Babysimulator-Einsatz in Spandau soll verstärkt werden : Schüler proben Elternschaft

Mit dem Babysimulator wird es möglich: Schülerinnen und Schüler aus den neunten und zehnten Klassen von Spandauer Schulen erleben fünf Tage lang was es bedeutet, Mutter oder Vater zu sein.

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Nico übt sich als Vater, Ullrike Bartz und Gerhard Hanke schauen zu.
Nico übt sich als Vater, Ullrike Bartz und Gerhard Hanke schauen zu.Foto: During

Das Baby im rosa Strampler mauzt erst verhalten, dann plärrt es kräftig drauflos. Nico (14) weiß, die Kleine hat die Hosen voll. Geschickt wechselt er die Windel, so wie er es gelernt hat. Ein zufriedener Juchzer, der Säugling ist zufrieden. Bereits seit mehreren Jahren haben Mädchen und Jungen an Spandauer Oberschulen die Möglichkeit, im Rahmen des Projekts „Babybedenkzeit“ bei Projekttagen oder in Arbeitsgemeinschaften fünf Tage lang oder über ein Wochenende die elterlichen Pflichten kennenzulernen. Für diese Zeit bekommen sie ein eigenes „Baby“.
Die „Kinder“, das sind in den USA entwickelte Babysimulatoren, die per Computer auf die Verhaltensweisen eines echten Säuglings programmiert werden. So schreien sie unvermittelt auch nachts, wenn sie in die Windeln gemacht haben oder ihr Fläschchen wollen, machen Bäuerchen oder wollen im Arm gewiegt werden. Meist wollen ein Mädchen und ein Junge als „Elternpaar“ das „Baby“ gemeinsam betreuen, berichtet Ullrike Bartz, „Babybedenkzeit“-Ausbilderin und Erzieherin im Spandauer SportJugendClub „Wildwuchs“ an der Götelstraße. Alle Versorgungsschritte werden vom Computer aufgezeichnet, Verhaltensfehler bei den täglichen Meetings und dem Abschlussgespräch erörtert.

Meist ist die Nachfrage größer als das Angebot, denn bisher stehen nur vier der jeweils rund 1200 Euro teuren Simulatoren zur Verfügung. „Die Jugendlichen lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und sich mit Stresssituationen auseinanderzusetzen“, so Ullrike Bartz. „Ich hätte es am liebsten geschüttelt“ ist ein häufiger Satz bei den Abschlussbesprechungen. Wie gefährlich das ist, demonstriert die Trainerin am Schütteltrauma-Simulator. Dieses „Baby“ hat einen durchsichtigen Kopf. Wird es geschüttelt, signalisieren rote Blinklichter, welche Gehirnteile bereits geschädigt wurden. Auch Modelle für einen alkohol- und einen drogengeschädigten Säugling hat Ullrike Bartz im Gepäck. Und einen umschnallbaren Babybauch, dessen Trägerin ausprobieren kann, wie schwer es fällt, sich im neunten Monat die Schuhe zu schnüren.

Der Schütteltrauma-Simulator (links) sowie die Modelle alkohol- und drogengeschädigten Babys mahnen vor Fehlverhalten.
Der Schütteltrauma-Simulator (links) sowie die Modelle alkohol- und drogengeschädigten Babys mahnen vor Fehlverhalten.Foto: During

Der Stadtrat für Jugend, Bildung, Kultur und Sport, Gerhard Hanke (CDU), übergab Ullrike Bartz jetzt zwei Spezialkoffer für den einfacheren Transport der Babysimulatoren. Die Fälle aus einer Praxis würden zeigen, wie wichtig Vorbereitung bei einer Schwangerschaft sein kann, sagte der Kommunalpolitiker. Das bisher immer nur begrenzt und jeweils für ein Jahr befristet geförderte Projekt sei „Prävention wie ich sie mir vorstelle“. Hier müsse sich der Bezirk noch breiter aufstellen. „Wir geben jährlich 40 Millionen Euro für Hilfen zur Erziehung aus, könnten wir eine Million für die Prävention investieren würde sich diese Summe in wenigen Jahren drastisch reduzieren.“

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