Berlin-Spandau : Kann die Altstadt mehr bieten als nur Nagelstudios?

Seit Jahrzehnten dümpelt Spandaus Zentrum vor sich hin. Das Interesse: mau. Uns interessiert Ihre Meinung: Wie könnte die Altstadt attraktiver werden?

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Spandaus Zentrum - die Altstadt.
Spandaus Zentrum - die Altstadt.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wie weiter mit der Altstadt Spandau? Beim 2. Altstadtforum wurde am Donnerstagabend im Bürgersaal des Rathauses über den aktuellen Stand der Umsetzung des Förderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ in der Spandauer Altstadt informiert. Bis zu 50 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um das Zentrum des Bezirks bis 2025 attraktiver zu gestalten.

Leerstand, Branchenmix und Öffnungszeiten sind nach wie vor Knackpunkte. Immerhin ist es gelungen, die Zahl der leerstehenden Geschäfte seit dem vergangenen Jahr von 38 auf aktuell 18 und der leerstehenden Büroflächen von 16 auf drei zu reduzieren. Das berichtet Andreas Wunderlich von der mit dem Altstadtmanagement beauftragten Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft.

Nicht mal der Wirtschaftsstadtrat kam

Nicht weniger als elf Nagelstudios und zahlreiche Friseure tragen aber nicht gerade zur Vielfalt des Angebots bei. So wurde ein Runder Tisch der Gewerbetreibenden gebildet (nächster Treff am 19. Januar um 19 Uhr im Seniorenklub, Mauerstraße 10a). Einheitliche Ladenöffnungszeiten, über die seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert wird, sind ebenso entscheidend wie gemeinsames Vorgehen bei verkaufsoffenen Sonntagen, betonte Alexander Galipp, Besitzer eines Schuhhauses. Angedacht ist auch eine Werbegemeinschaft, wie sie in Einkaufszentren längst an der Tagesordnung ist.

Beim Altstadtforum blieben die Akteure fast unter sich.
Beim Altstadtforum blieben die Akteure fast unter sich.Foto: During

Doch das Interesse von Bewohnern und Gewerbetreibender hält sich offensichtlich in Grenzen. Zog man die Offiziellen und Berichterstatter ab, waren knapp zwei Dutzend Zuhörer in den Bürgersaal des Rathauses gekommen. Selbst der in der Einladung neben dem frischgebackenen Baustadtrat Frank Bewig (CDU) als Gastgeber genannte, neu auch für das Wirtschaftsressort zuständige Stadtrat und Vizebürgermeister Gerhard Hanke (CDU) war lieber zur Sportlerehrung gegangen, obwohl er nicht mehr für den Sportbereich zuständig ist.

Ufergastronomie und Kampf dem Stolperpflaster

Dabei „lebt das Projekt von den Akteuren, die mitmachen“, hatte Stadtrat Bewig noch in seiner Begrüßung betont. So geht es unter anderem um die Umgestaltung des Marktplatzes mit seinem Stolperpflaster und des Reformationsplatzes rund um die St. Nikolai-Kirche. Aber auch um die bisher fehlenden Angebote für Fahrrad- und Wassertouristen am Lindenufer, wo auch potentielle Gastronomiestandorte und ein möglicher Liegeplatz für ein Restaurationsschiff gesucht werden. Das Kulturhaus und der Seniorenklub Lindenufer sollen saniert und erweitert, das Dachgeschoss der Stadtbibliothek an der Carl-Schurz-Straße ausgebaut werden. Auch der Umbau der Musikschule an der Moritzstraße steht uns Haus und das ehemalige Grundstück der Polizei-Reiterstaffel am Altstädter Ring dient der Erweiterung der Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums.

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Postkarte aus dem Jahr 1930 (oder früher): Insel Imchen am Hafen Kladow mit noch sehr kleinen Bäumen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 92Foto: Imago
07.09.2017 07:15Postkarte aus dem Jahr 1930 (oder früher): Insel Imchen am Hafen Kladow mit noch sehr kleinen Bäumen.


Gestaltungshandbuch soll Nutzung des Straßenlandes regeln

In einem Gestaltungshandbuch soll unter Einbeziehung aller Beteiligten festgeschrieben werden, welche Formen der Sondernutzung von Straßenland beispielsweise durch Werbeaufsteller oder Vorgärten von Gaststätten künftig zulässig sind, so Andreas Wunderlich von der mit dem Altstadtmanagement beauftragten Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft. Dazu gibt es Veranstaltungen am 19. Februar (Straßenland-Sondernutzung) und 9. März (Werbeanlagen) jeweils ab 18.30 Uhr in der Galerie des Kulturhauses an der Mauerstraße 6.

20.000 Euro pro Jahr stehen als Gebietsfonds für die Förderung von Projekten zur Verfügung, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert wird. Eine Jury entscheidet über die Vergabe der Mittel, jeweils die Hälfte der Kosten muss der Antragssteller selbst tragen. 2016 wurden die ersten vier Anträge genehmigt, die künstlerische Gestaltung von sieben Verteilerkästen, die Erweiterung der Weihnachtsmarktbeleuchtung sowie die Neugestaltung der Außenwerbung und die Aufbereitung der Fenster im Rahmen der Neuvergabe eines Restaurants.

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Dieses Bild schickte uns Tagesspiegel-Leser Axel Noack. Es zeigt den Post-Rohbau von Spandau, Ende der 70er Jahre. Der Fotograf steht an der Klosterstraße Ecke Charlottenburger Chaussee.Weitere Bilder anzeigen
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10.02.2017 13:58Dieses Bild schickte uns Tagesspiegel-Leser Axel Noack. Es zeigt den Post-Rohbau von Spandau, Ende der 70er Jahre. Der Fotograf...

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