New-Orleans-Stil und Jazz mit afrikanischen Rhythmen. Jost Addi Münster hat die traditionsreiche Band 1985 neu formiert. Am kommenden Sonntag, 19. Februar, treffen sich die acht Musiker im Rahmen von “Reinickendorf Classics Berlin” im Ernst-Reuter-Saal. Das Konzert beginnt bereits um 16 Uhr, Tickets sind unter der Telefonnummer 479 974 23 oder an der Tageskasse und in allen Theaterkassen erhältlich.