Astrid-Lindgren-Grundschule : „UFO“ im Schulgarten

Sechstklässler schickten vor dem Schulwechsel Briefe auf eine Zeitreise in die Zukunft.

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Zwei Schüler werfen ihre Briefe in die Zeitkapsel.
Zwei Schüler werfen ihre Briefe in die Zeitkapsel.Foto: Damerow

Das „Ding“, das auf einer Grünfläche vor der Astrid-Lindgren-Grundschule an der Staakener Südekumzeile vergraben wurde, wirkt futuristisch. Eine silberglänzende Stahltrommel mit Schrauben, Ventilen und einem Schlauch, an dem gerade noch eine gelbe Gasflasche hing. Eine Tauchkapsel, ein abgestürzter Satellit oder gar ein UFO? Nein, eine Zeitkapsel für die Kids, die nach den Ferien die Schule wechseln und in einen neuen Lebensabschnitt starten.

Die Kapsel wurde vor der Schule vergaben (Gesichter von Kindern ohne Einverständniserklärung der Eltern unkenntlich gemacht).
Die Kapsel wurde vor der Schule vergaben (Gesichter von Kindern ohne Einverständniserklärung der Eltern unkenntlich gemacht).Foto: Damerow

Die Idee hatte der scheidende Gesamtelternvertreter Thassilo Damerow. Die Sechstklässler wurden aufgefordert, zwei Briefe in die Zukunft zu schreiben. Einen persönlichen an sich selbst (roter Umschlag), in dem sie notierten, was ihnen persönlich wichtig ist, wen sie toll finden, was sie aktuell beschäftigt und was sie von ihrem eigenen Ich in der Zukunft erwarten. Und einen zweiten Brief (weißer Umschlag), in dem sie beschreiben, was sie in der Grundschulzeit erlebt haben und wie sie sich die Zukunft vorstellen. Diesen dürfen später alle lesen.

Die futuristisch wirkende Zeitkapsel.
Die futuristisch wirkende Zeitkapsel.Foto: Damerow

„Die Lehrerinnen und ich haben die erstaunliche Erfahrung gemacht, dass die Kinder plötzlich anfingen, sich ganz konkret mit ihrer Zukunft auseinanderzusetzen, bislang war das nie der Fall“, berichtet Damerow. Dabei seien die Mädchen den Jungen mit tiefergreifenden Ideen und Vorstellungen weit voraus gewesen. „Ich bin schon ganz gespannt, was wir in circa 15 Jahren zu lesen bekommen.“ Denn erst 2032, wenn die heutigen Schülerinnen und Schüler um die 27 Jahre alt sind und viele schon eigene Familien gegründet haben, sollen die Briefe wieder ausgegraben werden.

Damit die Briefe die Zeit im Boden unbeschadet überstehen hat Thassilo Damerow, der am Schwerionenbeschleuniger des Berliner Helmholtz-Zentrums arbeitet, aus Abfallstücken die Zeitkapsel konstruiert. Sie besteht aus rostfreiem Edelstahl und wurde nach dem Einfüllen der Briefe der Sechstklässler versiegelt. Dann wurde die Luft abgepumpt, die Kapsel mit Argongas befüllt und dann gemeinsam vergraben. Wichtig sei ihm dabei auch gewesen, den Kindern bei dem Projekt Hintergrundwissen zu Physik und Chemie näher zu bringen, so Damerow. „Durch eine direkte Beteiligung daran bleiben solche Erinnerungen bei den Kindern eher haften.“
Im Erdreich ist die Zeitkapsel in eine Haltevorrichtung eingerastet, die sie durch eine Mechanik frühestens in zehn Jahren wieder freigeben wird. Doch erst in circa 15 Jahren wollen sich alle Beteiligten wieder in der Südekumzeile treffen, um die Kapsel gemeinsam auszugraben und zu öffnen.

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