Altenplan des Bezirks nach vier Jahren fertiggestellt : 2030 leben in Spandau 20.000 über 80-Jährige

Vier Jahre nach einem entsprechenden Antrag des Seniorenbeirats hat das Bezirksamt jetzt einen Altenplan fertiggestellt. Danach besteht großer Handlungsbedarf, weil die Überalterung drastisch zunimmt.

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Opa, mach' mal. Foto: Imago
Opa, mach' mal.Foto: Imago

Bis 2030 wird die Zahl der über 65-Jährigen Spandauer um gut 10.000 auf rund 63.100 Personen ansteigen, das sind 27,06 Prozent der dann erwarteten Einwohnerzahl des Bezirks. Die Gruppe der Hoch- und Höchstbetagten im Alter ab 80 Jahren wird sogar um gut 60 Prozent von fast 13.000 auf über 20.000 zunehmen. Daraus ergibt sich dringenden Handlungsbedarf, sagte Gesundheits- und Sozialstadtrat Frank Bewig (CDU) bei der Übergabe des Spandauer Altenplans an den Seniorenbeirat. Dessen Aufstellung hatten aufgrund der personellen Engpässe vier Jahre gebraucht.

Einfluss des Bezirks ist begrenzt

Auf viele Bereiche wie die medizinische Versorgung können die Bezirke keinen Einfluss nehmen, bedauerte Bewig. So ist der Versorgungsgrad mit Ärzten in den einzelnen Ortsteilen sehr unterschiedlich und teilweise unbefriedigend. Hier gelte es, zukünftig beim gemeinsamen Landesgremium auf eine bedarfsorientierte Verteilung von Ärzten zu drängen. Gleiches gelte für die speziellen Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund sowie für die pflegerische Versorgung. Hochrechnungen gehen davon aus, dass sich die Zahl der pflegebedürftigen Berliner im Alter von über 80 Jahren bis 2060 verdoppeln wird. Auch hier bedarf es einer besseren räumlichen Verteilung der stationären Pflegeeinrichtungen und einer besseren Unterstützung der pflegenden Angehörigen, die rund die Hälfte der Betroffenen betreuen.

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Heerstraße Ecke Pichelsdorfer Straße (quasi am heutigen Curry-Pilz). Hier stand bis 1958 eine Verkehrssäule. Es gibt Ideen, diese wieder aufzubauen. Foto: ArchivWeitere Bilder anzeigen
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14.06.2017 08:29Heerstraße Ecke Pichelsdorfer Straße (quasi am heutigen Curry-Pilz). Hier stand bis 1958 eine Verkehrssäule. Es gibt Ideen, diese...

Eine komplette Barrierefreiheit beim Wohnungsbau kann nicht durchgesetzt werden, obwohl der Dialog mit den Gesellschaften gemeinsam mit dem Bauamt intensiviert werden soll. Auch eine wohnungsnahe Versorgung durch den Einzelhandel kann nicht erzwungen werden, so Bewig. Der Stadtrat nannte als Beispiel die Schließung des Kaisers-Marktes in Hakenfelde, durch die ein wichtiger Anlaufpunkt für die Region weggefallen ist. Auch für Post- und Gelddienstleistungen seien Automaten für die ältere Generation keine Alternative zu mit Menschen besetzten Schaltern.


Aufsuchende Beratung wird aufgebaut

„Information und Beratung gewinnen zunehmend an Bedeutung“, sagte Bewig. Dabei sei die Eröffnung des dritten Spandauer Pflegestützpunktes in Kladow nur ein erster Schritt. Da viele Senioren den Gang zu Beratungsstellen scheuen werde die aufsuchende Beratung immer wichtiger. Deshalb seien im Bezirkshaushalt bis zu 50.000 Euro eingestellt worden, um dafür mittelfristig Träger zu etablieren. Auch die drei Spandauer Seniorenclubs mit zusammen mehr als 100.000 Besuchern im Jahr gelten als nicht mehr ausreichend. „Wir brauchen mindesten ein bis zwei zusätzliche Clubs“, so der Stadtrat. Zusammen mit drei Vereinen sollen kurzfristig zusätzliche dezentrale Freizeitangebote in bisher nicht abgedeckten Regionen geschaffen werden.

Lücken bei Stadtteilzentren

Auch die Stadtteilzentren sollen mit Landesmitteln weiter ausgebaut werden, um hier die Zielgruppe Senioren besser berücksichtigen zu können. Lücken bestehen insbesondere in der Neustadt und im Falkenhagener Feld, so der Kommunalpolitiker. Optimierungsbedarf sieht Bewig auch bei den Bürgerämtern, wo mehr Personal und intelligentere Lösungen gerade auch im Hinblick auf mobile Angebote gefragt seien. Ein Hoffnungsschimmer: Nachdem den Bezirken über die Mittel der wachsenden Stadt wieder Einstellungen bewilligt werden, soll eine Stelle für den Bereich Altenhilfe und Gesundheitsförderung geschaffen werden.

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Stadtrat Frank Bewig (rechts) übergab den Altenplan an Rosemarie Munzel und Klaus-Dieter Trautmann vom Seniorenbeirat. Foto: During
Stadtrat Frank Bewig (rechts) übergab den Altenplan an Rosemarie Munzel und Klaus-Dieter Trautmann vom Seniorenbeirat.Foto: During

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